Überall hat’s Plastik dran
Sie sind überall drin und dran: Kunststoffe. Eine sehr häufige chemische Verbindung mit dem Namen Bisphenol A (BPA) wird als Ausgangsstoff für die Herstellung von Polycarbonat-Kunststoffen und als Weichmacher verwendet. In unserem Alltag begegnen wir BPA in Mehrweg-Plastikgeschirr, Kassenzetteln, Billetten, Konservendosen, Plastikflaschen und diversen Plastikverpackungen. Es ist oftmals schwierig, die Stoffe als BPA zu entlarven. Wer Glück hat, findet auf der Verpackung den Recyclingcode Nummer 7 oder die Abkürzung PC für Polycarbonat-Kunststoffe.
„Wir wissen, dass dieser Stoff in die Entwicklung des Menschen eingreifen kann.“
Andreas Gies, Leiter der Abteilung Gesundheit und Umwelthygiene beim Deutschen Umweltbundesamt
BPA gilt als gesundheitsgefährdend. Eine Recherche auf der Webseite des Deutschen Ärzteblattes zeigt: Gibt man in der Suche den Begriff „Bisphenol A“ ein, erhält man zahlreiche Hinweise auf die Gefahr, die vom Stoff ausgehen: BPA lässt sich im Urin messen, er soll Diabetes verursachen, die Lungenfunktion schwächen, Spermien schädigen, dick machen, das Risiko für Krebs und das Verhalten von Mädchen beeinflussen.
Wie ein Geschlechtshormon
Der Stoff gelangt von den Verpackungen in die Nahrung und von da in den menschlichen Körper. BPA ahmt dort das weibliche Hormon Östrogen nach und hat entsprechend negative Auswirkungen auf die Fruchtbarkeit und die Entwicklung des ungeborenen Kinds, wie das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) schreibt. Andreas Gies, Leiter der Abteilung Gesundheit und Umwelthygiene beim Deutschen Umweltbundesamt, bestätigt dies gegenüber medizinauskunft.de: „Wir wissen, dass dieser Stoff in die Entwicklung des Menschen eingreifen kann.“ Insbesondere beim Erwärmen der Kunststoffbehälter – sei dies durch warme Speisen oder beim Abwasch –, und beim Aufbringen von Säuren und Laugen, löst sich BPA leichter heraus.
Vieles bleibt unklar
Eine Debatte über die Grenzwerte für BPA ist entbrannt, ebenso über die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Das Deutsche Bundesamt für Risikobewertung (BfR) stuft den Stoff als ungefährlich ein: BPA werde im menschlichen Körper in ein Stoffwechselprodukt umgewandelt, das keine östrogene Wirkung mehr habe und rasch über die Nieren ausgeschieden würde, sagt es. Forschungsergebnisse, die mit Ratten gewonnen wurden, könnten zu einem falschen Bild führen, denn die Nager weisen eine langsamere Ausscheidung des Stoffs auf und könnten so stärker von der östrogenen Wirkung beeinflusst werden, schreibt medizinauskunft.de.
Grenzwert gesenkt
In den letzten Jahren kam die Forschung zu neuen Ergebnissen und erhob weitere Daten zur BPA-Problematik. Das veranlasste die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) den zugelassenen Grenzwert für den Stoff den neusten Erkenntnissen anzupassen. Die Studien, auf denen der EFSA-Entscheid basiert, zeigen: Lebensmittelkonserven sind für Menschen aller Altersgruppen eine bedeutende Quelle von BPA, und am meisten BPA nehmen Säuglinge und Kinder auf, da sie im Verhältnis zu ihrem Körpergewicht mehr Lebensmittel aufnehmen als andere Altersgruppen. Neu beträgt die tolerierbare tägliche Aufnahme 4 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht, statt wie bis anhin 50 Mikrogramm. Dieser Grenzwert gilt für die EU. In der Schweiz gilt ein Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Kilogramm Körpergewicht, schreibt das BLV, das die EU-Diskussionen zum Thema genau verfolge.
Dem wissenschaftlichen Gutachten zu BPA ist zu entnehmen: BPA aus Lebensmitteln stelle kein Risiko für die menschliche Gesundheit dar. Dennoch gibt es beträchtliche Unsicherheiten, insbesondere bei Spielzeug, Staub, Kosmetika und Thermopapier (zum Beispiel Kassenzettel). Die Daten über die Folgen einer BPA-Exposition für die Fortpflanzungsorgane, die Brustdrüse, das Stoffwechsel-, Nerven- sowie das Immunsystem seien unklar. Dies hat die Behörde dazu bewogen, den Grenzwert in der EU zu senken.
Nur Verzicht hilft wirklich
Wer sich selber nicht dem Risiko von BPA aussetzen will, der kann dies mit leicht verändertem Konsumverhalten erreichen: Verzicht auf Plastikflaschen und verpackte Lebensmittel, da man als Konsument selten weiss, woraus die Plastikverpackung wirklich besteht. Mehrweg-Plastikgeschirr sollte nicht in Geschirrspülern gewaschen werden, weil sich beim Waschvorgang BPA herauslösen kann und somit das gesamte Spülwasser und das restliche Geschirr mit BPA kontaminiert wird. Wer dennoch nicht auf Plastikbehälter verzichten kann, muss sich nach Gefässen mit einem BPA-free- oder BPA-frei-Label umsehen. In Outdoorläden zum Beispiel steht eine grosse Auswahl von BPA-freien Behältern zur Verfügung.
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