Käfer à discretion

10 Mär 2015
Wenn’s nach dem Bund geht, dürften wir bald Insekten auf unseren Tellern finden. Wenn’s nach dem Bund geht, dürften wir bald Insekten auf unseren Tellern finden.

Wer kann es sich in der Schweiz vorstellen, Käfer, Mehlwürmer, Grillen, Heuschrecken und Maden zu verzehren ? Die meisten ekelt nur schon die Vorstellung; aber Insekten bieten zahlreiche Vorteile: Sie sind leicht zu züchten, sind sehr nahrhaft, sie brauchen wenig Platz, es gibt sie in grosser Zahl und sie sind weniger problematisch für die Umwelt als die uns bekannten Nutztiere Rinder, Schweine und Hühner. In tropischen Ländern werden sie als Delikatessen oder als gewöhnliches Lebensmittel verspeist. Auch die Schweiz plant eine Zulassung für essbare Insekten: Geht es nach dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit, sollen Insekten in der Schweiz ab 2016 als Nahrungsmittel erhältlich sein.

Bald bei uns auf dem Tisch

Heuschreckengeschnetzeltes, frittierte Käfer und Mehlwürmer-Küchlein – Insekten zu verspeisen ist in vielen tropischen Ländern ganz normal. Bei uns in der westlichen Welt stehen sie nicht auf dem Speiseplan. Das soll sich nun ändern: Das Bundesamt für Lebensmittelsicherheit will verschiedene Insekten wie Heuschrecken, Grillen oder Mehlwürmer in die Lebensmittelverordnung aufnehmen, wie die NZZ berichtet. Demnach sollen Insekten ab 2016 als Nahrungsmittel erhältlich sein.

Doch woher kommt die Idee Insekten zu verspeisen, wo doch so viele Menschen sich bereits beim Anblick vor den sechsbeinigen Wirbellosen ekeln? Insekten bieten gegenüber herkömmlichen Proteinquellen zahlreiche Vorteile. Ob sie die Lösung für eine gesicherte Proteinversorgung der Weltbevölkerung sind, wird kontrovers diskutiert.

Insektenzucht hat viele Vorteile

Entomophagie – wie das Verspeisen von Insekten wissenschaftlich genannt wird – ist eine uralte, weit verbreitete Ernährungsweise. Ein Bericht der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) widmet sich der Entomophagie. Sie listet die zahlreichen Vorteile dieser Ernährungsform auf: Insekten sind eine gesunde, nahrhafte Alternative zu herkömmlichen Proteinquellen wie Hühner, Schweine, Rinder oder Fischen. Weil Insekten reich an Proteinen und gesunden Fetten sind, und darüber hinaus reich an Kalzium, Eisen und Zink, sind sie für die menschliche Ernährung gut geeignet. Neben ernährungsphysiologischen Überlegungen haben Insekten als Nutztiere entscheidende Vorteile gegenüber herkömmlichen Nutztieren: Sie erzeugen massiv weniger Treibhausgase, vor allem weniger Methan. Die Zucht von Insekten braucht wenig Land. Bei der Zucht der Insekten fallen weniger Stickstoffverbindungen an als zum Beispiel bei der Schweinehaltung. Insekten sind zudem sehr gute Futterverwerter: Beispielsweise benötigen Grillen 12 mal weniger Futter als Rinder, um die gleiche Menge Protein zu produzieren. Ein entscheidender Vorteil liegt darin, dass Insekten mit organischen Abfällen gefüttert werden können. Die Insektenzucht ist einfach zu bewerkstelligen und braucht für den Einstieg wenig Kapital, wie der Bericht der FAO schreibt.

Nachhaltigkeit auch bei Insekten nötig

Werden Insekten nicht nachhaltig wild gefangen, ist mit gravierenden Folgen für die Ökosysteme der Erde zu rechnen. Denn Insekten haben zahlreiche wichtige Aufgaben: Sie bestäuben Pflanzen, bauen tote Lebewesen und Kot ab, kontrollieren als Nützlinge in der Landwirtschaft und der Natur Schädlinge auf natürliche Weise. Neben ihrer Rolle für die Ökosysteme, sind Insekten auch Produzenten von Produkten, die für uns Menschen wertvoll sind: Beispielsweise Honig, Seide und Bienenwachs.
Bei Insekten aus Wildfang besteht für die Konsumenten die Gefahr, dass die Tiere mit Giften verseucht sind. In Kuwait wiesen für den Verzehr gefangene Heuschrecken hohe Konzentrationen von Pestizidrückständen auf, schreibt der FAO-Bericht. Bei Insekten aus Zucht sollte dies nicht vorkommen.

Gar nicht so selten wie man glaubt

Weit verbreitet ist der Konsum von Insekten in Mexiko, China, Indien, Südostasien, Südamerika, Zentral- und Südafrika, aber auch in Australien. Die meisten essbaren Insekten gehören zu den Insektenordnungen der Käfer (Coleoptera), der Schmetterlinge und Motten (Lepidoptera), der Wespen, Bienen und Ameisen (Hymenoptera) und der Heuschrecken und Grillen (Orthoptera). Meistens werden die Larvenstadien der Insekten verspeist, so zum Beispiel Mehlwürmer (Tenebrio molitor), die Larven des Mehlkäfers.

Nichts Neues

Die Geschichte der Entomophagie reicht zurück bis ins Altertum, bereits in der Bibel finden sich Hinweise auf diese Ernährungsweise. Ob die Insekten in der heutigen Schweiz eine mögliche Alternative zu Rindfleisch, Poulet und Schweinefleisch werden, zeigt sich spätestens im nächsten Jahr, wenn Insekten in den Handel kommen.

  • Click to enlarge image Insecten-Speisen-Vielfalt.jpg Ausreichende Vielfalt ist gegeben. Quelle: pixabay
  • Click to enlarge image Insekten-Speisen-Vorbereitet.jpg Wird es den europäischen Gourmet überzeugen können? Quelle: wikimedia
  • Click to enlarge image Insekten-auf-dem-Tisch-Essen.jpg In vielen Regionen der Welt sind Insekten alltägliche Nahrung. Quelle: pixabay
  • Click to enlarge image Referat Nordmann.jpg
 

Kommentar schreiben

Die Kommentare werden vor dem Aufschalten von unseren Administratoren geprüft. Es kann deshalb zu Verzögerungen kommen. Die Aufschaltung kann nach nachstehenden Kriterien auch verweigert werden:

Ehrverletzung/Beleidigung: Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehören die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken ebenso wie persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer.

Rassismus/Sexismus: Es ist nicht erlaubt, Inhalte zu verbreiten, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen und Personen aufgrund ihrer Rasse, Ethnie, Kultur oder Geschlecht herabsetzen oder zu Hass aufrufen. Diskriminierende Äusserungen werden nicht publiziert.
Verleumdung: Wir dulden keine Verleumdungen gegen einzelne Personen oder Unternehmen.

Vulgarität: Wir publizieren keine Kommentare, die Fluchwörter enthalten oder vulgär sind.

Werbung: Eigenwerbung, Reklame für kommerzielle Produkte oder politische Propaganda haben keinen Platz in Onlinekommentaren.

Logo von umweltnetz-schweiz

umweltnetz-schweiz.ch

Forum für umweltbewusste Menschen

Informationen aus den Bereichen Umwelt, Natur, Ökologie, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Das wirkungsvolle Umweltportal.

Redaktion

Stiftung Umweltinformation Schweiz
Eichwaldstrasse 35
6005 Luzern
Telefon 041 240 57 57
E-Mail redaktion@umweltnetz-schweiz.ch

Social Media

×

Newsletter Anmeldung

Bleiben Sie auf dem neusten Stand und melden Sie sich bei unserem Newsletter an.