Autsch - Quallenalarm

Leuchtqualle (Pelagia noctiluca, Elba) Leuchtqualle (Pelagia noctiluca, Elba)

Hätten Sie die Meduse am liebsten weggeklickt? Hat Sie die morbide Faszination daran gehindert? Fakt ist; die meisten Menschen, die schon mal Bekanntschaft gemacht haben mit einer solchen Schönheit, würden gerne auf die Erfahrung verzichten. Dabei ist Qualle nicht gleich Qualle.

Zunächst einmal gibt es verschiedene Begriffe die man auseinanderhalten muss. Qualle ist der umgangssprachliche, zusammenfassende Begriff, der sich nach zoologischer Klassifikation nicht bestätigen lässt. Sogenannte ‘Quallen‘ gibt es nämlich in zwei verschiedenen Stämmen. Der Stamm der Rippenquallen (Ctenophora) ist dabei für den Menschen unbedenklich, da diesen Lebewesen die Nesselzellen fehlen. Sie sind höchstens für Fischer lästig, wenn sie, in grosser Zahl, deren Netze verstopfen. Ganz anders verhält es sich mit dem Stamm der Nesseltiere (Cnidaria). Neben den Korallen findet man in diesem Stamm auch drei Klassen von ‘Quallen‘. Die Scyphozoa haben den typischsten Bau, das sind nämlich die Schirmquallen. Zu diesen gehört zum Beispiel auch die Leuchtqualle (Pelagia noctiluca, siehe Foto), die so manchen Urlauber aus dem Mittelmeer treibt. Zu den Cubozoa, nämlich den Würfelquallen, gehören einige der gefährlichsten Tiere der Welt, unter anderem die Seewespe (Chironex fleckeri). Zu den Hydrozoa gehört die Portugiesische Galeere (Physalia physalis) deren Tentakel bis zu 50 m lang werden. Im Gegensatz zu den anderen Klassen sind die ‘Quallen‘ der Hydrozoen keine Medusen, sondern Polypenkolonien. In diesen Kolonien hat jeder Polyp eine bestimmte Aufgabe und nur zusammen als ‘Staatsqualle‘ überleben sie. Das bedeutet übrigens auch, dass gewisse Polypen nur zum Nesseln da sind und andere nur zur Fortpflanzung.

"Wird ein Mensch von einer Qualle genesselt, ist das für beide Seiten unerfreulich!“

 Wieso sie feuern

Berührt ein Fisch die Tentakel einer Leuchtqualle, berührt er unzählige ihrer Tastrezeptoren. Als Antwort darauf feuert sie mit Widerhaken bewehrte Nesselschläuche ab. Innert kürzester Zeit ist der Fisch gelähmt oder gar tot. Die Nesselschläuche verkürzen sich und der tote Fisch wird durch die Mundöffnung in den Schirm hineingezogen. Dort wird er verdaut. Die unverdaulichen Reste werden durch den Mund wieder ausgespuckt. Wird ein Mensch von einer Qualle genesselt, ist das für beide Seiten unerfreulich. Der Mensch einerseits spürt vielleicht nichts, vielleicht juckts oder brennts, oder es resultiert sogar in einem Herz-Kreislauf-Stillstand. Die Qualle andererseits muss, auch wenn sie keine Nährstoffe vom Menschen gewonnen hat, trotzdem ihre abgefeuerten Nesselzellen ersetzen. Die Produktion neuer Zellen, besonders wenn sie Gift enthalten, ist immer energieintensiv. Interessanterweise werden die Nesselzellen nicht unbedingt dort produziert, wo sie gebraucht werden, sondern sie wandern nach der Entstehung quer durch die Meduse zum Bestimmungsort. Übrigens ist längst nicht jede Qualle fähig, dem Menschen Schaden zuzufügen. Manche „Nesselharpunen“ können unsere Haut nicht durchdringen. Bei der sehr gefährlichen Seewespe genügt es schon, wenn man die Haut überall bedeckt - und sei es auch nur mit Nylonstrümpfen. Falls übrigens mal ein Tentakel auf der Haut kleben bleibt: Mit Meerwasser oder Haushaltsessig abspülen und nicht auch noch mit den Fingern reinfassen. Benutzt man Trinkwasser, platzen auch noch die restlichen Nesselzellen!

Verbreitung

Quallen lassen sich oft von den Meeresströmungen treiben. Sie können sich je nach Gruppe mit verschiedenen Sinnesorganen orientieren. Einfache Augen, Zellen die oben und unten unterscheiden können oder auch Chemorezeptoren tragen zum Erfolg der Quallen bei. Mit dem Rückstossprinzip bewegen sich die Medusen dann in die gewünschte Richtung. Es gibt allerdings noch spektakulärere Fortbewegungsmethoden: Die Portugiesische Galeere beispielsweise nutzt ihre luftgefüllte Blase, um sich vom Wind treiben zu lassen. In den letzten Jahren machen grosse Schwärme immer öfters Schlagzeilen. Dies hat neben der klimabedingten Wassererwärmung weitere tragische Hintergründe. Ausgewachsene Quallen werden von Räubern wie Thunfischen und Meeresschildkröten gefressen. Der Mensch fängt aber alle grossen Raubfische aus den Meeren, um sie zu verspeisen. Die sowieso seltenen Meeresschildkröten verwechseln Plastiksäcke mit Quallen und sterben daran. Wenn die Menschheit den grossen ‘Räubern‘ weiter so zusetzt, werden die Quallen die lachenden Dritten sein.

Weitere Informationen:
Quallen im Meer
Fragenkatalog Cnidaria

Bildergalerie

  • Click to enlarge image 15_08_05_Physalia DSC00342_Lolo.jpg Staatsquallen der Gattung Physalia, angespült am Strand von Manly (nahe Sydney, Australien)

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