Heutige Treibhausgaskonzentrationen beispiellos in der Geschichte

04 Nov 2014
Morteratschgletscher - Der Abwärtstrend beim Gletscher- und Meereis ist gefestigt. Morteratschgletscher - Der Abwärtstrend beim Gletscher- und Meereis ist gefestigt.

Eine halbe Million Menschen in 150 Ländern ist diesen Herbst auf die Strasse gegangen, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Sie alle verlangen Taten statt Worte, um den weltweiten Klimawandel einzudämmen. Auch die Wissenschaftler verlangen im neuesten Abschlussbericht des Weltklimarats ein Handeln der Weltgemeinschaft und der Politik.

Der fünfte und neueste  (IPCC, Intergovernmental Panel on Climate Change) stützt die bisherigen Erkenntnisse zum Klimawandel. Der Bericht hält fest, dass der menschliche Einfluss aufs Klima eindeutig sei und die aktuellen Klimaveränderungen ausgedehnte Auswirkungen auf den Menschen und die natürlichen Systeme habe. Die wissenschaftlichen Daten liefern eindeutige Hinweise auf einen weltweiten Klimawandel. Die Atmosphäre hat sich im Zeitraum von 1880 bis 2012 um 0,85°C erwärmt und jedes der letzten drei Jahrzehnte war im Durchschnitt wärmer als jedes vorangegangene Jahrzehnt seit 1850. Die menschgemachten Treibhausgasemissionen, die zu 78% aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe und aus industriellen Prozessen stammen, haben durch das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum zugenommen und sind heute höher als je zuvor. Trotz ergriffener Gegenmassnahmen nimmt die Konzentration der Treibhausgase weiter zu.

„[…] Dies hat zu den atmosphärischen Kohlendioxid-, Methan- und Stickoxidkonzentrationen geführt, die beispiellos sind in den letzten 800‘000 Jahren.“
5. Weltklimabericht

Eine häufig diskutierte Lösung, um die CO2-Konzentration der Atmosphäre zu verringern, ist die Einleitung des Gases in die Weltmeere, da die Ozeane als Kohlendioxidspeicher funktionieren. Das mag nach einer Lösung für das CO2-Problem klingen, hat aber gravierende Auswirkungen auf die chemische Eigenschaft des Meerwassers. Wird das CO2 im Meerwasser gelöst, so wird es zu Kohlensäure. Dieser Vorgang führt zur Versauerung der Ozeane. Wird das Wasser saurer, so wird es für Organismen wie beispielsweise die Korallen, die aus einem Kalkskelett aufgebaut sind, schwierig, ein bruchfestes Skelett aufzubauen. Die Säure zerstört sie, indem die Kalkskelette instabil werden. Alle Meereslebewesen werden in der Zukunft mit tieferen Sauerstoffkonzentrationen auskommen müssen. Denn steigt die Wassertemperatur, so ist weniger Sauerstoff im Wasser löslich. Die veränderten chemischen und physikalischen Eigenschaften des Meerwassers stellen marine Arten vor zusätzliche Herausforderungen. Es ist mit einem enormen Verlust der Artenvielfalt zu rechnen, der sich durch die Überfischung bereits heute abzeichnet. Dies ist nicht nur ein ökologisches, sondern auch ein wirtschaftliches Desaster, denn Millionen von Menschen an den Küsten verlieren auf diese Weise ihre Lebensgrundlage. Der Meeresspiegel ist im Zeitraum von 1901 bis 2010 im Durchschnitt um 0,19 Meter angestiegen, was die Situation der Küstenbewohner weiter verschärft. Der Klimawandel beeinflusse den weltweiten Wasserhaushalt, schreiben die Wissenschaftler. In trockenen Küstenregionen verdunstet mehr Wasser, wodurch das Meerwasser salziger wird. In Regionen hingegen, in denen es viele Niederschläge gibt, nimmt der Salzgehalt des Wassers ab.

Die Gletscher und das Meereis sind auch Teil des globalen Wasserkreislaufes. Sie sind die bekanntesten Zeugen des Klimawandels. Die Forscher berichten, dass im Zeitraum von 1992 bis 2011 das grönländische und antarktische Inlandeis an Masse verloren haben. Die Ausdehnung des arktischen Meereises nahm in der Zeit von 1979 bis 2012 ab, die Ausdehnung des antarktischen Meereises hingegen verzeichnete im selben Zeitraum ein geringes Wachstum. Der Tagesanzeiger berichtete am 29. Oktober über einen Dickenzuwachs einiger Schweizer Alpengletscher im Jahr 2014. Das ist eine interessante Beobachtung, hört man doch ständig vom Gletscherschwund. Was hat das Wachstum dieser Gletscher ausgelöst? Im Winter gab es grosse Niederschlagsmengen in Form von Schnee im Süden der Alpen. Dies führte dazu, dass Gletscher im südlichen Wallis und Engadin im Durchschnitt um 10 bis 50 Zentimeter an Dicke zugelegt haben. Am nördlichen Alpenhauptkamm hingegen war es trocken und mild. Die dortigen Gletscher verloren 40 bis 90 Zentimeter an Dicke, was einem moderaten Massenverlust entspricht. Die Witterung im Sommer war geprägt von feuchten und kühlen Tagen, einzig im Monat Juni war es zu warm. Mitten im Sommer gab es wiederholt Schneefälle oberhalb von 3000 Metern, was den Gletschern zugute kam. Die Bilanz aller Schweizer Gletscher ist hingegen gleich wie die der weltweiten Gletscher: Sie verloren an Masse. In der Schweiz war der Verlust mit rund 300 Millionen Kubikmeter, was dem Volumen des Hallwilersees entspricht, allerdings eher moderat. Eine ähnlich geringe Gletscherschmelze gab es ebenfalls in den Jahren 2002 und 2013. Solche Schwankungen zwischen Jahren, sogar zwischen Jahrzehnten, sind natürlich und liefern daher keine Entwarnung.

Im Gegensatz zu den früheren Klimaberichten zeigen die Forscher Wege auf, um dem Klimawandel zu begegnen. „Die Lösungen sind da, und sie sind nicht so teuer, wenn man international zusammenarbeitet“, erklärt IPCC-Chef Jean-Pascal van Ypersele der Deutschen Presse-Agentur (DPA). Mit der entsprechenden Wahl des Lebensstils und der Ernährungsweise, einer effizienten und umweltfreundlichen Ressourcennutzung sowie der Drosselung des Energieverbrauchs und einer zukunftsweisenden, dem Klimawandel begegnenden Klimapolitik können die Weichen noch rechtzeitig gestellt werden. Dies schreiben die Forscher im neuesten Bericht. „Es gibt noch ein Zeitfenster von zwei bis drei Jahrzehnten, in dem der Klimawandel zu akzeptablen Kosten gebremst werden kann“, rät der IPCC-Autor Ottmar Edenhofer. „Beginnt man erst in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts, kann man nur noch wenig tun“, äussert er sich im Interview mit der DPA.

Weitere Informationen:
Analysen, Berichte, Interviews zum 5. Sachstandsbericht des Weltklimarates - ipcc14.de

                                                   

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