Harte Fronten an der Klimakonferenz

15 Dez 2014
Die Klimakonferenz 2014 fand in Lima (Peru) statt. Die Klimakonferenz 2014 fand in Lima (Peru) statt.

Der Mini-Kompromiss von Lima mit seinen sehr vagen Zielen zur CO2-Minderung zeigt: Selbst wenn es um die Weltrettung geht, kämpft jeder nur für sich. Das Vertrauen zwischen reichen und armen Staaten ist nach wie vor zu gering für starke Abkommen. Den Bürgern ist das kaum noch zu vermitteln und auch in Lima blieben viele Experten ratlos zurück.

Wer zahlt für den Klimawandel?

Vor dem Gipfel herrschte noch Optimismus: China und die USA hatten sich öffentlich zum Klimaschutz verpflichtet. Auch die Kassen der internationalen Klimapolitik füllten sich, zum Beispiel für Anpassung an den Klimawandel in Entwicklungsländern. Doch dies reichte nicht, um einen zentralen Grundsatzstreit zu lösen. In Lima ging es um die schliesslich immer zentral bleibende Frage: Wer zahlt für den Klimawandel?

Saudi-Arabien beispielsweise hat eines der höchsten Pro-Kopf-Einkommen der Welt — auf Klimakonferenzen verteidigt es den Status eines Entwicklungslandes dennoch zäh. Ein schärferer internationaler Klimaschutz könnte den Wert der Ölvorräte mindern, auf denen der Reichtum des Landes basiert. Auch manche andere Ölstaaten, aber auch China und Indien, die zu den grössten Luftverschmutzern gehören, bestehen trotz ihrer wirtschaftlichen Macht auf ihrem alten Status als Entwicklungsland und sträuben sich vehement, ihre Emissionen zu senken und Geld für den Klimaschutz zu sprechen. China investiert zwar im eigenen Land bereits grosse Summen in den Klimaschutz, will sich aber nicht der internationalen Kontrolle unterwerfen, sondern selbst bestimmen, nach welchen Regeln es sich entwickelt. Als grosser Klimasünder versteckt es sich hinter Ausflüchten, wonach andere Länder auch hohe Emissionen hätten.

Viele Entwicklungsländer fordern, dass die Industriestaaten allein für Klimaschäden zahlen sollten. Das aber wollten die USA nicht akzeptieren. Diese Schuldzuweisungen verunmöglichen ein Voranschreiten des internationalen Klimaschutzes.

„Am Ende bleibt den übermüdeten Delegierten kaum eine andere Wahl, als die Sache abzunicken.“

Die harten Fronten erstaunen nicht. Auf den Klimagipfeln werden wirtschaftliche Entwicklungsmöglichkeiten tangiert. Gerade die Schwellen- und Entwicklungsländer sorgen sich um ihre Chancen auf Wohlstand. Um sich zu entwickeln, brauchen sie Energie, und zwar möglichst günstig. Diese bekommen sie mit den fossilen Brennstoffen. Zwar ist Wachstum auch mit sauberer Energie möglich, aber alle wissen, dass die durch den Klimawandel verursachten Schäden auf lange Sicht schwerer wiegen werden als die kurzfristigen Vorteile billiger, aber schmutziger Brennstoffe. Doch erst einmal bringt der Abschied von Kohle und Öl wirtschaftliche Unsicherheit. So ist es nicht verwunderlich, dass China, Indien und Co. ihre Interessen hart verteidigen und am alten Energiesystem so lange festhalten, wie sie können.

Viele Grundsatzfragen bleiben nach Lima ungeklärt

Nachdem die Teilnehmer länger als geplant über eine Einigung gestritten hatten, hiess es im Abschlussdokument von Lima schliesslich nur noch, etwaige Beiträge von Seiten der Entwicklungsländer würden "anerkannt". Das sind die sprachlichen Feinheiten, um die auf Weltklimagipfeln nächtelang gerungen wird, bis den übermüdeten Delegierten am Ende kaum eine andere Wahl bleibt, als die Sache abzunicken. Denn Entscheidungen fallen auf den Klimakonferenzen entweder einstimmig, oder sie fallen gar nicht.

Nun bleibt noch ein Jahr bis in Paris der Weltvertrag vereinbart werden soll, der vor fünf Jahren in Kopenhagen nicht zustande kam. In ihm sollen sich alle Staaten verpflichten, ihren Ausstoss von Treibhausgasen spätestens ab 2020 zu bremsen. Der neue Vertrag soll regeln, wie die Fortschritte jedes einzelnen Landes im Klimaschutz zu messen und zu kontrollieren sind, wie die Anpassung an den Klimawandel funktionieren kann, welche Entschädigung die besonders betroffenen Staaten erhalten sollen und wie das alles finanziert werden soll. Viele Grundsatzfragen bleiben nach Lima ungeklärt. Wie sie in nur einem Jahr gelöst werden sollen, ist ein Rätsel.

Das gemeinsame Ziel rückt in weite Ferne

Bei dem Tempo wird es immer unwahrscheinlicher, das gemeinsame Ziel noch zu erreichen: Einen internationalen Klimavertrag, der dafür sorgt, dass die durchschnittliche globale Temperatur höchstens um zwei Grad steigt. Nach Studien des Weltklimarats müssten die Netto-Emissionen dafür weltweit um 40 bis 70 Prozent bis 2050 reduziert werden, bis Ende des Jahrhunderts dürfte das Klimagas kaum mehr ausgestossen werden. Wenn das vereinbarte 2-Grad-Ziel erreichbar bleiben soll, müssen künftig auch die Schwellenländer ihre Emissionen reduzieren.

Indes bekommt man selbst in Lima den Klimawandel schon jetzt zu spüren. Das Wasser in den armen Stadtteilen ist sehr knapp, in Zukunft könnte es noch knapper werden. Denn eigentlich müsste es in den Anden schon längst regnen. Drei Monate lang dauert die Regenzeit normalerweise, von Dezember bis Februar – doch in diesem Jahr ist noch kein Regen gefallen.

Weitere Informationen:
Artikel zum Schlagwort „Klimakonferenz“ von zeitonline.de

 

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