Merkel will 1 Mio E-Autos

19 Okt 2015
Tesla Model S an einer Ladestation in Deutschland: Noch ein seltenes Bild. Tesla Model S an einer Ladestation in Deutschland: Noch ein seltenes Bild.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will bis 2020 eine Million Elektrofahrzeuge auf deutschen Strassen im Einsatz sehen. Ausserdem soll die Nationale Plattform Elektromobilität dafür sorgen, dass Deutschland bis dahin zum Leitanbieter und Leitmarkt für Elektromobilität werden soll.

Es ist noch ein weiter Weg zum (zu?) hohen Ziel

Um diese ambitionierten Ziele in der Elektromobilität zu erreichen, soll zunächst die Marktentwicklung gut beobachtet und später bei Bedarf mit geeigneten politischen Massnahmen flankiert werden. Mögliche Beispiele dafür sind die Befreiung von der Kfz-Steuer oder die Verbesserung bei der Dienstwagenbesteuerung. Von der Förderung der Elektromobilität verspricht sich unser nördlicher Nachbar grosses: Damit soll – trotzt wachsender Mobilität – die Klimakonvention eingehalten werden können.

Schon 2013 setzte Kanzlerin Merkel das ehrgeizige Ziel von einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020. Laut dem Wall Street Journal sind seither Projekte mit einem Gesamtfördervolumen von 1.5 Milliarden Euro angelaufen.

Woran liegt es, dass die E-Mobilität noch nicht den Durchbruch geschafft hat?

Wir haben es mit einem sehr langfristigen Thema zu tun – Elektromobilität ist kein bloßer Hype, sondern eine Notwendigkeit im Rahmen der Energiewende. Wichtig ist mir, dass die Fragen der Mobilität der Zukunft ins Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen. Mobilität muss auch weiterhin möglich und erschwinglich sein.“ Peter Ramsauer, Vorsitzenden des Ausschusses für Wirtschaft und Energie Deutschlands

2013 waren in Deutschland knapp 65‘000 Hybridfahrzeuge und gut 7100 reine Elektroautos immatrikuliert. Auch 2014 wurden nur zirka 8500 Elektroautos verkauft. Probleme sehen die Verantwortlichen in der Reichweite der Akkus und darin, dass die deutschen Automobilhersteller die Entwicklung eben dieser verpasst haben. Asiatische und amerikanische Firmen haben die Technologie der deutschen Batteriehersteller längst hinter sich gelassen.

Norwegen ist viel weiter

In Norwegen fährt jedes fünfte gekaufte Auto elektrisch. 50‘000 E-Mobile waren bereits im April diesen Jahres auf den Strassen unterwegs – 2 Jahre früher als erwartet. Obwohl der E-Golf im ersten Halbjahr 2015 das meistverkaufte elektrische Fahrzeug in Norwegen war, kommt die Gesamtzahl der E-Golfs nicht an die seit 2011 meistgekauften 34% Nissan Leaf oder die 19% Tesla Model S (erst seit 2013 serienreif) heran.

Wer in Norwegen einen Neuwagen kauft, zahlt einmalig eine Registrierungssteuer, die unter anderem vom CO2-Ausstoss des Autos abhängt. Beim Elektroauto fällt diese Steuer, die laut Tagesanzeiger im Schnitt sagenhafte 12‘000 Franken kostet, gänzlich weg. Auch die Mehrwertsteuer wird erlassen. Weiter zahlt man kaum Autobahngebühren, keine Parkgebühren und darf – zum wachsenden Unmut der Buschauffeure – sogar die Busspuren verwenden.

Das Vorbild der Norweger ist aus verschiedenen Gründen nicht ganz ideal. Einerseits kann im kalten norwegischen Winter die Reichweite der Akkuautos massiv zusammenfallen – viele Norweger haben das E-Mobil deshalb nur als Zweitwagen. Für die Ökobilanz sind zwei Autos selbstredend verheerend, entstehen doch nur schon bei der Produktion massive Emissionen. Andererseits wird das Autofahren durch die Subventionen massiv billiger und könnte in der Folge zu höheren Autozahlen und mehr Autofahrten führen. Ebenfalls betrüblich ist, dass das E-Mobil mit der mit Abstand grössten Reichweite, das Tesla Model S, trotz massiver Subventionen, ein für den Mittelstand kaum erschwingliches Auto bleibt. Da sie als ‘subventionierte Reiche‘ gelten, ernten viele Teslabesitzer auf der Busspur böse Blicke.

Nicht zuletzt ist das Elektromobil höchstens so sauber, wie der Strom, der es antreibt. In diesem Fall geht Norwegen mit sagenhaftem Beispiel voran. 95% seines Stroms stammen aus Wasserkraftwerken, weitere 1% aus Windkraftwerken und 0,5% aus Biogasanlagen.

Deutschland kämpft weiter

2013 stammten nur 22% des deutschen Stroms aus erneuerbaren Energiequellen. Die Schlagzeilen des Sommers, wonach die BRD infolge Stromproduktionsüberschüssen (unter anderem wegen der Windparks im Norden), die Stromnetze seiner östlichen Nachbarn zum Kollaps gebracht hat, lässt jedoch auf die Energiewende hoffen.

Die grossen deutschen Automarken hingegen haben noch viel aufzuholen. Umso erschreckender ist es, dass wieder jeder Grosskonzern seine eigene Suppe kocht und das, obwohl der kalifornische Elektropionier Tesla seine Patente schon vor geraumer Zeit offen gelegt hat und sich medienwirksam mehr Konkurrenz wünscht.

‘Switch‘, übersetzt ‘Schalter‘ oder ‘wechseln‘, bekommt bei VW eine ganz neue Bedeutung. Unlängst geriet der deutsche Grosskonzern in die Schlagzeilen, weil er bei seinem Steckenpferd, der Dieselflotte, mit Schaltern bei den Abgaswerten getrickst hatte. Nun liess der Konzern verlauten, dass er künftig weniger investieren möchte, aber den Fokus auf die Elektromobilität legen wolle.

Kommentar schreiben

Die Kommentare werden vor dem Aufschalten von unseren Administratoren geprüft. Es kann deshalb zu Verzögerungen kommen. Die Aufschaltung kann nach nachstehenden Kriterien auch verweigert werden:

Ehrverletzung/Beleidigung: Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehören die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken ebenso wie persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer.

Rassismus/Sexismus: Es ist nicht erlaubt, Inhalte zu verbreiten, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen und Personen aufgrund ihrer Rasse, Ethnie, Kultur oder Geschlecht herabsetzen oder zu Hass aufrufen. Diskriminierende Äusserungen werden nicht publiziert.
Verleumdung: Wir dulden keine Verleumdungen gegen einzelne Personen oder Unternehmen.

Vulgarität: Wir publizieren keine Kommentare, die Fluchwörter enthalten oder vulgär sind.

Werbung: Eigenwerbung, Reklame für kommerzielle Produkte oder politische Propaganda haben keinen Platz in Onlinekommentaren.

Logo von umweltnetz-schweiz

umweltnetz-schweiz.ch

Forum für umweltbewusste Menschen

Informationen aus den Bereichen Umwelt, Natur, Ökologie, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Das wirkungsvolle Umweltportal.

Redaktion

Stiftung Umweltinformation Schweiz
Eichwaldstrasse 35
6005 Luzern
Telefon 041 240 57 57
E-Mail redaktion@umweltnetz-schweiz.ch

Social Media

×

Newsletter Anmeldung

Bleiben Sie auf dem neusten Stand und melden Sie sich bei unserem Newsletter an.