NFP 61: Sommertrockenheit und Niedrigwasser

23 Okt 2015
Reusszopf (LU) bei Niedrigwasser, wird zurzeit im Zuge des Umbaus des Seetalplatzes renaturiert. Reusszopf (LU) bei Niedrigwasser, wird zurzeit im Zuge des Umbaus des Seetalplatzes renaturiert.

Instrumente zur Früherkennung von Trockenperioden sind sowohl für die Land- als auch die Forstwirtschaft sehr nützlich. Da es in der Atmosphäre viele Wechselwirkungen gibt und die Empfindlichkeit eines Gebiets von mannigfaltigen Faktoren abhängt, sind exakte Vorhersagen nach wie vor schwierig.

Klimaszenarien prophezeien für die Schweizer Zukunft vermehrt Hitzeperioden. Die Trockenheit ist für die Schweiz zwar ungewohnt, im europäischen Schnitt sind wir aber noch immer in einer komfortablen Situation.

Das Projekt DROUGHT-CH

Systeme mit grossen Wasserspeichern reagieren nicht nur auf grosse Niederschlagsmengen mit Verzögerung, sondern auch auf lange Trockenperioden. Erst nach Wochen entstehen Bodentrockenheit und niedrige Wasserstände (Grundwasser oder Flusspegel). Um Instrumente zur Früherkennung von Trockenheit zu erproben, konzentrierte sich das Nationale Forschungsprogramm 61 „Nachhaltige Wassernutzung“ (NFP 61) auf die Voralpen und das Mittelland – weil hier die Gletscherschmelze keinen Einfluss hat.

Messparameter von Trockenheit
Boden: Bodenfeuchte und Streufeuchte
Gewässer: Abflussmenge, Grundwasserpegel, Wasserstand, Wassertemperatur
Klima: Verdunstung, Luftfeuchtigkeit, Lufttemperatur, Niederschlagsmenge, Windgeschwindigkeit
Schnee: Schneehöhe, Schneemenge, Schneewassermenge

Die Studienverantwortlichen kamen zum Schluss, dass auch nach Abschluss ihrer Arbeiten im Rahmen des NFP 61 weitere Grundlagenforschungen zwingend notwendig seien. Einerseits brauchen zuverlässige Modelle bessere, hochauflösende Daten als nur die heute automatisch erhobenen. Andererseits muss regional abgeklärt werden, wie viel Niederschlag auf verschiedene Speicher wie Schnee oder Boden verteilt wird. Messwerte ergänzen sich gegenseitig, können sich aber nicht ersetzen; so darf beispielsweise nicht vom Flusspegel auf den Grundwasserpegel geschlossen werden. Wird wie im Sommer 2011 der Grundwasserspeicher wegen Niedrigwassers vom Fluss (damals der Aare) getrennt, kann der Grundwasserspiegel innert kurzer Zeit um bis zu einem Meter sinken.

Der Gletscherschwund und die Abflussmengen

Das Projekt DROUGHT-CH kümmerte sich auch um bessere Prognosen für stark variierende Flussabflüsse. Der Rhein bei Basel führt normalerweise 9 % Gletscherschmelzwasser. Im Hitzesommer 2003 stieg der Anteil des Schmelzwassers auf 23 %. Die Rhone bei Chancy führte sogar 75% Gletscherschmelzwasser.

Ab 2085 wird das Gletscherschmelzwasser im Abfluss fehlen.“ NFP 61, Gesamtsynthese

Wenn in einigen Jahrzehnten die meisten Gletscher verschwunden sind, erwarten uns im Frühling zahlreichere Hochwasser und im Sommer längere Trockenperioden. Im Rhein bei Basel ist der extremste Niedrigwasserwert heute 600 m3 pro Sekunde. In Zukunft könnte er bis auf 450 m3 sinken. Für die Rheinschifffahrt bedeutet dies weniger Ladung im Sommer. Die Klimaerwärmung birgt für die Schifffahrt jedoch zumindest im Winter auch einen Vorteil: Da die Niederschläge nicht in Form von Schnee und Eis zwischengespeichert werden, fliesst mehr Wasser die Flüsse hinab. Rheinschiffe können im Winter also mehr laden als bis anhin.

Flusskraftwerke können je nach Rückgang der Flusspegel nur noch unter Teillast Strom produzieren oder müssen ihren Betrieb vorübergehend sogar ganz einstellen. Die Schweiz kann in solchen Fällen auf Pumpspeicherkraftwerke zurückgreifen oder Strom aus erneuerbaren Energiequellen im Ausland zukaufen. Wegen der stark schwankenden Strompreise hat Niedrigwasser laut Einschätzungen des NFP 61 kaum finanzielle Auswirkungen auf Kraftwerksbetreiber.

Eine wirksame Prävention muss heute beginnen

Ein breites Monitoring für zuverlässige Modelle zur Frühwarnung vor Trockenheit stösst auf breiten Zuspruch. Das Potenzial der Anwendungen in der Schweiz ist gross. Unter Anderem können temporäre Engpässe in der Landwirtschaft zukünftig nicht ausgeschlossen werden.

Für eine wirksame Prävention ist die regionale Zusammenarbeit entscheidend. Weiter sollten Landnutzung und -bewirtschaftung optimiert werden. Massnahmen zum Hochwasserschutz – wie Renaturierungen – können sich auch positiv auf den Grundwasserspiegel in Trockenzeiten auswirken. Das Wichtigste zum Schluss: Die optimale Bewirtschaftung der Grundwasserreserven wird in der Schweiz weit mehr von der Zersiedelung torpediert als vom Klimawandel.

Kommentar schreiben

Die Kommentare werden vor dem Aufschalten von unseren Administratoren geprüft. Es kann deshalb zu Verzögerungen kommen. Die Aufschaltung kann nach nachstehenden Kriterien auch verweigert werden:

Ehrverletzung/Beleidigung: Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehören die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken ebenso wie persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer.

Rassismus/Sexismus: Es ist nicht erlaubt, Inhalte zu verbreiten, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen und Personen aufgrund ihrer Rasse, Ethnie, Kultur oder Geschlecht herabsetzen oder zu Hass aufrufen. Diskriminierende Äusserungen werden nicht publiziert.
Verleumdung: Wir dulden keine Verleumdungen gegen einzelne Personen oder Unternehmen.

Vulgarität: Wir publizieren keine Kommentare, die Fluchwörter enthalten oder vulgär sind.

Werbung: Eigenwerbung, Reklame für kommerzielle Produkte oder politische Propaganda haben keinen Platz in Onlinekommentaren.

Logo von umweltnetz-schweiz

umweltnetz-schweiz.ch

Forum für umweltbewusste Menschen

Informationen aus den Bereichen Umwelt, Natur, Ökologie, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Das wirkungsvolle Umweltportal.

Redaktion

Stiftung Umweltinformation Schweiz
Eichwaldstrasse 35
6005 Luzern
Telefon 041 240 57 57
E-Mail redaktion@umweltnetz-schweiz.ch

Social Media

×

Newsletter Anmeldung

Bleiben Sie auf dem neusten Stand und melden Sie sich bei unserem Newsletter an.