Experten reichen die Fackel an Minister weiter

07 Dez 2015
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Nach einer Woche mit 20‘000 Experten liegt seit Sonntagabend in Paris ein erster 38 Seiten starker Vertrags-Entwurf vor. Die wichtigen Passagen sind noch vage formuliert. Es bleibt zu hoffen, dass der vielgenannte konstruktive Geist ebenfalls an die Minister der 195 beteiligten Staaten weitergereicht wurde.

"140 Staatsoberhäupter zum Start angereist. Paris verspricht eine Wende. Die Zeichen stehen besser denn je, dass es ein weltumfassendes Klimaabkommen geben wird, welches dann 195 Länder unterzeichnen. Aber der Entwicklungsstand dieser Staaten ist so unterschiedlich, dass es extrem anspruchsvoll wird.“Patrick Hofstetter, Leiter Energie und Klima WWF Schweiz

Erstmals ist die Schweiz nicht nur eine Vermittlerin; sie will aktive Interessenspolitik betreiben. Die Schweiz ist ein wichtiger Player und wird gehört: Sie führt eine Ländergruppe mit gemeinsamen Forderungen. Simonetta Sommaruga hat zum Start schon mal eine 500 Millionen Dollar – Investition für Entwicklungsländer eingebracht.

Milliarden für Entwicklungsländer

Ab 2020 sollen den Entwicklungsländern jährlich 100 Milliarden Dollar zukommen, um die Folgen des Klimawandels abzumildern und sich ihm anzupassen. Dass bereits 94 Milliarden zugesichert seien – wie es aus Delegationskreisen verlautet wird – darf allerdings angezweifelt werden. Ägyptens Präsident Abd Al-Fattah Al-Sisi verlangt im Namen aller afrikanischen Staaten sogar die doppelte Menge an Finanzhilfen der Industrienationen. Die Bundesrepublik Deutschland besteht ihrerseits darauf, das auch Schwellenländer sich an diesen Summen beteiligen müssten: Die Schwarz-Weiss-Abgrenzung zwischen Entwicklungsland und Industrienation sei nicht mehr zeitgemäss.

Der Kontinent Afrika ist nur für 4 % der Klimagasemissionen verantwortlich und wird doch durch den Klimawandel unverhältnismässig stark getroffen. Frankreichs Staatspräsident François Hollande spricht von einer ökologischen Schuld, die zurückgezahlt werden muss, und verspricht Afrika seinerseits bis 2020 2 Milliarden Euro für erneuerbare Energien. Gegen die fortschreitende Desertifikation (Wüstenbildung) plant die Gemeinschaft eine ‘grosse grüne Wand‘ vom Senegal bis Djibouti. Ausserdem soll unbedingt der Chad-See gerettet werden. Mohamadou Issoufou vom Niger macht die klimatischen Probleme mitverantwortlich für den grossen Erfolg der Boko Haram und die riesige Zahl der fünf Millionen Flüchtlinge.

Mauern gegen Sturmfluten

Fakt ist: Am schlimmsten trifft der Klimawandel diejenigen, die am wenigsten daran Schuld tragen. Auch andere solcher Länder schliessen sich zusammen, um besser gehört zu werden. So beispielsweise der Pazifikraum. Dreizehn unabhängige Staaten sind dort über eine riesige Fläche verteilt. Inseln mit so klingenden Namen wie Fidschi, Vanuatu, Nauru, Tonga, Neukaledonien, die Salomonen, Tuvalu, die Cook Inseln, Palau, Papua-Neuguinea, Samoa, Kiribati oder Französisch Polynesien sind bedroht vom steigenden Meeresspiegel. Zusätzlich sorgen extreme Wetterereignisse wie Sturmfluten dafür, dass sich die Inseln mit Mauerbau gegen die Fluten zu schützen versuchen oder gar ganze Dörfer umsiedeln. 50 % der Bevölkerung Fidschis arbeitet in der Landwirtschaft, welche 40 % der Exporteinnahmen generiert. In jüngerer Zeit führen jedoch häufige Regenfälle zu Ernteausfällen und Sturmfluten zu versalzten Böden. Die Pazifikstaaten – allen voran ihre ‘Climate Warriors‘ – sorgten dafür, dass im Vertragsentwurf eine Erwärmungsgrenze von 1.5 °C verlangt wird. Ausserdem fordern sie ein Moratorium für neue Kohlebergwerke.

Kohle für Entwicklungsländer

Fossile Brennstoffe wie Erdgas, Erdöl und Kohle für Heizungen, Elektrizität und Verkehr verursachen einen gigantisch hohen Ausstoss von Klimagasen. Das meistgenannte dieser Gase ist CO2. Die weltweiten CO2-Emissionen kommen zu 23 % von China, welches erstmals zu handeln verspricht. Mit Modernisierungen der bestehenden Kohlekraftwerke sollen jährlich 100 Millionen Tonnen Kohle eingespart werden – angesichts der 4.2 Milliarden Tonnen jährlichen Verbrauchs nur ein Tropfen auf den heissen Stein. Das Parlament der USA hat soeben den Green Power Plan seines Präsidenten bachab geschickt, obwohl die Vereinigten Staaten für 15.5 % der CO2- Emissionen verantwortlich sind und mit 16 Tonnen / Person und Jahr den höchsten Pro Kopf-Ausstoss zu verantworten haben. Indien mit 5.1 % Anteil (1.9 t / Kopf und Jahr) besteht darauf, seine 1.3 Milliarden Bewohner im geplanten Rahmen mit Kohleenergie voranbringen zu dürfen, schliesslich hätten die Industrienationen den jetzigen Schlamassel zu verantworten. Russland steht mit 4.9 % Anteil an vierter Stelle.

Die Generalsekretärin der UNO-Klimakonvention Christiana Figueres warnt, dass viele der vorab eingereichten Ziele ungenügend seien. Immerhin hätten jedoch 170 Staaten ihre Vorhaben schon im Voraus publik gemacht. Nun ist es wichtig, in der zweiten Woche einen Vertrag auszuhandeln, der von allen Staaten unterzeichnet wird und der trotzdem verbindliche Formulierungen beinhaltet. Wir schliessen deshalb heute mit den treffenden Worten der Unterhändlerin Südafrikas Nozipho Mxakato. „Ich sage zu Hause nicht ‘Jemand, der in der Lage dazu ist, wird den Boden putzen‘, sondern ich sage zu meinem Sohn: ‘Du, John, wirst den Boden putzen.‘“

SRF erklärt den Klimawandel und die Ziele von COP21 kurz und bündig:

Weitere Informationen:
Quelle ARD
Quelle COP21 France
Quelle Climate Paris 
Quelle UNFCCC

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