Ein Bäumchen gegen die Sörgchen

Bäume werden gerne als ultimatives Heilmittel gegen den Klimawandel angepriesen. Bäume werden gerne als ultimatives Heilmittel gegen den Klimawandel angepriesen.

Ein Klick, ein Franken oder lediglich ein paar Internet-Suchgänge genügen heute, um auf der anderen Seite der Erdkugel einen Baum pflanzen zu lassen. Doch wie geeignet ist die Aufforstung als Mittel gegen den Klimawandel tatsächlich?

Projekte mit dem Ziel, Bäume zu pflanzen, liegen im Trend. Immer mehr Organisationen oder auch Privatpersonen widmen sich der Wiederaufforstung. Ecosia – um ein Beispiel zu nennen – ist eine Suchmaschine, die für Internetsuchanfragen Bäume pflanzt. Der Schweizer Samuel Weber hat im letzten Jahr bei der Sendung „Renn zur Million… wenn du kannst!“ 100`000 Euro Preisgeld gewonnen. Er hat sich entschieden, einen Teil davon einzusetzen, um 10`000 Bäume zu pflanzen. Die Aufforstung hat den Anschein, das perfekte Mittel im Kampf gegen den voranschreitenden Klimawandel zu sein. Ohne viel Aufwand kann für das Klima Gutes getan werden – oder so wird es uns zumindest versprochen.

Mehrwert von Bäumen

Unsere Wälder erfüllen auch tatsächlich wichtige Aufgaben und können die Atmosphäre entlasten. Der Baum besitzt die Fähigkeit, CO2 aus der Atmosphäre aufzunehmen und zu speichern. Dies entlastet unser Klima bedeutend. Des Weiteren schützt und fördert der Wald die Biodiversität, da er als Lebensraum für die verschiedensten Lebewesen dient. Mit Wiederaufforstung können gleichzeitig Ökosysteme widerstandsfähiger werden: Wurzeln schützen vor Erosion und die Bäume halten den Wasserhaushalt der Natur im Gleichgewicht. Wälder säubern ausserdem die Luft und haben einen kühlenden Effekt. Dass Aufforstung eine effektive Massnahme gegen den Klimawandel ist, zeigt auch eine Studie der ETH Zürich. Die Forscherinnen und Forscher kommen zum Schluss, dass für die weltweite Aufforstung eine Fläche von 0.9 Milliarden Hektar zur Verfügung steht. Das ist insgesamt in etwa ein Gebiet in der Grösse der USA. Dieses Potential wurde berechnet, indem städtische und landwirtschaftliche Gebiete ausgeschlossen wurden, da diese Flächen für anderweitige Nutzung vorgesehen sind. Wenn diese bisher ungenutzte Fläche dann tatsächlich mit ausgewachsenen Bäumen besetzt wäre, könnten so zwei Drittel der vom Menschen verursachten CO2-Emissionen aufgenommen werden.

«Wir alle wussten, dass die Aufforstung der Wälder einen Beitrag zur Bekämpfung des Klimawandels leisten könnte, aber bislang war unklar, wie gross der Effekt wäre. Unsere Studie zeigt deutlich, dass Flächen zu bewalden derzeit die beste verfügbare Lösung gegen den Klimawandel ist. Allerdings müssen wir schnell handeln, denn es wird Jahrzehnte dauern, bis die Wälder reifen und ihr Potenzial als natürliche CO2-Speicher ausschöpfen.»
Tom Crowther, ETH Professor und Mitautor der Studie

Aufgepasst Aufforstung

Mit diesem Lobgesang auf Wiederaufforstung ist unser Artikel leider nicht zu Ende. Denn die trendigen Waldprojekte müssen auch kritisch betrachtet werden. Erstmal dauert es einige Jahre, bis ein Baum genug gewachsen ist, um dem Klima wirklich förderlich zu sein. Je älter der Baum wird, desto mehr CO2-Speicherkapazität hat er dann auch. Bäume reduzieren zwar den CO2-Gehalt der Atmosphäre, doch am Ende ihres Lebenszyklus geben sie das schädliche Klimagas wieder ab. Hinzu kommt, dass längst nicht jeder Baumsetzling ein hohes Alter erreicht. Stürme, Brände, Schädlingsbefälle, Abholzung – all diese Faktoren verhindern die Entfaltung der Klimaschutzwirkung eines Baumes. Mit dem aufkommenden Verlangen der Konsumentinnen und Konsumenten nach nachhaltigen Dienstleistungen und Produkten besteht die zusätzliche Gefahr, dass Aufforstungsprojekte als Freifahrtscheine für anderweitiges klimaschädliches Verhalten missbraucht werden. Einen Baum zu pflanzen, beruhigt dann hauptsächlich das Gewissen. Es reicht aber längst nicht mehr aus, unsere Klimaschäden lediglich zu kompensieren. Das Setzen von Bäumen und die Wiederherstellung von Wäldern sind zwar Schritte in die richtige Richtung, doch nur in Kombination mit anderen Massnahmen wird es tatsächlich Wirkung zeigen. Hier wäre noch viel Raum für Innovation.

Quellen und weitere Informationen:
ETH Zürich: Wie Bäume das Klima retten könnten
ETH Zürich Medienmitteilung: Wo Aufforstung möglich ist
Utopia: Bäume pflanzen fürs Klima – empfehlenswerte Organisationen
Watson: Sam Weber spendet 10`000 US Dollar

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