Lebensmittelabfälle sind schlecht fürs Klima

Gemüse, das zu klein, zu gross oder zu unförmig ist, landet oft in einwandfreiem Zustand in der Biogasanlage Gemüse, das zu klein, zu gross oder zu unförmig ist, landet oft in einwandfreiem Zustand in der Biogasanlage

Die verschiedenen Akteure der Produzenten, der Gastronomie, des Detailhandel und vor allem auch der Konsumenten selbst sind verantwortlich für die grosse Menge an vermeidbaren Nahrungsmittelabfällen.

In einer von der ETH Zürich im Auftrag des Bundesamts für Umwelt durchgeführten Studie wurden die vermeidbaren Lebensmittelabfälle erfasst, die auf allen Stufen der Schweizer Lebensmittelkette anfallen. Die Zahl ist erschreckend hoch: 2,8 Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittelverluste fallen pro Jahr an. Das entspricht pro Person und Jahr 330 kg Nahrungsmittel, die noch geniessbar im Müll landen! Der Nährwert dieser Lebensmittel beträgt 1.160 kcal pro Person und Tag, also mehr als die Hälfte der durchschnittlich empfohlenen Tagesmenge.  
Die vermeidbaren Lebensmittelabfälle verursachen ein Viertel der Gesamtumweltbelastungen, die bei der Schweizer Ernährung entstehen. Sie machen knapp eine halbe Tonne CO2-Äquivalente pro Person und Jahr aus. 
 


Vermeidbare Lebensmittelverluste: Essbare Teile von Lebensmitteln, deren Verlust nach aktuellem Stand der Technik vermeidbar wären.  
Unvermeidbare Lebensmittelverluste: Teile von Lebensmitteln, welche nicht essbar sind oder in unserer Kultur von einer überwiegenden Mehrheit nicht als essbar betrachtet werden (z.B. Rüstabfall). Zudem beinhalten sie Verluste, welche nach dem heutigen Stand der Technik nicht vermeidbar wären (z.B. Rückstände beim Putzen einer Pasta-Produktionsanlage).  

Die Studie zeigt für 25 Lebensmittelkategorien, wo in der Wertschöpfungskette Lebensmittel verloren gehen und in welchem Umfang durch diesen Verlust Umweltbelastungen verursacht werden. Spitzenreiter sind die Verluste von Broten und Backwaren (insbesondere Müllereiverluste), von Käse (v.a. durch das Nebenprodukt Molke), von Rindfleisch (hauptsächlich der essbaren Teile mit geringer Nachfrage) und von Frischgemüse (v.a. durch Verluste in den Schweizer Haushalten). 

Ziel: Halbierung der vermeidbaren Lebensmittelabfälle 

Im Sinn des Sustainable Development Goal 12.3 soll die Halbierung der vermeidbaren Lebensmittel im Detailhandel, in der Gastronomie und den Haushalten bis 2030 vollzogen werden. Auch sollen die Verluste aus der Landwirtschaft, dem Handel und der Verarbeitungsindustrie verringert werden. Diese UN-Agenda wurde mit 190 anderen Staaten 2015 beschlossen. Besonders schwer ins Gewicht fallen die Umweltbelastungen am Schluss der Nahrungsmittelkette, denn durch die vorangegangenen Transporte und die Lagerung häufen sich mehr CO2-Aquivalente an. Deswegen sind Massnahmen in der Gastronomie, im Detailhandel und in den Haushalten am wirksamsten zur Einsparung von Umweltbelastungen. Durch Bildungs- und Sensibilisierungsmassnahmen sollen die Konsumenten ihr Verhalten überdenken und auch mal das unförmige Gemüse kaufen oder zu Vollkorn- statt nur Weissmehlprodukten greifen.  

Landwirtschaft 

Mit grossem Aufwand werden in der Schweiz jährlich hunderttausende Tonnen Gemüse und Früchte angebaut. Davon wird fast die Hälfte weggeworfen. Einwandfreie Lebensmittel bleiben auf den Feldern liegen und werden wegen kleiner Mängel nicht zum Verkauf angeboten. Kartoffeln, Karotten und Co. landen oft direkt bei den Bauern im Müll, denn sie haben nicht die richtige Grösse, Form oder Oberfläche für den Handel und die zarte und verpäppelte Konsumentenseele. 61% der Kartoffelernte der Schweiz wird nicht weiterverarbeitet, weil sie diverse Schönheitsmängel aufweist – dabei sind die Feldfrüchte geschmacklich einwandfrei. In weiterverarbeiteten Produkten wären diese Mängel nicht mehr erkennbar. Es ist ein schmerzlicher Missstand, dass die Schweiz so viele Lebensmittel verschwendet. Die Schweiz ist auf Importe angewiesen, da die Anbaufläche nicht ausreicht, um die Bevölkerung zu versorgen. Umso schwerer ist es einzusehen, dass der eigene teure und hochwertige Anbau einfach im Müll landet.

Gastronomie 

Auch die Gastronomie verursacht viele vermeidbare Lebensmittelabfälle. 65% der Bioabfälle in diesem Segment entstehen durch Überproduktion in der Küche. Mit diesen 290.000 Tonnen der vermeidbaren Nahrungsmittelabfälle könnten 580 Millionen Tellerportionen hergestellt werden. Umgerechnet 67 Portionen Essen ergäbe das für jeden Schweizer pro Jahr. Mit guten Produktionsplänen können Restaurantbetriebe nicht nur viel Geld sparen, sondern auch die CO2-Emissionen senken.   

Konsument

Ein grosses Problem in unserer Wegwerfgesellschaft ist die Deklaration von A und B-Ware. “Das Auge isst mit”, und deshalb greifen wir schon beim Einkauf nur zum schönsten Gemüse oder zur perfekten Frucht. Nur wenige Länder können es sich leisten, soviel Ware auszusortieren. Lauch beispielsweise wird heutzutage oft schon vorgerüstet verkauft, um besser in die Tasche zu passen. Dabei ist auch der grüne Teil essbar und besitzt viele Vitamine. Infolge des veränderten Einkaufsverhaltens bleiben beim Lauch 25-30% des essbaren Teils schon auf den Feldern zurück. Dem Verbraucher muss wieder bewusst werden, dass sein Gemüse nicht von oben bis unten perfekt sein muss, um trotzdem schmackhaft zu sein. 


Um Lebensmittelabfälle zu reduzieren, muss diese ganze Wertschöpfungskette zusammenwirken: Die einzelnen Branchen und vor allem auch die Konsumenten müssen ihre Qualitätsansprüche überdenken.  
Werden Sie zum Foodsaver! Kaufen Sie bewusst ein und nur so viel, wie Sie auch wirklich brauchen. Werfen Sie nicht gleich alles weg: Verwenden Sie Reste vom Vortag! Und helfen Sie der Forschung, hier die genaueren Zusammenhänge zu erkennen und die ungenutzten Potentiale freizulegen. Soeben gibt es diesbezüglich die Möglichkeit, unkompliziert an einer Datenerhebung der ETH Zürich mitzuwirken und sich dabei auch noch einen 20 CHF Einkaufs-Gutschein zu sichern. 

 

Quellen und weitere Informationen: 
Bundesamt für Umwelt: Lebensmittelabfälle
SRF DOK: Warum Lebensmittel im Müll landen und was wir dagegen tun können
United Against Waste: Food Waste Management

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