Schwitzen in Schweizer Städten

In Schweizer Städten ist es in Sommernächten bis zu 7°C wärmer als auf dem Land. In Schweizer Städten ist es in Sommernächten bis zu 7°C wärmer als auf dem Land.

Weltweit wird es immer heisser – in den Städten noch mehr als auf dem Land. Einfache Massnahmen könnten dieser städtischen Erwärmung entgegenwirken.

Jeder zweite Mensch auf der Erde lebt in einer Stadt. In der Schweiz sind es sogar 73% der Bevölkerung, die in Städten und Agglomerationen sesshaft sind. Ausgerechnet diese überbauten Standorte verwandeln sich im Sommer zu sogenannten «Urban heating islands», das heisst zu Wärmeinseln: Betonstrassen, Trottoirs und Fahrradwege bedecken rund 20% des Bodens in Städten. Diese asphaltierten Böden absorbieren tagsüber die Sonnenenergie, die sie nachts in Form von Wärme wieder abgeben. In Städten kann daher die Temperatur um mehrere Grad höher sein als in den umliegenden ländlichen Gebieten. Mit den steigenden Temperaturen und den zunehmenden sommerlichen Hitzewellen aufgrund des Klimawandels nimmt dieses Problem stetig zu.

Aber doch nicht in der kühlen Schweiz! …oder?

Die Problematik von Urban Heating ist auch in Schweizer Städten bekannt. Die vielen versiegelten Flächen führen nicht nur tags, sondern vor allem auch nachts zu erhöhten Temperaturen. Die Siedlung kann dann nicht mehr auskühlen. Die Folge sind sogenannte Tropennächte, das heisst die Temperatur sinkt nicht unter 20°C. Auch die eingeschränkte Luftzirkulation durch hohe Bauten und die von Fahrzeugen, Industrie und Klimaanlagen erzeugte Wärme tragen ihren Teil dazu bei. In den Städten Zürich, Bern und Genf kann der Temperaturunterschied zwischen Zentrum und Umgebung in einer Sommernacht bis zu 7°C betragen. Auch Sion, die wärmste Stadt der Schweiz, wird im Sommer zu einer Hitzeinsel – und das immer öfters: In nur zwanzig Jahren ist die Durchschnittstemperatur um 1°C gestiegen und die Zahl der Hitzetage, das heisst die Anzahl Tage pro Jahr mit einer Temperatur über 30°C, hat sich in heissen Jahren mehr als verdoppelt.

Die Leidtragenden der überhitzten Städte sind in erster Linie die Bewohner und Bewohnerinnen, insbesondere die ältere Bevölkerung. Die Zahl der Hitzetoten steigt seit einigen Jahren immer weiter an. Zudem wird die Artenvielfalt beeinträchtigt sowie der Fluss von Regenwasser, das nicht mehr in den Boden eindringen kann.

Wie wir unsere Städte erfrischen

Als eine der ersten Städte der Schweiz reagierte Luzern bereits in den späten 80er ersten 90er Jahren mit einem stadtökologischen Massnahmenplan. Nach ersten Erfolgen blieben die Bemühungen dann aber leider im politischen Alltag auf der Strecke. Nebst Messungen zum Stadtklima wurden insbesondere Massnahmen zur Durchgrünung der Stadt in Angriff genommen. Schon damals war klar, dass auf den Urban Heating Effekt reagiert werden müsse.

Bäume pflanzen: Ein Schwergewicht bestand im Pflanzen von Bäumen, welche als Schattenspender und Luftfilter dienen. Die Temperaturen, die in der Stadt unter einem Baum mit grosser Krone erreicht werden, liegen bis zu 6C° tiefer als in dessen Umgebung. Wichtig ist, dass eine geeignete Baumart verwendet wird. In der Stadt sind Wurzelräume und Wasserversorgung oftmals knapp. Ausserdem ist die Luft schmutzig, und der Klimawandel stresst die Bäume zusätzlich. Es sollten daher hitze- und trockenheitsresistente Arten gepflanzt werden.
Auch Genf setzt auf das Pflanzen von Bäumen, um dem Urban Heating Effekt entgegenzuwirken. Das Ziel der Stadt ist es, bis 2050 die mit Bäumen bepflanzte Fläche von 21% auf 30% zu erhöhen. Um Platz zu schaffen, wurden bereits um die 3000 Quadratmeter Asphalt an Dutzenden Standorten entfernt.

Begrünte Flächen: Das Anlegen einer Vegetation -nebst Bäumen auch Sträucher, Rasenflächen oder Blumenrabatten - hat grundsätzlich einen kühlenden Effekt. Da von asphaltierten Flächen das Regenwasser direkt in die Kanalisation fliesst, kann es nicht mehr verdunsten. Auf entsiegelten Flächen hingegen versickert das Wasser langsam im Boden. Dadurch kann es später wieder verdunsten, wodurch der Luft Wärme entzogen wird. Ausserdem kommt bei begrünten Standorten die Transpiration hinzu: Pflanzen können über ihren Stoffwechsel Wasser abgeben und so ihre Umgebung erfrischen. Ein einzelner Baum kann täglich mehrere hundert Liter an die Luft abgeben.
Begrünte Flächen können auf verschiedene Arten in eine Stadt integriert werden: Parks, Kreisel, Blumenrabatten, Strassenränder, Fassaden oder Flachdächer können ihren Teil zu einer Abkühlung beitragen.

Neue Strassenbeläge: Einige Städte, wie beispielsweise Bern, testen zusätzliche neue Strassenbeläge, um zu ermitteln, welche Böden sich im Sommer weniger aufheizen. Helle Flächen reflektieren das Sonnenlicht und erwärmen sich deshalb weniger stark als dunkle. Eine neue, hellere Asphaltmischung soll daher die Lösung zur geringeren Aufheizung der Hitzeinseln beitragen. Auf einer Teststrecke zwischen Sion und Bern wurden daher 12 verschiedene Asphalte getestet. Nebst der Wärme wurden zusätzlich die Kosten, der Unterhalt sowie die Lärmemissionen beachtet.
Auch für Fassaden und Dächer können transparente und reflektierende Materialien verwendet werden, um die Erwärmung zu minimieren. Beispielsweise in Los Angeles werden seit einigen Jahren Strassen und Dächer weiss gestrichen. Wie nachhaltig diese Lösung ist, ist jedoch umstritten. Viel wichtiger wäre es, so viele versiegelte Flächen wie möglich zu entsiegeln. Dazu müssten insbesondere alle Flächen konsequent hinterfragt werden, insbesondere Parkplätze.

Klimagerechte Planung: Durch eine klimagerechte Planung von Städten könnten spürbare Verbesserungen erzielt werden. Dazu müssten nicht nur Stassen mit Baumreihen und Baumalleen durchgrünt, Fassaden und Dächer begrünt und möglichst viele Flächen entsiegelt werden, sondern auch Durchlüftungskorridore offengehalten werden. Die herkömmlichen Stadtplanungen müssten einer neuen stadtökologischen Betrachtungsweise unterzogen werden.

Das Thema der Hitzebelastung wird in Zukunft immer wichtiger. Auch in diesem Jahr machten die schweren Folgen von Hitzewellen bereits Schlagzeilen: Fast 500 unerwartete Tote konnten in Kanada Anfang Juli auf hohen Temperaturen zurückgeführt werden. Viele der Betroffenen wohnten in Städten.

 

Quellen und weitere Informationen:
Meteo Schweiz: Städtische Wärmeinseln in der Schweiz - Klimatologische Studie mit Messdaten in fünf Städten
Umwelt Schweiz: Fertig mit Tropennächten dank coolem Asphalt
National centre for climate services: Kühle Strassenbeläge

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