Und der Fleisch- und Milchkonsum steigt und steigt – oder vielleicht doch nicht?

14 Mär 2013

Weltweit werden jährlich 300 Millionen Tonnen Fleisch produziert, dafür werden mehr als 65 Milliarden Tiere geschlachtet; die Produktion von einem Kilogramm Rindfleisch verbraucht ca. 15‘000 Liter Wasser und setzt bis zu 30 Kilogramm CO2-Äquivalente an Treibhausgasen frei.

In der Schweiz werden ungefähr 55 Millionen Tiere im Jahr geschlachtet, damit stehen 75 kg Fleisch pro Kopf zur Verfügung, zu dem werden 3.5 Millionen Tonnen Milch produziert (Vgl. Artikel Umweltnetz Schweiz vom 14.2.2013), das sind 450 kg pro Kopf. Damit heute eine Schweizer Hochleistungskuh ca. 7‘000 kg Milch pro Jahr produzieren kann, reicht Gras als Futter nicht mehr aus; es muss Kraftfutter hinzugegeben werden, hauptsächlich importiertes Soja. Zudem dienen über 50 Prozent der Schweizer Landwirtschaftsflächen der Futtermittelherstellung. Der Anbau erfolgt grösstenteils konventionell, mit Pestizideinsatz und in Monokulturen.

Der Autor Simon Fairlie entwickelte den Ansatz des „default livestock system“ (DLS), der unter anderem besagt, dass Nutztiere nur Futtermittel erhalten sollen, die nicht extra für sie erzeugt wurden. Er kam zu dem Schluss, dass durch eine ökologische Landwirtschaft im Sinne des DLS, jedem Erdenbürger im Jahr 2050, 12 kg Fleisch und 25 kg Milch, anstatt heute 40 kg Fleisch und 80 kg Milch, zur Verfügung stehen würden. Auch wenn sich die Zahlen nicht derart hoch anhören, so sind ihre Auswirkungen nicht zu unterschätzen, denn die Landwirtschaft ist global für 14 Prozent der Treibhausgase verantwortlich. Gerne wird behauptet, dass eine ökologische Landwirtschaft die (Welt)Bevölkerung nicht ernähren kann.

Um das Fairlie Konzept zu überprüfen und auf die Schweiz zu übertragen, hat Greenpeace Schweiz vor drei Jahren eine Studie in Auftrag gegeben, wie eine umweltverträgliche Schweizer Landwirtschaft im Auftragsjahr 2010 und im Jahr 2050, bei einer Bevölkerungszahl von 10 Millionen und weniger Landwirtschaftsland aussehen würde. Grundsätze für diese Studie waren unter anderem, dass Nutztiere nur mit Gras und Nebenprodukten der Landwirtschaft gefüttert werden, eine ökologische Bodennutzung und Fruchtfolgewechsel betrieben werden, nur so viele Nutztiere gehalten und auch nur so viel Ackerbau betrieben wird, wie, durch die Tierhaltung anfallender Dünger umweltverträglich ausgebracht werden kann. Daraus ergibt sich ein, sich selbst erhaltender Kreislauf, ohne zusätzliche Importe von aussen. Die Stabilität dieses Systems wird durch die Wahl von Zweinutzungsrassen, einer Beschränkung der Nutztierzahl und einem vernünftigen und verantwortungsbewussten Fleisch- und Milchkonsum gewährleistet.

Ergebnisse der Untersuchung sind beispielsweise, dass Legehennen, statt 100 Eier pro Kopf und Jahr, nur noch 7 Stück produzieren. Auf Grund der Nutzung der Althennen als Fleischlieferanten und nicht nur als Suppenhühner, würde die Geflügelmast überflüssig und wegfallen. Eine Milchkuh dürfte weniger Milch produzieren, durchschnittlich 5‘000 kg statt 7‘000 kg, was immer noch 360 kg pro Kopf wären. Anstatt 75 kg Schlachtfleisch würden jedem 13 bis 18 kg verkaufsfertiges Fleisch zur Verfügung stehen.
Dem möglicherweise erhöhten Schädlings- und Krankheitsbefall im Bio-Landbau würde man durch gezielte Forschung und Zucht entsprechender Sorten, durch bessere agrarökologische Kenntnisse und durch die erhöhte natürliche Biodiversität entgegenwirken.
Die Studie zeigt, dass eine vollständig autarke und ökologische Landwirtschaft in der Schweiz möglich ist, ohne dass jemand verhungern müsste. Es könnten, trotz strenger Vorgaben, hohe Erträge erzielt werden und die Auslandsabhängigkeiten für Futtermittelimporte eingestellt werden. Jetzt fehlt nur noch die Entscheidung, in diese Richtung zu gehen.
Auch, und vor allem als Konsument kann man einen erhöhten Einfluss ausüben; denn muss es wirklich jeden Tag ein Frühstücksei, Fleisch, Wurst, Milch und Käse geben?

 Weiterführende Links:
Greenpeace: Vollständige Studie.
Greenpeace: Pressemitteilung.

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