En Guete: Der Hamburger aus dem Labor

07 Aug 2013
Nicht mehr vom Tier, sondern vom Labor stammen die Burger der Zukunft. Nicht mehr vom Tier, sondern vom Labor stammen die Burger der Zukunft.

Forscher der niederländischen Universität Maastricht haben erstmals einen Burger komplett im Labor hergestellt. Das Projekt „Culturedbeef“ wirft hohe Wellen. Während den Befürwortern eine Zukunft ohne Tierquälerei vorschwebt, können sich Gegner überhaupt nicht mit dem Labor-Fleisch anfreunden.

Es ist soweit: In London wurde gestern weltweit erstmals ein Stück Fleisch gebraten, das nicht von einem Tier stammt. Hört sich komisch an, ist jedoch technisch machbar. Einem Forscherteam um Professor Mark Post von der Universität Maastricht gelang es, Muskel- und Fettzellen auf Basis von Stammzellen eines Rinds im Labor zu züchten und daraus einen Burger zu formen. Die Zellen wurden nicht geklont, sondern mit elektrischer Stimulation zum Wachsen angeregt. Die Forscher schreiben auf ihrer Website, dass das gezüchtete Muskelgewebe biologisch identisch sei wie das Muskelgewebe eines Rinds. Aus den Zellen eines einzigen Rinds könnten mit diesem biotechnologischen Verfahren 175 Millionen Burger hergestellt werden. Für die gleiche Menge Fleisch seien sonst 440‘000 Rinder nötig.

Für viele Tier- und Naturschutzorganisationen ist der von Professor Post verfolgte Weg der richtige Ansatz, um Tierleid und Umweltzerstörung zu bekämpfen. Wenn Fleisch auf diese Weise in grossen Mengen hergestellt würde, könnten zahlreiche Probleme, die der hohe Fleischkonsum verursacht, gelöst werden, hoffen viele Naturschützer. Regenwald müsste nicht mehr gerodet werden, um Weideflächen zu schaffen. Ressourcen zur Rindermast könnten zur Ernährung der Menschheit eingesetzt werden. Tierquälerische Massentierhaltung wäre nicht mehr nötig. Methangas-Emissionen von Rindern würden reduziert und somit das Klima geschont.

«Ein historischer Tag!» Die Tierschutzorganisation PETA über den Burger aus dem Labor

Wäre, Würde, Könnte: Momentan ist Massenproduktion von Fleisch im Labor Zukunftsmusik. Einerseits ist die Produktion auf diese Weise (noch) viel zu teuer. Würde man die bisher investierten Aufwendungen rechnen, würde der Burger von Mark Post, 142 Gramm schwer, in der Herstellung 300‘000 Schweizer Franken kosten! Andererseits sind die Konsumenten skeptisch, viele fürchten sich vor einem Burger aus dem Labor. Bei einer Umfrage auf 20Minuten.ch gaben 25% der Befragten an, sie würden eher Vegetarier werden, als in einen Retorten-Burger zu beissen. Weitere 27% ekeln sich vor der Vorstellung von künstlichem Fleisch. Immerhin 48% der Befragten fanden Labor-Fleisch eine gute Idee. Ob sie es tatsächlich kaufen und essen würden, ist eine andere Frage.

Zurzeit wird gemäss Professor Post 70% der landwirtschaftlichen Nutzfläche für die Fleischproduktion verwendet. Um ein Kilo Rindfleisch herzustellen, werden 15‘000 Liter Wasser (entspricht etwa hundert Badewannen) und sechzehn Kilogramm Getreide benötigt. Demnach muss für den jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch der Schweiz von 54 Kilogramm Fleisch fast eine Tonne Getreide aufgewendet und 840‘000 Liter Wasser verbraucht werden. Ist Labor-Fleisch wirklich eine Alternative? Würde ein grösserer Teil der Bevölkerung ihren Fleischkonsum reduzieren, könnten wertvolle Ressourcen gespart werden. Auch im Sinne einer vollwertigen Ernährung ist es absolut nicht notwendig, täglich Fleisch zu essen.

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