Sushi ist in, der Thunfisch stirbt aus

Die Sushi-Welle hat den Blauflossenthunfisch (Roter Thun) auch in Europa zu einem der gefragtesten Speisefische gemacht. Ob es die Reishäppchen mit der beliebten Zutat in Zukunft noch gibt, ist ungewiss, denn um den Meeresbewohner steht es schlecht bestellt: Laut der Weltnaturschutzorganisation gilt der Blauflossenthunfisch als "stark gefährdet". Bereits in wenigen Jahren dürfte er aus dem Mittelmeer komplett verschwunden sein.

Früher galt sie als japanische Delikatesse, heute ist sie weltweite Massenware und Fast-Food-Produkt: Sushi, die Speise aus in Essig eingelegtem Reis, gefüllt oder belegt mit rohem Fisch. Laut Angaben von Greenpeace werden jedes Jahr rund 55‘500 Tonnen Blauflossenthunfisch aus dem Meer geholt. Die Nachfrage nach dem mittlerweile wertvollsten aller Fische steigt rasant und damit auch der illegale Fang. Seit Beginn des industriellen Fischfangs in den 1950er Jahren sank der Bestand im Mittelmeer um über 90 Prozent. Im letzten Jahr hat ein 222 Kilogramm schwerer Blauflossen-Thunfisch bei einer Auktion in Tokio den Rekordpreis von 155,4 Millionen Yen (rund 1,4 Millionen Euro) erzielt. Damit wird die Bedeutung des Blauflossenthunfisches für den Fischereisektor deutlich.

Der Blauflossenthunfisch ist mit einer Maximallänge von 4,5 Metern und einem Maximalgewicht von über 650 Kilogramm einer der grössten Knochenfische. Immer häufiger werden die Thunfische in jungem Alter gefangen, um sie anschliessend in Fischfarmen zu mästen – mit dramatischen Folgen für die Tiere: Thunfische vermehren sich nicht in Gefangenschaft und die Weibchen werden erst mit etwa sieben Jahren geschlechtsreif.  Da der Fang für eine Thunfischfarm weder Jungtiere noch trächtige Weibchen verschont, ist dies der sicherste Weg, eine Population zum Aussterben zu bringen. Hinzu kommt, dass die Roten Thune wahre Muskelpakete sind. Um ein Kilo Fleisch anzusetzen, benötigen sie etwa zwanzig Kilo kleine Fische. Die Thunfischproduktion vernichtet also deutlich mehr Protein, als sie schafft. Gefüttert wird mit anderen, häufig ebenfalls vom Aussterben bedrohten Meerfischen, was die Ökobilanz nochmals verschlechtert. Nicht zuletzt hat die Überfischung des Blauflossenthunfischs katastrophale Auswirkungen auf das Ökosystem Meer: Blauflossenthunfische sind wichtige Räuber und halten das ökosystemische Gleichgewicht aufrecht. Ihr Verschwinden führte dazu, dass sich das gesamte Artenspektrum verschiebt und „irgendwann nur noch Quallen übrigbleiben“, so  WWF-Sprecherin König.

„Prognosen, wie lange es noch bis zum Verschwinden des Blauflossenthunfisches im Mittelmeer dauert, variieren zwischen zwei und fünf Jahren.“
Weltnaturschutzorganisation IUCN

Zum Glück ist es noch nicht soweit. Wie allerdings der Blauflossenthunfisch am finalen Aussterben gehindert werden kann, scheint ungewiss. Zwar bestehen seit vielen Jahren Fangrichtlinien, doch gemäss einer Studie der Weltbank aus dem Jahr 2012 werden sie kaum eingehalten. Ein grosses Übel bleibt auch die illegale Fischerei. Laut FAO geht bis zu einem Drittel aller Fänge auf das Konto von geschätzten 2‘700 Trawlern ohne Lizenz.

Peter Jossi von der Umweltorganisation «Fair Fish» appelliert insbesondere auch an die Konsumentenverantwortung. Dazu gehört, Sushi als eine seltene Delikatesse zu betrachten und Fisch massvoll und verantwortungsbewusst zu essen. Der WWF hat hierzu einen Sushi-Ratgeber erstellt.  

Die ökologischen Gefahren des weltweiten Sushi-Booms werden eindrücklich im Film «Sushi - The Global Catch» von Regisseur Mark Hall gezeigt.

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