Recycling an Bahnhöfen kommt in Fahrt

19 Nov 2014
Recycling-Station im Bahnhof Luzern Recycling-Station im Bahnhof Luzern

Jede rezyklierbare Abfallsorte gehört in einen separaten Sammelbehälter und nicht in den gewöhnlichen Abfallsack; diese Ansicht hat auch in Schweizer Haushalten langsam aber sicher Fuss gefasst. Aber wohin mit diesen rezyklierbaren Abfällen unterwegs? Das Angebot, um unterwegs seinen Abfall getrennt zu entsorgen, ist in der Schweiz relativ spärlich. Die SBB verschafft mit der Einführung von 579 Recycling-Stationen an den fünf grössten Schweizer Bahnhöfen Abhilfe. Eine Million Menschen fahren täglich mit der Bahn, noch viel mehr Menschen verweilen an den Bahnhöfen ohne zu verreisen. So kommt eine grosse Menge Abfall in Zügen und Bahnhöfen zusammen; denn wir essen, trinken und lesen unterwegs und überlassen der SBB die Entsorgung.

Im Jahr 2013 führte die SBB 6030 Tonnen Papier und Karton, 189 Tonnen PET, 49 Tonnen Glas und 24 Tonnen Aluminium dem Recycling zu; dennoch wurden 32‘080 Tonnen Abfälle verbrannt. Diese grosse Menge Restmüll liesse sich weiter verringern, würde man mehr davon rezyklieren. Aus diesem Grund hat die SBB ein Recyclingkonzept für ihre Bahnhöfe auf die Beine gestellt und infolge Anfang November die fünf grössten Bahnhöfe mit insgesamt 579 Recycling-Stationen ausgestattet.

Recycling schont die Umwelt, das wissen wir alle. Die Schweizer Bevölkerung rezykliert Wertstoffe auf freiwilliger Basis im Haushalt, aber unterwegs blieben diese Möglichkeiten bis anhin ziemlich eingeschränkt. Für PET-Flaschen gibt es an den Bahnhöfen schon länger ein Recyclingsystem, andere Wertstoffe musste man als Bahnkunde entweder mit nach Hause nehmen, um dort korrekt zu entsorgen, oder sich darauf verlassen, dass die SBB dies für einen übernehmen. Unklar blieb dabei, ob die am Bahnhof entsorgte Alu-Dose tatsächlich dem Recycling zugeführt wurde. Wer seine leere PET-Flasche, die leere Alu-Dose oder die gelesene Zeitung an den Bahnhöfen Basel, Bern, Genf, Luzern und Zürich Hauptbahnhof in die Recycling-Stationen wirft, kann sicher sein, dass diese wiederverwertet werden.

„Die Produktion einer solch grossen Stückzahl an Recycling-Stationen beansprucht mehrere Monate."
Franziska Frey, Mediensprecherin SBB

Die SBB testete ab Februar 2012 an neun Bahnhöfen unterschiedliche Recyclingsysteme, wobei sie Bern als ersten Bahnhof für eine Pilotphase mit 128 Recycling-Stationen ausrüstete. Dabei prüfte sie, wie das System bei den Reisenden ankommt und ob es funktioniert. Es zeigte sich, dass die Stationen dem Bedürfnis der Kundinnen und Kunden nachkamen. Im nächsten Schritt plante sie die Ausdehnung des Konzepts auf weitere grosse Bahnhöfe und setzte dieses nun um. Als Kunde mag man sich gewundert haben, weshalb es ungefähr zwei Jahre gedauert hat, um die Recycling-Stationen in vier weiteren Bahnhöfen zu installieren. Auf Anfrage erklärt Franziska Frey, Mediensprecherin der SBB: Das Projekt wurde während vier Monaten ausgeschrieben, und interessierte Hersteller konnten ihre Vorschläge der SBB unterbreiten. Abgeklärt wurde, wie die Stationen ergonomisch gebaut werden können, um Haltungsschäden beim Reinigungspersonal zu vermeiden. Anschliessend wurden die ersten Muster der Anbieter getestet und weiterentwickelt und erneut auf Herz und Nieren geprüft. Schliesslich wurden die erfolgreichen Modelle bestellt und in den Bahnhöfen installiert. Nicht zuletzt beanspruche die Produktion einer solch grossen Stückzahl mehrere Monate, betont Franziska Frey. Die flächendeckende Einführung werde noch abgeklärt.

Dem Bahnreisenden ist nicht nur der liegen gelassene Abfall ein bekanntes Bild, sondern auch der unästhetische Anblick hunderter Zigarettenstummel im Gleisbett. Die manuelle Reinigung der Gleisfelder ist mit einem enormen Aufwand verbunden und verursacht der SBB jährlich Kosten in Millionenhöhe. Deshalb gehört zum neuen Recyclingkonzept auch eine Ausstattung der fünf grössten Bahnhöfe mit 431 Aschenbechern, welche die rauchenden Bahnreisenden motivieren sollen, ihre Zigarettenstummel korrekt zu entsorgen. Nicht nur aus wirtschaftlicher, auch aus Sicht des Umweltschutzes ist dieser Schritt sehr zu begrüssen. Denn ein weggeworfener Zigarettenstummel verseucht 60 Liter Wasser. Jährlich gelangen weltweit 4,5 Billionen Zigarettenstummel in die Natur. Keine andere Abfallsorte kommt auf solch hohe Stückzahlen, wie der naturschutzbund Österreich schreibt. Die Filter zersetzen sich sehr langsam und der darin zurückgebliebene Teer vergiftet langsam die Umwelt.

Im Rahmen des Pilotprojektes ist es am Bahnhof Bern gelungen, den Restmüll um einen Drittel zu verringern. Langfristiges Ziel der SBB ist es, dies auch an den anderen mit Recycling-Stationen ausgerüsteten Bahnhöfen zu erreichen. Dabei ist sie auf die Mitarbeit der Kundinnen und Kunden angewiesen. Das heisst, wer als Bahnreisender einen Beitrag leisten will, muss den Abfall aus dem Zug mitnehmen und an den Bahnhöfen in die entsprechenden Abfallbehälter werfen.

Weitere Informationen:
So können Sie als Kundin oder Kunde der SBB beim Recycling mithelfen
TerraCycle - Recycling-Programme für Abfall, der bisher nicht rezykliert wurde; zum selber mitmachen

                                               

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