Ein Blick hinter die Erdnussschale

23 Dez 2014
Aus Erdnüssen lässt sich eine Vielzahl von Lebensmitteln herstellen. Aus Erdnüssen lässt sich eine Vielzahl von Lebensmitteln herstellen.

Erdnüsse haben in der Weihnachtszeit Hochsaison: Sie sind ein vielfältiges und wertvolles Naturprodukt, das aus wärmeren Regionen importiert wird. Der Erdnussanbau ist aber für die Umwelt nicht ohne Folgen. Trotz ihrer wertvollen Nährstoffe können zudem Schimmelpilze und allergieauslösende Eiweisse in den Erdnüssen einem den Appetit verderben.

 Der Name der Erdnuss

Erdnüsse sind insbesondere in der Adventszeit sehr beliebt und gehören zum Samichlaus-Brauch wie Mandarinen und Lebkuchen. St. Nikolaus brachte exotische Geschenke mit – darunter auch die Erdnuss (Arachis hypogaea). Botanisch betrachtet ist sie allerdings gar keine Nuss, sondern ein Hülsenfrüchtler, gehört also zur gleichen Pflanzenfamilie wie Bohnen und Erbsen.

Sie wird deshalb „Nuss“ genannt, weil die Samen ähnlich beschaffen sind wie Nüsse: eine ähnliche Konsistenz mit einem hohen Fettgehalt, hohem Eiweissgehalt und einem niedrigen Anteil Stärke. Ausserdem enthält die in der Erde heranwachsende Frucht viel Vitamin B3, Vitamin E, Zink und Folsäure. Erdnüsse gehören zu den magnesiumreichsten Nahrungspflanzen. Sie haben aber ernährungstechnisch nicht nur Vorteile, denn sie enthalten einen relativ grossen Anteil allergieauslösender Eiweisse. Erdnüsse können beliebig eingesetzt werden: Sie lassen sich zu Erdnussöl pressen oder in Süssigkeiten verarbeiten. Sie werden roh, gekocht, geröstet, gesalzen oder gesüsst gegessen. Als Erdnussbutter lassen sie sich aufs Brot schmieren. Sie werden aber auch als Futtermittelzusatz an Nutztiere verfüttert oder gar als Biodiesel zum Antrieb von Autos getestet.

Von spanischen Eroberern mitgebracht

Ursprünglich stammen die Erdnüsse aus den Anden in Südamerika. Die ältesten Nachweise des Erdnussanbaus sind 7600 Jahre alt und stammen aus Peru. Der Erdnussanbau verbreitete sich auf die ganzen Tropen und Subtropen, begünstigt durch die spanischen Eroberer, was ihnen auch ihren Schweizer Namen „spanisches Nüsschen“ beschert hat. Heute werden die meisten Erdnüsse in den USA, Argentinien, Sudan, Senegal und Brasilien angebaut, in Europa einzig auf Zypern. Die Erdnüsse, die in die Schweiz importiert und bei uns geröstet werden, sind in Israel und Ägypten gewachsen.

Auswirkungen auf die Umwelt

Erdnusskulturen brauchen relativ warme Bedingungen und über das ganze Jahr verteilt zwischen 500 und 600 Millimeter Regen. Gebiete, in denen es mehr regnet oder konstant feucht ist, kämpfen mit Blattkrankheiten. Aber auch zu trockene Gebiete sind wenig geeignet – dann muss bewässert werden. Der Anbau und die Verarbeitung der Erdnüsse haben einen virtuellen Wasser-Fussabdruck von rund 2800 Litern pro Kilogramm. Der flächendeckende Anbau von Erdnüssen im Senegal, in Gambia und Nigeria im 19. Jahrhundert führte zu einer starken Zunahme der Erosion in der Sahelzone, wie eine im Fachmagazin Nature publizierte Studie zeigt. Das rührt daher, dass durchrationalisierte Erdnusskulturen grosse Flächen und viel Licht benötigen und deshalb die Gebiete verstärkt gerodet wurden. Die offene, teils lückenhafte Vegetation ist anfälliger für Erosion, und in der Folge wird mehr Staub aufgewirbelt und in den Atlantik geweht.

Im Erdnussanbau werden Pestizide eingesetzt, um einerseits die Pflanzen vor Insekten, Pilzen und Fadenwürmern zu schützen und um andererseits das Unkraut zwischen den Erdnusspflanzen zu vernichten. Diese Pestizide zerstören entweder die Nahrungsgrundlage von Vögeln, Säugetieren und Fischen oder töten sie direkt. Vor allem wenn die Pestizide in Form von Körnern ausgebracht werden, die beispielsweise Vögel mit Futter verwechseln, ist der Einfluss der Pestizide auf die Wildtierbestände gross. Werden krankheitsresistentere Sorten angebaut, kann der Einsatz der Pestizide verringert werden. Der Einsatz sollte gezielt und nicht grossflächig mit Flugzeugen erfolgen, empfehlen Forscher von der amerikanischen North Carolina State University.

Giftige und allergieauslösende Erdnüsse

Erdnüsse werden von den Pilzen Sclerotinia oder Aspergillus flavus befallen. Von Sclerotinia befallene Pflanzen verfaulen und die Produzenten erleiden Ertragseinbussen. Für die Gesundheit von Bedeutung sind die Schimmelpilze der Gattung Aspergillus; sie produzieren starke Gifte – sogenannte Aflatoxine. Diese wirken leberschädigend und krebsfördernd. Insbesondere bei ungerösteten Erdnüssen besteht die Gefahr dieser Pilzvergiftung. Ausserdem besitzen Erdnüsse Eiweisse, die Allergien auslösen können. Forscher wollen die Wirkung der allergieauslösenden Eiweisse gentechnisch unterdrücken und pilzresistente Erdnusssorten herstellen. Bisher ist weder das Ausschalten gelungen, noch dürfen die resistenten Sorten angebaut werden.

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