Chiquita Kohlrabi

01 Feb 2016
Wie die Banane enthält der Kohlrabi viel Kalium, Magnesium und reichlich Vitamin Wie die Banane enthält der Kohlrabi viel Kalium, Magnesium und reichlich Vitamin

Exotische Früchte und wärmeliebendes Gemüse erfreuen sich grosser Beliebtheit. Besonders in den Wintermonaten greifen die Konsumenten im Laden gerne zur farbenfrohen Paprika und zur süssfruchtigen Ananas. Dabei gäben die hiesigen Äcker zurzeit so einiges her.

So manchem mögen die fantastischen Fruchtbouquets zu Weihnachten wehmütig in Erinnerung geblieben sein. Bunte Schalen gefüllt mit farbenprächtigem Überfluss. In der kalten Jahreszeit schätzen Frau und Herr Schweizer die süssen Vitaminbomben, welche die Auslagen der Detailhändler füllen. Da gibt es Passionsfrucht, Papaya, Kapstachelbeere, Drachenfrucht, Kaktusfeigen neben den ganzjährigen Klassikern wie Banane, Mango oder Litschi zu kaufen.

Doch orientieren wir uns in unseren Konsumgewohnheiten, ganz allgemein gesagt, kaum je am saisonalen Angebot und bevorzugen unsere standardisierten Gemüsepräferenzen ganzjährig. Wie selbstverständlich gehören zu einem Lieblingssalat Cherrytomate, Avocado und Zucchetti, die farbigen Paprika zur Gemüsepfanne. Dabei kann man von einer beispiellosen Fehlernährung sprechen. Auf unseren Speiseplänen landen nur knapp drei Prozent der pflanzlichen Diversität, wir nutzen kaum die Vielfalt pflanzlicher Proteine und stillen den Hunger lieber mit Kohlenhydraten als mit pflanzlichen Nahrungsfasern.

Exotisch und Zweifelhaft

Die Detailhändler haben seit Ende der 90er Jahre mit Öko- und Fairtrade – Labels auf die steigende Nachfrage nach `fair` hergestellten exotischen Früchten reagiert. Doch stammt der Grossteil der Importmenge aus Plantagen von Grossgrundbesitzern.

In Costa Rica beispielsweise, dem weltweit grössten Exporteur von Ananas, unterlässt der Staat die Förderung von Grundnahrungsmittel, worauf die Kleinbauern ihr Land an die bestehenden Plantagen verkaufen und dort als Tagelöhner anheuern. Für Stückpreise von CHF 2.50 in der Schweiz wird dort gespart: an Löhnen, Sozialabgaben und ökologischen Anbaumethoden. Die Exportwirtschaft macht das ganze Land zu einer einzigen Monokultur, was den weltweit höchsten Verbrauch von Pestiziden pro Hektar verursacht (52 kg pro Hektar und Jahr). Nachrichten über massive Fischsterben sind in Costa Rica keine Seltenheit, in den Gemeinden um die Plantagen warnen die Gesundheitsbehörden aus den Wasserleitungen zu trinken und stark gesundheitsschädliche Pestizide wie Bromacil und Paracuat werden in Konzentrationen nachgewiesen, die europäische Grenzwerte um das 500-fache überschreiten.

Saisonal, Solidarisch und Selbstorganisiert

Schweizer Gemüsebauern haben mit ihren mittelamerikanischen Kollegen gemein, dass auch ihre Existenz von Handelsabkommen und umgeleiteten Subventionen bedroht ist. Der geplante Agrarfreihandel mit der EU gefährdet Bauern, die an die üblichen Absatzkanäle liefern. Bei Wegfall der Schutzzölle verliert das Schweizer Gemüse den Preiskampf mit der Importware. Einige Produzenten versuchen sich mit dem bekannten Direktverkauf auszuhelfen. Aus der Romandie erobert ausserdem ein neues Konzept die ganze Schweiz. Regionale Vertragslandwirtschaft (Agriculture contractuelle de proximité) existiert in der Westschweiz seit über 30 Jahren. In zahlreichen Städten bieten peripher angesiedelte Landwirte und Genossenschaften sogenannte Gemüsekörbe oder Kisten an, die per Abonnement wöchentlich ausgeliefert werden. Die zu erhaltene Menge kann bei Bestellung festgelegt werden und enthält jeweils den saisonalen Querschnitt an Gemüsen, Früchten und Kräutern. Biologisch produziert, versteht sich.

Vertreter der Solidarischen Landwirtschaft gehen einen Schritt weiter und verpflichten ihre Kunden zur Mitarbeit. Meist sind das nur wenige Stunden im Jahr, doch bei über 100 Mitgliedern können schnell einige Stellenprozente eingespart werden. Was nicht zu Lasten der üblicherweise 2-4 Festangestellten geht, da das Reineinkommen solcher Betriebe durch Wegfall des Zwischenhandels viel höher ist als das einer traditionellen Gemüsegärtnerei. Eine Hektare versorgt hundert Haushalte mit Gemüse und gibt einer Person Arbeit und Auskommen. Die Hektare verpachtet der Bauer, dessen Land sich durch den schonenden Gemüseanbau besser entwickeln kann und der selbst so weniger abhängig von der intensiv betriebenen Agrarwirtschaft wird. Das Konzept schafft vielfältig symbiotische Beziehungen zwischen Produzenten und Konsumenten. Bereits existieren auch in der Deutschschweiz einige Gruppen, und viele mehr sind im Aufbau.

Allen, die nicht dazu geneigt sind, sich gleich einer Gemüsekooperative anzuschliessen, sei nahegelegt, beim Einkaufen mal wieder Ausschau nach saisonalem Gemüse zu halten. Aus Radieschen und Randen, Portulak und Nüsslisalat rüstet sich ein wunderbar erfrischender Salat. Und Rüben, Kohlköpfe und Kabis versorgen uns auch im Winter mit reichlich Vitamin C und vielem mehr. 

Kommentar schreiben

Die Kommentare werden vor dem Aufschalten von unseren Administratoren geprüft. Es kann deshalb zu Verzögerungen kommen. Die Aufschaltung kann nach nachstehenden Kriterien auch verweigert werden:

Ehrverletzung/Beleidigung: Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehören die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken ebenso wie persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer.

Rassismus/Sexismus: Es ist nicht erlaubt, Inhalte zu verbreiten, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen und Personen aufgrund ihrer Rasse, Ethnie, Kultur oder Geschlecht herabsetzen oder zu Hass aufrufen. Diskriminierende Äusserungen werden nicht publiziert.
Verleumdung: Wir dulden keine Verleumdungen gegen einzelne Personen oder Unternehmen.

Vulgarität: Wir publizieren keine Kommentare, die Fluchwörter enthalten oder vulgär sind.

Werbung: Eigenwerbung, Reklame für kommerzielle Produkte oder politische Propaganda haben keinen Platz in Onlinekommentaren.

Logo von umweltnetz-schweiz

umweltnetz-schweiz.ch

Forum für umweltbewusste Menschen

Informationen aus den Bereichen Umwelt, Natur, Ökologie, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Das wirkungsvolle Umweltportal.

Redaktion

Stiftung Umweltinformation Schweiz
Eichwaldstrasse 35
6005 Luzern
Telefon 041 240 57 57
E-Mail redaktion@umweltnetz-schweiz.ch

Social Media

×

Newsletter Anmeldung

Bleiben Sie auf dem neusten Stand und melden Sie sich bei unserem Newsletter an.