Nachhaltige Lebensmittel: Eigenproduktion oder Import?

Nur die Hälfte aller Schweizer Lebensmittel werden im Inland produziert. Nur die Hälfte aller Schweizer Lebensmittel werden im Inland produziert.

Wachsende Bevölkerungszahlen und abnehmende Landwirtschaftsflächen stellen auch in der Schweiz die Frage nach der Ernährungssicherheit. Darüber hinaus verlangt eine ansteigende Zahl Konsumierender nach Bioprodukten aus artgerechter Tierhaltung und nachhaltigem Anbau. Kann die landeseigene Produktion Schritt halten oder sind wir zusehends auf Importe angewiesen? Entsprechen diese aber auch unseren Ansprüchen?

Aus Produktion, Verarbeitung, Detailhandel, Gastronomie und Entwicklungs-Zusammenarbeit diskutierten kürzlich namhafte Vertreter diese Fragestellungen am bereits 25. Lifefair Forum für Nachhaltigkeit in Zürich. Ausgehend von den 17 nachhaltigen Entwicklungszielen (SDG: Sustainable Development Goals) der UNO, die 2015 die Milleniums-Entwicklungsziele sowie die 1992 proklamierte Agenda 21 ablösten, wurde einhellig klar, dass im Nahrungsmittel-Bereich für die Versorgung der Zukunft ein Umdenken dringend nötig ist. Obwohl die Milleniumszielsetzungen spürbar erfolgreich waren, sind noch immer zwei Milliarden Menschen unterernährt. Andererseits sind aber ebenfalls zwei Milliarden Menschen überernährt...!

 

„Wir wollen Ernährungssicherheit für die wachsende Bevölkerung bei abnehmender Landwirtschaftsfläche, aber nicht mehr Ökologie.“, Urs Schneider, stv. Direktor Schweizer Bauernverband

 

Damit stellt sich nicht nur die Frage nach der Verteilung der Lebensmittel, sondern auch nach deren Produktion, Verarbeitung und Konsum. Die Tatsache, dass dabei ganze zwei Drittel verloren gehen (food waste), muss ebenso aufschrecken, wie der Umstand, dass durch grossindustrielle Methoden mit grossem Energieaufwand die Degradation der Böden offensichtlich unaufhaltsam voran schreitet.

Auch in der kleinräumigen Schweiz stellen sich diese Probleme. Einerseits kann auf abnehmender Kulturlandfläche eine Intensivierung des Anbaus festgestellt werden, andererseits nehmen auch hierzulande energielastige, fossil beheizte Orsol- und Gewächshaus-Plantagen ebenso wie die Massentierhaltung zu. Trotzdem erreicht der Selbstversorgungsgrad nur gut 50 %. Das bedeutet, dass die restliche Hälfte im Ausland produziert und importiert werden muss. Für beide Teile stellt sich die Frage, wie nachhaltig deren Produktion und Verarbeitung ist. Während dafür im Inland eine relativ hohe Transparenz besteht, kann diese für den ausländischen Anteil meist nur marginal erhellt werden.

 

„Entscheidend ist die Art des Anbaus von Nahrungsmitteln, weniger der Transport.“, Adrian Wiedmer, CEO Gebana

 

Rechtfertigende Ökobilanzen scheinen oft aufzuzeigen, dass importierte Produkte besser abschneiden als einheimische. Dabei lohnt es aber, die zugrundegelegten Systemgrenzen zu beachten und insbesondere den Auftraggeber zu kennen.

Nachhaltig produzierte Lebensmittel entziehen sich der Ideologie-Frage, da messbare Grössen entscheiden: Wasser- und Bodenverbrauch, möglichst geringe CO2-Emissionen, ökologisch, sozial und ökonomisch verträglich produziert sowie saisongerecht und regional angeboten.

Mithin erhebt sich die Frage nach dem wirklichen Bedarf an exotischen Früchten, überseeischen Weinen oder Blumen ebenso wie nach der Notwendigkeit des Imports von -auf gerodeten und damit unwiederbringlich zerstörten Urwaldflächen angebauten- Futtermitteln für unsere ohnehin überdimensionierten einheimischen Tierbestände.

Argumente, die damit die Existenzsicherung einheimischer Bauern in Entwicklungs- und Schwellenländern in Verbindung bringen, treffen zwar in Einzelfällen zu und können über Fair Trade-Labels Unterstützung finden, aber angesichts des Wirkens multinationaler Konzerne sind die Massenimporte kritisch zu beurteilen.

In mancherlei Hinsicht wäre bestimmt Verzicht angesagt. Durch Verzicht im Angebot kann auch der Verzicht des Bedarfs gefördert werden. Dass dabei keine Lebensqualität verloren geht, zeigt das vielfältige Angebot saisonal und regional produzierter Nahrungsmittel, wobei zusehends auch alte Sorten wieder entdeckt werden. Dafür muss aber vermehrt ein Bewusstsein geschaffen und proaktiv geworben werden.

 

„Mit der Erhöhung des vegetarischen Angebots, der Reduktion der Flugwaren und mit unserem Saisonkalender tragen wir zum Klimaschutz bei.“, Patrick Camele, CEO SV Group

 

 

Weiterführende Informationen/Quellen
Lifefair

 

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