In-Vitro-Fleisch oder Pflanzenburger?

25 Jan 2017
Rein pflanzliche Burger riechen, schmecken und sehen gleich aus wie ein Fleischhamburger. Rein pflanzliche Burger riechen, schmecken und sehen gleich aus wie ein Fleischhamburger.

Fleisch aus dem Labor: Während das In-Vitro-Fleisch noch am Geschmack scheitert, sind pflanzliche Burger von Impossible Foods „unglaublich echt“.

Schon 1931 hat Winston Churchill, ehemaliger britischer Premierminister gesagt, dass irgendwann nicht mehr das ganze Huhn gezüchtet würde, um dann nur die Hühnerbrust oder Flügel zu essen. Mark Post, Professor an der Universität Maastricht in Holland, kommt dieser Voraussage schon sehr nahe. Sein Traum: McDonalds weltweit zu beliefern. Die ersten Rinds-Burger sind schon getestet und gegessen worden. Das Resultat: noch nicht ganz befriedigend. Textur und Aussehen sind gleich, doch beim Geschmack hapert’s noch ein bisschen.

Post und sein Team von Wissenschaftlern produzieren aus Stammzellen einer Kuh in der Petrischale Muskeln. Während der erste Burger noch 250‘000 CHF kostete, sprechen sie heute von unter 70 CHF pro Kilo. Das ist zwar immer noch teuer, aber wir kommen der Sache langsam näher. Indessen experimentiert auch Memphis Meats mit Stammzellen und Fleischbällchen.

Vorteile des In-Vitro-Fleisches

Skeptiker haben es schwer. Obwohl Studien besagen, dass viele argwöhnisch sind, was das neue Fleisch betrifft, so wird es wohl doch in ein paar Jährchen zu kaufen sein. Und die Neugierde wird wohl in den meisten Fällen überwiegen. Solange der Geschmack stimmt, werden die Konsumenten mitmachen, so hoffen die Forscher. Denn das Laborfleisch hat viele Vorzüge. Bis auf die Entnahme von Stammzellen - ein kurzer Eingriff, danach können die Kühe weiter grasen (sofern sie so glücklich sind und auf einer Weide stehen) - ist bei der Herstellung von Kunstfleisch kein Tierleid im Spiel. Das Verfahren ist umweltfreundlich, da ressourcenschonend, und soll sogar noch preisgünstiger werden als herkömmliches Fleisch. Weitere positive Nebeneffekte sind; es ist gesünder und wird ohne Antibiotika oder Genmanipulation hergestellt.

Nicht nur Fleisch, sondern auch Kuhmilch und Leder

Doch Post und sein Team sind nicht die einzigen, die Tierprodukte künstlich herstellen. Von Kuhmilch bis Leder wird unterdessen alles erforscht und nachgebastelt. Die Kuhmilch wird von Perfectdayfoods laktosefrei, ohne Hormone, Antibiotika, Cholesterin und Steroid-frei hergestellt.

Modern Meadow produziert künstliches Leder, ebenfalls mit der DNA von Echtleder. So sind vielleicht sogar Lamm-Krokodilleder-Verbindungen möglich, schreiben sie auf ihrer Website.

Pflanzliches Fleisch

Doch es geht auch ohne Stammzellen. Impossible Foods hat einen Burger kreiert, der 100% vegan und aus pflanzlichen Bestandteilen gemacht wird. Er sieht, schmeckt und riecht genau gleich wie ein normaler Burger und blutet sogar! Dies dank dem eisenhaltigen Häm, welches nicht nur in Form von Hämoglobin in unserem Blut vorkommt, sondern auch in Pflanzen. Die Geheimzutat Häm wurde von Impossible foods aus Pflanzen extrahiert. Zusammen mit Kartoffeln, Weizen, Essig, Zucker, Vitaminen, Kokosfett, Bindemittel und einigen weiteren Zutaten haben sie einen Burger kreiert. Galileo flog extra in die USA, um ihn zu probieren. Der „eingefleischte“ Jumbo kommentierte den Burger als „unglaublich echt“. Er konnte keinen Unterschied feststellen. Gute Neuigkeiten für die Kühe! In vier Restaurants in den USA können die Burger für etwas über 10 Franken schon bestellt werden. Wenn McDonalds doch nur diese Burger verwenden würde…

Die Zukunft sieht also so rosig aus wie ein medium gebratener Burger: Wer auf den Fleischgeschmack nicht verzichten will, hat sogar schon Optionen, welche tier- und umweltfreundlich sind.

Weiterführende Informationen/Quellen

Mark Post
Modern Meadow
Perfectdayfoods
In-Vitro-Fleisch
Galileo

 

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