Wie aus Meeresmüll trendige Mode wird

21 Nov 2017
Alte Fischernetze können zu Kunstfasern für die Textilindustrie verarbeitet werden. Alte Fischernetze können zu Kunstfasern für die Textilindustrie verarbeitet werden.

Die Plastikverschmutzung in unseren Weltmeeren hat ein enormes Ausmass angenommen. Dagegen wollen innovative Köpfe vorgehen: Sie nutzen den Abfall, um trendige Kleider herzustellen.

In unseren Ozeanen treiben 5.25 Billiarden Plastikpartikel, die zum Teil riesige Plastikteppiche bilden. Der grösste sogenannte „Garbage Patch“ ist doppelt so gross wie der US-Bundesstaat Texas. Hinzu kommen weitere 650‘000 Tonnen alter Fischernetze, welche auf den Meeresgrund abgesunken sind. Solcher Müll kann für marine Lebewesen tödlich sein: Delfine verheddern sich in Fischnetzten und ertrinken, Möwen fressen Plastikteile, die sie für Fischeier halten, und schliesslich endet der Mikroplastik über die Nahrungskette auch wieder in unseren Tellern.

Wenn der Müll nicht aktiv aus dem Meer entfernt wird, treibt er noch ewig in den Ozeanen herum und schadet der Umwelt. Dock könnte man den Plastikmüll im Meer nicht auch wiederverwerten und sinnvoll nutzen?

Neue Kunstfasern aus altem Plastik

Innovative Textilfabrikanten haben mittlerweile den Plastikmüll als Rohstoff für sich entdeckt. Aufwändig gesammelter Meeresmüll muss dazu zuerst gereinigt und sortiert werden, bevor der Plastik in einheitliche Stücke zerkleinert werden kann. Daraus werden Kunststoff-Pellets produziert, welche für die weitere Verarbeitung verwendet werden können.

So wurde zum Beispiel die Kunstfaser ECONYL entwickelt. ECONYL Fasern werden aus Nylon von alten Fischernetzen gewonnen und bestehen somit ausschliesslich aus recycelten Materialien. Diese Fasern können zu Textilstoffen für Kleidung verarbeitet werden, welche nach Gebrauch wiederum recycelt werden können, um den Grundstoff ECONYL wieder zurückzugewinnen. So wiederholt sich der Recycling-Kreislauf mehrmals, sodass der Plastik aus den Fischernetzen, die damals aus dem Meer gefischt wurden, nicht wieder zurück ins Meer gelangt.

Wieviel Plastik wird pro Kleidungsstück verwertet?
344 Gramm pulverisierte Autoreifen können zu einem Paar neue Flipflops verarbeitet werden. Ein Meter Stoff in handelsüblicher Breite kann aus 235 Gramm alter Fischernetze hergestellt werden. Für ein Kleid werden 89 alte Plastikflaschen recycelt und für ein Paar Sneakers braucht es etwa elf Flaschen.

Kleider aus Meeresplastik finden Anklang in der Modewelt

Dass Mode aus recyceltem Plastik alltagstauglich ist, zeigt die wachsende Zahl an Start-Ups sowie auch renommierten Textilherstellern, die auf Meeresplastik als Rohstoff setzen.

So wurde zum Beispiel die nachhaltige Kleidermarke Outerknown von Profisurfer Kelly Slater und dem Designer John Moore ins Leben gerufen. Die Surf-Marke stellt unter anderem Badehosen und Shirts aus recycelten ECONYL her. Zudem setzt das Unternehmen auf wasserlösliche Kleideretiketten, um weiteren Plastikmüll zu vermeiden.

Auch die bekannte Sportmarke Adidas hat in Zusammenarbeit mit der Umweltorganisation Parley for the Oceans bereits einen Sneaker-Prototyp aus recycelten Fischnetzen vorgestellt. Ausserdem hat der Sportartikelhersteller schon den Bundesliga Verein Bayern München für ein Spiel mit Trikots ausgestattet, welche aus je 28 recycelten Plastikflaschen fabriziert wurden. Leider kam dieses Trikot bisher nur einmal zum Einsatz und auch der Sportschuh wurde nur in sehr geringer Anzahl produziert, sodass die Aktionen mehr einem Marketing-Gag als ernstgemeintem Umweltschutz gleichen.

Selbst bekannte Musiker wie Pharrell Williams sind bereits ins Geschäft mit den Kleidern aus Meeresplastik eingestiegen. Im Meer und am Strand gesammelte Plastikflaschen werden zu Textilfasern verarbeitet, damit der US-Musikstar daraus Jacken, Jeans und T-Shirts für seine trendigen Kollektionen herstellen lassen kann.

Das Plastikproblem ist damit nicht gelöst

Obwohl in den Weltmeeren mehr als genug Plastik herumtreibt, um Jacken, T-Shirts, Schuhe und auch Taschen herzustellen, ist Vorsicht geboten. Wissenschaftler haben gezeigt, dass solch gutgemeinte Kleidermarken doch nicht so umweltfreundlich sind, wie sie gerne wären. Denn beim Waschen solcher synthetischer Kleider gelangen wiederum winzige Plastikteilchen ins Wasser, die von der Waschmaschine und selbst in der Kläranlage nicht herausgefiltert werden können. Auf diese Weise endet ein Teil des gesammelten Plastiks wieder als Mikroplastik zurück im Meer.
Da das Anbringen von wirksamen Filtern bei Waschmaschinen kaum realisierbar ist, wäre es vielleicht sinnvoller, den Meeresplastik in Produkte wiederzuverwerten, die nicht gewaschen werden müssen - wie zum Beispiel Möbel.

Generell sollte das Upcycling von Meeresplastik zu neuen Produkten wie Kleidung nicht als Lösung für die Plastikverschmutzung in den Weltmeeren angesehen werden. Es muss ein nachhaltigerer Rohstoff als Ersatz für Plastik her. Den Plastik aus dem Meer zu fischen reicht nicht aus: Er darf erst gar nicht dorthin gelangen.

 

Weiterführende Informationen:
Übersicht über Kleider aus Meeresplastik
Weitere Produkte aus recyceltem Plastik

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