Sharing Economy: Schweizer kommen auf den Geschmack

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Der Gemeinschaftskonsum erfreut sich in der Schweiz immer grösserer Beliebtheit. Doch bringt die eigentlich gute Sache nicht nur Positives mit sich.

Immer mehr Schweizer kommen auf den Geschmack der Sharing Economy. Gemäss einer Studie von Deloitte greifen 55% der Schweizer bereits darauf zurück. Doch was bedeutet eine „teilende Wirtschaft“ genau? Der Sinn dahinter liegt in der gemeinsamen Nutzung von Ressourcen, welche nur zeitweise vom Besitzer gebraucht werden. Das Prinzip des Teilens entwickelte sich schon in den 90er Jahren, als zum Beispiel das Schweizer Unternehmen „Mobility“ gegründet wurde. Doch wirklichen Aufschwung erlangte die Idee erst dank der Digitalisierung, Online-Marktbörsen und der Verbreitung von Smartphones. Immer noch dominierend sind die Plattformen Airbnb und Uber.

Die Vorteile

Die Anzahl der Menschen, die Produkte oder Dienstleistungen vermietet und mietet, steigt. Dies führt zu einer besseren Nutzung von Gütern wie Autos, Wohnungen oder Elektrogeräten. Zudem vergrössert sich das Angebot und der Preis sinkt. Das kommt vor allem den Konsumenten und Nutzern zugute.

Da die Sharing Economy Einfluss auf das Konsumverhalten hat, kann daraus auch aus ökologischer Sicht Positives resultieren. Verzichtet eine Person auf die Anschaffung eines neuen Produktes, vermindert sich dadurch der Verbrauch von Rohstoffen und Materialien, welche man zur Herstellung gebraucht hätte. Ausserdem wird keine Energie dafür verbraucht. Ebenso fallen Verpackungsmaterialien und der Transport der Waren weg, wodurch weitere fossile Brennstoffe eingespart werden.

Schattenseiten der Sharing Economy

Was Nutzer und Privatanbieter freut, kann für die traditionelle Wirtschaft negative Folgen haben. Wie im Beispiel von Airbnb: Die Hotel- und Ferienwohnungs-Branche kann mit den tiefen Preisen der privaten Anbieter nicht mithalten. Dies führt zu einem Marktversagen, der Markt bringt also keine effizienten gesamtwirtschaftlichen Ergebnisse hervor.

In der Sharing Economy gelten keine besonderen Vorschriften oder Regulierungen. Konsumenten habe daher beispielsweise bei der Miete eines Zimmers keine Sicherheit, dass gewisse Hygienestandards eingehalten werden. Des Weiteren zahlen viele Privatanbieter keine Steuern für das erwirtschaftete Kapital. Obwohl sie die gleichen Konsumentenbedürfnisse abdecken wie die traditionellen Anbieter, stehen sie unter anderen ökonomischen Gesetzmässigkeiten. Trotzdem sehen 36% der Schweizer eine verschärfte Regulierung der Online-Plattformen als unnötig an.

 

Quelle: Deloitte Studie „Sharing Economy: Teile und verdiene! Wo steht die Schweiz?“

 

Auch der ökologische Vorteil ist mit Vorsicht zu geniessen. Setzt der sogenannte Rebound-Effekt ein, wird die Sharing Economy alles andere als nachhaltig. Bei dem Effekt konsumiert der Nutzer mit dem eingesparten Geld noch mehr, was wiederum zu negativen Auswirkungen auf die Umwelt führt. An einem Beispiel erklärt, sieht dies wie folgt aus: Ein Pärchen will romantische Tage in Paris verbringen, sie suchen sich eine günstige Unterkunft über Airbnb. Da die beiden ja nun weniger Geld für die Unterkunft ausgegeben haben, können sie dafür mehr einkaufen und mehrere Attraktionen besuchen. Hier spricht man von einem indirekten Eintreffen des Effekts. Menschen können dadurch ein noch grösseres Verlangen nach Konsum entwickeln. Ökologisch sinnvoll ist die Sharing Economy also nur, wenn auch hier bewusst konsumiert wird.

Selbstregulierung

Plattformen können durch Selbstregulierung und Massnahmen gewisse Standards versprechen, um den Nutzern mehr Sicherheit zu geben. Auf der Mietplattform Sharely.ch können allgemeine Gebrauchsgegenstände vermietet werden, den Preis bestimmen die privaten Anbieter selbst. Alle Gegenstände sind, durch Zusammenarbeit mit der Mobiliar, versichert. Durch transparente Bewertungssysteme bekommen Nutzer einen Eindruck der angebotenen Produkte oder Dienstleistungen. Der einzige Haken an den Selbstregulierungen; in einem Schadensfall sind viele von ihnen juristisch nicht anerkannt.

Fazit: In unserer heutigen Konsumgesellschaft muss ein Umdenken stattfinden. Mit der Sharing Economy ist ein guter Grundstein gelegt. Durch einige gesetzliche Regulierungen könnten Konsumenten und andere nicht private Anbieter geschützt bzw. entlastet  werden. Ausserdem können sich traditionelle Unternehmer mit dem Konzept der Sharing Economy anfreunden und zusammenarbeiten, wie es die SBB mit den vielen Mobilitystandorten an Bahnhöfen bereits gezeigt hat.

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