Mmmh Mehlwürmer: Die Insekten lauern in den Ladenregalen!

Vorfreude auf die Zukunft? Vorfreude auf die Zukunft?

Neue Köstlichkeit schlägt zwei Fliegen mit einer Klappe: Kann der Verzehr von Insekten wirklich lecker und umweltfreundlich gleichzeitig sein?

 Der fortschreitende Klimawandel stellt uns vor neue Tatsachen. Herausforderungen finden sich auch im Ernährungsbereich. Einzelne Lebensmittel werden in Zukunft knapp oder nicht mehr produzierbar sein. Es gibt vielerlei Gründe, wieso Menschen ihre Essgewohnheiten umkrempeln. Die einen werden aus Mitleid mit den Tieren zu Vegetarierinnen, andere versuchen das Klima durch eine vegane Ernährung zu schützen. Als zukunftsorientierte Lebensmittel gelten nun auch Mehlwürmer, Grillen, Heuschrecken… Insekten verschiedener Arten. Der Verzehr von Insekten – im Fachjargon die Entomophagie – könnte auch in Europa zu einem wichtigen Bestandteil der Ernährung werden. Ob das Ganze nur eine Trenderscheinung oder aber sinnvoll für unseren Planeten ist, wollen wir hier besprechen.

Knackiger Snack

Ein Bericht der UN-Welternährungsorganisation FAO vom Jahr 2013 sieht im Insektenverzehr umweltbedingte, gesundheitliche und soziale Vorteile.
Umwelt: Insekten haben eine hohe Futterverwertungseffizienz, das heisst sie benötigen vergleichsweise wenig Futter, um an Gewicht zu gewinnen. Die Treibhausgasemissionen durch Insekten scheint gegenüber anderer Tiere geringer zu sein. Herkömmliche Viehtierhaltung bedeutet einen hohen Wasserverbrauch, Insekten haben keinen hohen Wasserbedarf. Insektenzucht ist weniger landabhängig ergo platzsparender als die Zucht von anderen Tieren. Insekten können auch auf Bio-Abfällen kultiviert werden.
Gesundheit: Insekten liefern als Nahrungsmittel hochwertige Proteine und wichtige Nährstoffe. Die meisten Insektenarten sind reich an ungesättigten Fettsäuren. Ausserdem bringen Insekten Ballast- und Mikronährstoffe in unseren Körper; Kupfer, Eisen, Magnesium, Mangan, Phosphor, Selen und Zink beispielsweise.
Lebensunterhalt: Die Zucht und die „Ernte“ von Insekten sind relativ einfach. Die Kultivierung von Insekten bedeutet deshalb einen geringen finanziellen Aufwand und erfordert nur wenig technische Voraussetzungen. Dadurch bietet der Insektenmarkt auch Menschen mit nur eingeschränkten Möglichkeiten eine Chance, ins Geschäft einzusteigen. Auch die Umwandlung zu Lebens- und Futtermitteln ist keine komplizierte Angelegenheit.

Kulinarisches Neuland

Aufgrund dieser diversen Vorteile gibt es global, aber auch schweizweit gesehen immer mehr Angebote von Insekten in Ladensortimenten oder auf dem Menüplan. Erst kürzlich hat die Migros drei verschiedene Insektensnacks in ihr Sortiment aufgenommen. Der Coop ist hingegen schon seit längerem ein Pionier in diesem Bereich. Seit dem 1. Mai 2017 sind in der Schweiz drei Insektenarten als Lebensmittel zugelassen: Grillen, europäische Wanderheuschrecken sowie Mehlwürmer dürfen seither an Konsumentinnen und Konsumenten verkauft werden. Für weitere Insektenspezies muss eine Bewilligung eingeholt werden. Bereits im August 2017 hat der Grossverteiler Coop erste Insektenprodukte in sein Sortiment aufgenommen. Er arbeitet mit dem Schweizer Start-up Essento zusammen, das sich mit dem „kulinarischen Potenzial von Insekten“ auseinandersetzt.

Kuriositäten

Was für uns eine gewagte Neuheit oder ein Mutprobe sein mag, ist in Wirklichkeit gar nicht so innovativ, wie wir gerne denken. Bereits zu Zeiten der Römer und Griechen landeten „fette Larven“ auf der Festtafel. Bis ins 20. Jahrhundert kannte man auch in europäischen Ländern das Tabu um den Insektenverzehr nicht, so verzehrte man beispielsweise Maikäfer. Auch heute sind Insekten fester Bestandteil verschiedener Esskulturen - vorwiegend in asiatischen Ländern.

Konkrete Probleme

Die Insekten als Lebensmittel wecken zwar Neugier am europäischen Markt, doch die Durchsetzung der Entomophagie ist noch nicht sicher. Für Konsumentinnen und Konsumenten ist der Verzehr von Insekten bislang noch immer mit Ekel verbunden und erfordert Überwindungskraft. Ausserdem sind die Preise noch relativ hoch. Auch ich selbst habe bereits einen Grillensnack mit Salz und Essig probiert, mein Fazit: Gewöhnungsbedürftig.

…und was ist eigentlich mit dem Insektensterben?

Beim neuen Ernährungstrend darf nicht vergessen werden, dass auch Insekten Lebewesen sind. Die kleinsten Tiere leisten einen wichtigen Beitrag zu unseren Ökosystemen. In den letzten Jahren hat sich die Bedrohung des Artensterbens verschärft. Auch die Insekten sind davon direkt betroffen. Dem Insektenmarkt werden gute Zukunftsaussichten eingeräumt. Das hat zur Folge, dass vermehrt grosse Investorinnen und Unternehmen auftreten und schliesslich Profite machen. Die steigende Nachfrage hat auch eine Automatisierung zur Folge. Es entstehen grössere Zuchten, die Insekten werden mit proteinreicher Nahrung gefüttert. In der Massenzucht von Insekten treten ausserdem ähnliche Problem wie bei herkömmlicher Viehzucht auf: Antibiotikaeinsatz, Tierquälerei, Krankheiten.

Quellen und weitere Informationen:
Welternährungsorganisation FAO: Beitrag von Insekten zu Nahrungssicherung, Lebensunterhalt und Umwelt
Bundesamt für Lebensmittel und Veterinärwesen: Insekten
TAZ: Insekten essen
Migros: Medienmitteilung Insekten

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