Appell an die Vernunft – kein Gift im Kinderzimmer

20 Dez 2019
Badespass oder Gesundheitsgefahr? Badespass oder Gesundheitsgefahr?

Online-Händler verscherbeln weiter giftige Spielwaren aus China und profitieren von unserem bequemen Konsumverhalten.

Der Spielwarenverband Schweiz (SVS) warnt vor giftigen Billigspielwaren. In einer kürzlich veröffentlichten Untersuchung testete er Spielwaren aus China auf giftige Chemikalien. Der Befund ist erschreckend: von zehn untersuchten Spielzeugen wiesen sechs Schadstoffe auf, die massiv über den gesetzlich festgelegten Grenzwerten liegen. Chinesische Importprodukte boten bereits 2007 heftigen Gesprächsstoff. Damals gerieten nicht nur Spielwaren in Verruf, sondern auch Kleider und Kosmetikprodukte, die allesamt nicht den Schweizer Sicherheitsstandards entsprachen. In grossen Rückrufaktionen wurden etliche Produkte vom Markt genommen. Für Spielwaren gilt seit 2012 die Verordnung des eidgenössischen Departements des Inneren über die Sicherheit von Spielzeug. Darin sind die zugelassenen physikalischen, mechanischen und chemischen Eigenschaften der Materialien reglementiert.

Gefährliche Substanzen

Der SVS verzeichnet erhöhte Vorkommen von Lösungsmitteln, Blei, Nickel, Phtalaten (Weichmacher) und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) in den verschiedenen getesteten Spielwaren. Dabei nehmen insbesondere Lösungsmittel wie Cyclohexanon oder Toluol unmittelbaren Einfluss auf das Wohlbefinden. Sie können durch Einnahme, Inhalation oder Berührung zu Reizungen der Haut, der Augen und Atemwege, zu Übelkeit und Kopfschmerzen führen. Diese Reaktion zeigten auch die Chemiker im Testlabor durch die blosse Kontamination der Luft. Langfristig wirken Phtalate, Bor, Toluol und PAKs als endokrine Disruptoren auf das Hormonsystem eines Menschen ein und können so zu Entwicklungs- und Fortpflanzungsstörungen, zu hormonabhängigen Tumorerkrankungen, Schilddrüsenerkrankungen und Essensstörungen führen. Ausserdem kann eine erhöhte Bleikonzentration die Blutbildung, das Nervensystem und die mentale Entwicklung eines Kindes gefährden. Blei setzt sich im Gehirn sowie in den Knochen und Muskeln ab und wird dort jahrelang gespeichert, weshalb es eine langfristige Gefahr darstellt.Die meisten dieser Substanzen unterliegen mittlerweile starken Kontrollen und Reglementen. Trotzdem scheinen sie noch immer ihren Weg in die Schweiz zu finden.

Billigwaren statt Sicherheit

Grund dafür ist unser Konsumverhalten. In den letzten Jahren konnte ein starker Trend zu Online-Shopping von Billigwaren verzeichnet werden. Der sogenannte E-Commerce hat sich in der Schweiz von 2010 bis 2017 verdoppelt. Wichtig sind den Konsumentinnen und Konsumenten dabei günstige Preise und mühelose Transaktionen.
Zu Recht sieht der SVS das Problem in den fehlenden Kontrollen und Reglementen für Onlinehandel in der Schweiz. Man könnte zwar argumentieren, dass die Verantwortung beim Hersteller liegt, offensichtlich vermochten aber selbst internationale Aufrufe – beispielsweise durch eine umfangreiche Untersuchung von Greenpeace 2011 – kaum Veränderungen in China zu bewirken. Inwieweit eine Regulierung des Onlinemarktes aber überhaupt möglich und erwünscht ist, sei dahingestellt. Denn letzten Endes sind wir doch immer noch selbst für unser Eigenwohl zuständig. Insofern ist dies ein Appell an die Vernunft: Vergiftet die Kinderzimmer nicht mit Billigspielzeugen – die Gesundheit ist den zusätzlichen Aufwand allemal wert.

Quellen und weitere Informationen:
SVS – giftige Spielwaren: Medienmitteilung zu Giftstoffen in Spielwaren von Wish und Aliexpress
EDI – Sicherheitsverordnung Spielwaren: Verordnung des EDI über die Sicherheit von Spielzeug
BAG – Chemikalien : Chemikalien im Alltag
BFS – E-Commerce: E-Commerce und E-Banking

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