Ratgeber: Urban Jungle - Umweltschutz im Blumentopf

Glücklicher mit nachhaltigen Topfpflanzen. Glücklicher mit nachhaltigen Topfpflanzen.

Wenn im Herbst die Pflanzenwelt ihre Winterruhe einläutet, kann man sich mit einem Urban Jungle die Natur ins Wohnzimmer holen. Wie man das nachhaltig und ökologisch macht, erfahren Sie in diesem Ratgeber.


Topfpflanzen sorgen für frische Luft und machen glücklich. Ob im Baumarkt, Gartencenter oder im Supermarkt, überall locken günstige Angebote. Leider sind die meisten dieser Pflanzen wenig ökologisch und nachhaltig.  

Das Problem: Man weiss trotz Pflanzenpass nicht, woher die jeweilige Pflanze stammt und womit sie während ihrer Anzucht behandelt wurde. Der EU-Pflanzenpass gibt als Ursprungsland lediglich den Ort an, wo sie zuletzt gewachsen ist. Meistens wurde sie davor in einem anderen Land kultiviert. Jungpflanzen stammen häufig aus Ländern wie Ägypten, Äthiopien, Kenia oder Costa Rica. Dort ist das Klima für die Pflanzenzucht besonders geeignet. Der tatsächliche Ursprung des grünen Freunds könnte also weit entfernt liegen - mit dementsprechend langen Transportwegen und hohen CO2-Emissionen.  

Meistens werden preisgünstige Pflanzen massiv mit Chemikalien und Dünger behandelt. Diese sorgen für optimale Wachstumsbedingungen im Gewächshaus. Erreichen die Pflanzen dann das neue Zuhause, kränkeln sie und gehen ein. Entsprechend sind die Pflanzen aus dem Handel auch häufig mit Pestiziden belastet. Einige der hochgiftigen Chemikalien sind zwar in der EU verboten, in den afrikanischen Anbauländern kommen sie jedoch weiterhin zum Einsatz. Die Arbeiterinnen dort bezahlen das mit ihrer Gesundheit. Die Pestizidrückstände auf den Zierpflanzen schädigen aber auch die Gesundheit der Floristinnen und nicht zuletzt die Endkonsumentinnen.  


Tipp #1 Lokale statt Exoten 

Gerade bei tropischen Pflanzen ist Vorsicht geboten! Oftmals findet in den tropischen und subtropischen Ländern ein grosser Raubbau statt. Die Pflanzen stammen möglicherweise gar aus Wäldern, die unter Naturschutz stehen. Auch bei den Kakteen ist die Lage kritisch: Ein Drittel der Arten weltweit sind vom Aussterben bedroht – nicht zuletzt aufgrund des Raubbaus!  
Fragen Sie in spezialisierten Gärtnereien für Kakteen und Sukkulenten, ob diese dort vor Ort gezüchtet werden. Sie sind dann zwar möglicherweise etwas teurer, doch umso mehr kann man sich an dem stacheligen Freund erfreuen. Einheimische, lokal angebaute Pflanzen haben kürzere Transportwege und schonen damit die Umwelt. (Wer trotzdem nicht auf Exoten verzichten will, erfährt mehr unter Tipp #5) 


Tipp #2 Bio-Labels 

Leider gibt es bisher so gut wie keine Zimmerpflanzen mit Bio-Siegel. In Deutschland liegt der Marktanteil gerade einmal bei 1,7%. Das geringe Angebot spiegelt auch die geringe Nachfrage wider. Zeit, dies zu ändern! 

Wer sich für eine Pflanze mit einem Bio-Siegel von beispielsweise Demeter, Bioland oder BioSuisse entscheidet, kann sicher sein, dass nur organischer Dünger benutzt und der Pestizideinsatz so gering wie möglich gehalten wurde.

In der Schweiz gibt es 70 Biogärtnereien - bestimmt auch eine in Ihrer Nähe.   

Tipp #3 Torffreie Erde 

Immer noch ist in vielen Pflanzenerden Torf enthalten. Ein absolutes No-Go, wenn man nachhaltig gärtnern will. Denn Torferde ist schlecht fürs Klima und die Natur. Torf wird aus Mooren gewonnen. Da Moore natürliche CO2-Speicher sind, entweichen beim Abbau grosse Mengen des Treibhausgases in die Atmosphäre! Ausserdem wird dabei der einzigartige Lebensraum für zahlreiche spezialisierte Pflanzen und Tiere zerstört. 

Achten Sie beim Kauf darauf, dass die Blumenerde torffrei ist. Selbst bei torfreduzierter Erde kann der Torfanteil bei bis zu 45% liegen! Oder Sie kompostieren gleich selbst und machen aus ihrem Rüstabfall wertvolle neue Erde. 

Tipp #4 Übertöpfe - Terrakotta statt Plastik! 

Nutzen sie die Übertöpfe so lang wie möglich - das heisst, bis sie kaputt gehen. Entscheiden sie sich für Materialien wie Terrakotta oder Keramik anstatt Plastik und wählen sie einen Stil, der ihnen auch nach ein paar Jahren noch gefällt. Stöbern Sie auf Flohmärkten oder auf den Internetportalen und suchen Sie nach gebrauchten Übertöpfen! Secondhand ist immer nachhaltiger als eine Neuanschaffung! 


 
Tipp #5 Pflanzentausch 

Die nachhaltigste Methode, sich eine Pflanzenoase zu schaffen, gelingt durch Pflanzentausch. Denn selbst bei Bio-Pflanzen kann ein wasserintensiver Anbau vorausgehen! Fragen Sie in ihrem Freundeskreis nach, wer Pflanzenableger tauschen will. Suchen Sie bei Tutti nach Secondhand-Pflanzen oder schliessen Sie sich in den sozialen Medien mit anderen Hobbygärtnern und Tauschfreunden zusammen. Bei manchen Pflanzen klappt die Vermehrung über die Wurzel, bei anderen mit Stecklingen. Die Anleitung, wie das bei jeder Pflanze funktioniert, lässt sich leicht im Internet finden. 

Über die natürliche Vermehrung bereits vorhandener Topfpflanzen kommt man auch zu seinem nachhaltigen und paradiesischen Dschungel im Wohnzimmer. 

 

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