Sharing Economy – die nachhaltige Alternative oder doch nicht?

Carsharing ist bereits weit herum bekannt – dringt das Sharing-Konzept auch in andere Bereiche vor? Carsharing ist bereits weit herum bekannt – dringt das Sharing-Konzept auch in andere Bereiche vor?

„Nutzen statt Besitzen“ ist das Prinzip von Sharing Economy, so wie es Bibliotheken jahrzehntelang schon praktizieren oder wie gemeinsames Nutzen von Gütern und Dienstleistungen im Rahmen von Genossenschaften eine bewährte Tradition verkörpert.
Soll mit diesem durch die globale Digitalisierung beförderten Prinzip die zeitlich begrenzte Nutzungsberechtigung ökonomischer Ressourcen auf möglichst weite Bereiche der Wirtschaft ausgedehnt werden, stellen sich allerdings mannigfaltige – auch rechtliche – Fragen. Wie werden Gesellschaft und Arbeitsformen beeinflusst, werden Infrastrukturen entlastet, Ressourcen geschont?

Am jüngsten Lifefair Forum in Zürich stellten sich mehrere Referenten und Podiumsteilnehmer diesem Fragenkomplex. Vor dem Hintergrund erfolgreicher Anwendungen des zeitlich begrenzten Nutzens genossenschaftlich organisierter Autos durch Car Sharing oder nur jeweils kurzzeitig benötigter und daher gemeinsam genutzter teurer Spezialmaschinen in der Landwirtschaft erhebt sich die Frage nach dem möglichen Einsatz dieses Prinzips in anderen Bereichen der Gesellschaft.

Während das traditionelle Marktprinzip auf der definitiven Eigentumsübertragung ökonomischer Ressourcen von Verkäufer zu Käufer besteht, erfolgt mit ‘sharing economy‘ lediglich die zeitlich begrenzte Übertragung zu deren Nutzung.

Keineswegs neu ist das Prinzip grundsätzlich im Immobilienbereich durch die zeitlich begrenzte Nutzung von Häusern, Wohnungen, Büros, die in fremdem Eigentum stehen und bleiben. Das Prinzip liesse sich aber auch erweitern auf Ausleihe und Tausch beispielsweise von Alltagsgegenständen wie Werkzeugen, Maschinen, Möbeln oder sogar Spielsachen und Kleidern insbesondere für schnell heranwachsende Kinder.

Diese kollaborative Wirtschaftsform lässt Unternehmen entstehen, die Ressourcen zur Verfügung stellen, die nicht dauernd benötigt werden. Dabei werden Kundenbedürfnisse erfasst und entsprechende Angebotssysteme aufgebaut und auf elektronischen Plattformen vermittelt. Privat oder genossenschaftlich organisierter Austausch wird dadurch professionalisiert und kommerzialisiert, sind doch die elektronischen Marktplätze erfolgs- und gewinnorientiert.

"Die neuen Technologien, welche Nutzer und Anbieter effizient zusammenführen können, sind wesentliche Treiber der Sharing Economy."

Frank Boller, Präsident VR Mobility

Lässt sich dadurch ein Gegenpol zur Wegwerfgesellschaft bilden, indem Ressourcen besser genutzt und weniger verschleudert werden? Entsteht über Reboundeffekte nicht sogar ein Mehrkonsum an ökologischen Ressourcen?

Wie verhält es sich mit sozialen, ökologischen, arbeits-, versicherungs- und steuerrechtlichen Grundsätzen? Werden diese allenfalls unterlaufen?

Noch steckt die Entwicklung von Sharing Economy in den Anfängen. Wie schnell und wie raumgreifend sich deren Veränderungsprozesse in den nächsten Jahren ausbreiten werden, lässt sich bloss erahnen. Wird das Prinzip allenfalls zum lukrativen globalen Geschäftsmodell?

Sicher wird unsere Gesellschaft davon betroffen sein und wird sich auch deshalb damit auseinandersetzen müssen, da damit drei der 17 Sustainable Development Goals der UNO tangiert werden, nämlich die Ziele 9 (menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum), 12 (verantwortungsvoller Konsum und Produktion) und 17 (Partnerschaften zur Erreichung der Ziele).

Damit, und weil digitale Plattformen auf einem globalen Konzept beruhen, ist auch die Politik gefordert, möglichst rasch Rahmenbedingungen bezüglich neuen Arbeitsformen, schädlichen Monopolstellungen und Versicherungsfragen festzulegen, innerhalb deren sich neue Marktmodelle des Teilens und Verleihens entwickeln können.

Weiterführende Informationen/Quellen:
Lifefair Forum

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