Ein Einrichtungs-Gigant will nachhaltig werden

08 Nov 2012

Skandale um schlechte Arbeitsbedingungen oder illegale Waldrodungen haben dem Ruf des Möbelriesen IKEA in den letzten Jahren zugesetzt. Nun hat der Konzern offenbar aus der Vergangenheit gelernt und setzt in seiner neuen Strategie auf Nachhaltigkeit und soziales Engagement.

„People & Planet Positiv“ – so lautet das neue, grosse Nachhaltigkeitsprojekt der Firma. Nach „IKEA goes reneawable“ vom letzten Jahr setzt sich das Unternehmen mit diesem neuen Vorhaben noch höhere Ziele in Sachen Umweltfreundlichkeit. Die Firma will bis 2020 ressourcenunabhängig werden und nur noch mit erneuerbarer, selbst produzierter Energie arbeiten. So sollen in den nächsten Jahren rund 1.5 Milliarden Euro in erneuerbare Energien, insbesondere in Solar- und Windenergie, investiert werden. Mithilfe von Stromsparen, LED-Lampen und effizienten Geräten soll die Energieeffizienz des Konzerns bis 2015 um 20% erhöht werden. Zudem will IKEA „eine besseren Alltag für Mensch und Gesellschaft“ schaffen. So müssen sich alle Lieferanten und Produzenten an den Verhaltenskodex IWAY halten, welcher strenge Richtlinien zu ethischen und ökologischen Mindestanforderungen vorgibt. Darin enthalten sind unter anderem die Garantie für eine angemessene Bezahlung und für sichere und gesunde Arbeitsbedingungen, ein Verbot für Kinderarbeit und Diskriminierung, sowie umweltbewusstes Handeln.

Dabei sollen die Verkaufspreise der Ware auf tiefem Niveau gehalten werden, wie Steve Howard, Chief Sustainability Officer von IKEA betont: „Wir glauben, dass Nachhaltigkeit kein Luxusgut sein darf – sie sollte für jeden erschwinglich sein.“

Seit einigen Jahren beschäftigt sich der Grosskonzern mit dem Thema Nachhaltigkeit und hat bereits einige Fortschritte erzielt. Zum Beispiel ist IKEA mittlerweile Marktführerin im LED-Verkauf, produziert ein Viertel ihrer Baumwolle nachhaltig und hat seit Anfang des Jahrhunderts mehrere hundert Millionen Euro an Hilfswerke und Umweltorganisationen gespendet. Seit der Einführung des Verhaltenscodexes IWAY im Jahr 2000 konnten offenbar weltweit 165‘000 Verbesserungen der Umwelt- und Arbeitsbedingungen in Lieferantenfabriken realisiert werden.

Wir glauben, dass Nachhaltigkeit kein Luxusgut sein darf – sie sollte für jeden erschwinglich sein.

Steve Howard, Chief Sustainability Officer von IKEA

Dennoch wirft die neue, ambitiöse Zielsetzung einige Fragen auf. Der Gigant besitzt rund 1100 Lieferanten und Hersteller, die wiederum mit Zwischenhändlern arbeiten. Bei diesen Dimensionen scheint es nahezu unmöglich, die ganze Lieferkette kontrollieren zu können. IKEA setzt dabei vor allem auf interne Prüfungen, gibt aber seine Lieferanten aus Konkurrenzgründen nicht bekannt. Eine externe Überprüfung ist so schwierig und volle Transparenz nicht gewährleistet als neuen Ansatz soll versucht werden, vermehrt unabhängige NGOs mit der Überwachungsarbeit zu beauftragen.

Der Gigant besitzt rund 1100 Lieferanten und Hersteller, die wiederum mit Zwischenhändlern arbeiten: wie ist es möglich, die ganze Lieferkette zu kontrollieren?

Ein besonderes Problem besteht beispielsweise auch in der Herkunft des Holzes. Ein beträchtlicher Teil davon ist nachhaltig angebaut und FSC-zertifiziert. Dennoch: ein Grossteil des massiven Holzes bezieht IKEA aus Russland und China, wo konsequente Kontrollen fehlen. Es gibt in beiden Ländern zahlreiche Fälle von flächendeckender illegaler Abholzung bedrohter Wälder. Internationale Mindeststandards werden oft nicht eingehalten und die Transparenz ist, trotz Bemühungen von Seiten der Abnehmer, sehr gering.

Ein weiteres Problemfeld unter vielen betrifft die Kerzen. Dafür werden jährlich 38‘000 Tonnen Palmöl verwendet, wofür in Indonesien und Malaysia massiv Regenwald gerodet wird (Siehe Artikel vom 24. Oktober 2012). Als Begründung wird die bessere Ökobilanz gegenüber Erdölprodukten angegeben. Zudem sei Palmöl auch günstiger als Alternativlösungen wie Paraffin oder Rapsöl. Die PR-Managerin des Einrichtungshauses betont aber, dass es sich nur um eine Übergangslösung handle und sobald wie möglich auf einen alternativen Rohstoff umgestellt werde.

Wie der Konzern selbst auf seiner Homepage erklärt, befindet sich IKEA in Sachen Nachhaltigkeit erst in der Anfangsphase. Es ist verständlich, dass ein derart grosses Unternehmen seine gesamten Produkte nicht von heute auf morgen komplett auf nachhaltige Methoden umstellen kann; der Weg ans Ziel ist lang. Doch die neue Strategie der Firma ist vielversprechend – vorausgesetzt die ausstehenden Problempunkte werden zukünftig ernsthaft bekämpft und die ehrgeizigen Nachhaltigkeitsprinzipien tatsächlich konsequent umgesetzt. Die Idee, Nachhaltigkeit preiswert anzubieten, und so Anreize für ein bewusstes Konsumverhalten zu schaffen, ist vorbildlich und zukunftstauglich. 

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