Extreme Wetterereignisse begünstigen invasive Arten

26 Mär 2013

Immer mehr invasive Tier- und Pflanzenarten bedrohen unsere einheimische Flora und Fauna und teilweise auch die menschliche Gesundheit. Neben Handel und Verkehr begünstigen auch die Erhöhung der Temperaturen in unseren Breiten und die zunehmenden extremen Wetterschwankungen die fremden Arten.

Unter gebietsfremden Arten versteht man Tiere und Pflanzen, welche im Gegensatz zu einheimischen Arten nur durch den Einfluss des Menschen in einem Gebiet vorkommen. Dies kann beabsichtigt, z. B. durch die Einfuhr von Nutzpflanzen, oder unbeabsichtigt, z. B. durch Einschleppung, erfolgen. Die meisten dieser Arten sind bereits vor Jahrhunderten „eingewandert“ und stellen kein Problem dar für die lokale Artenvielfalt. Viele stehen – wie die indigenen Arten – sogar unter Naturschutz.

Seit einigen Jahren hat sich jedoch in Europa und auf der ganzen Welt eine starke Zunahme von gebietsfremden Arten entwickelt. Unter diesen Arten sind zunehmend auch Tiere und Pflanzen, welche die einheimische Biodiversität stark gefährden und deswegen als „invasiv“ bezeichnet werden. Die grösste Bedrohung geht dabei von der Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen mit den heimischen Arten aus. Durch ihre hohe Anpassungsfähigkeit verbreiten sich invasive Pflanzen oft unkontrolliert und schnell und können so indigene Arten verdrängen. Nebenbei bedrohen einige auch die menschliche Gesundheit, indem sie Krankheiten übertragen oder Allergien auslösen, wie z.B. das Unkraut Ambrosia, und hohe ökonomische Schäden verursachen. Besonders die Landwirtschaft sieht sich mit neuen, aggressiven Schädlingen konfrontiert, wie z.B. dem Asiatischen Laubholzbockkäfer, der mit Steinlieferungen aus China eingeschleppt wurde. Seine gefrässigen Larven bedrohen unsere Laubbäume.

Mittlerweile gelten invasive Arten weltweit als die zweitgrößte Gefährdung der biologischen Vielfalt.

Wie dieses Beispiel zeigt, sind grösstenteils der internationale Handel, der Warentransport sowie unsere Mobilität und intensive Reisetätigkeit für die problematische Zunahme der „Globalisierung“ der Tier- und Pflanzenwelt verantwortlich. Mittlerweile gelten invasive Arten weltweit als die zweitgrößte Gefährdung der biologischen Vielfalt.

Neben der verstärkten internationalen Mobilität sind auch klimatische Bedingungen für die Invasion fremder Arten von Bedeutung. Dabei ist aber nicht die stetige, durchschnittliche Veränderung von Klimawerten entscheidend, sondern primär die erhöhte Variabilität von Wetterereignissen, d.h. erhöhte Niederschlagsschwankungen oder häufigere Extremereignisse wie Dürren oder Überschwemmungen. Zu diesem Ergebnis ist eine aktuelle Studie der Universität Bern gekommen. Dabei wurde in einem Experiment aufgezeigt, dass der invasive Japanknöterich die heimischen Pflanzen umso erfolgreicher verdrängt, je unregelmässiger die Nährstoffzufuhr erfolgt. «Der Japanknöterich ist scheinbar besonders gut darin, aus plötzlich veränderten Nährstoffbedingungen Kapital zu schlagen, und er ist den einheimischen Pflanzen darin überlegen», sagt Madalin Parepa, Erstautor der Studie. Solch starke Nährstoffschwankungen werden zum Beispiel durch Überschwemmungen am Flussufer verursacht.

Die Klimavariabilität und die Häufigkeit extremer Umweltereignissen werden aufgrund des Klimawandels in Zukunft vielerorts weiter zunehmen. Man kann davon ausgehen, «dass dies die weitere Ausbreitung invasiver Pflanzen begünstigen und den durch den Menschen verursachten ökologischen Wandel stark beschleunigen wird», betonen die Berner Forscher.

Weiterführende Links
Medienmitteilung Uni Bern Invasive Pflanzen profitieren von extremen Umwelt-Ereignissen, 19. März 2013.
Infoportal NeoFlora, Bundesamt für Naturschutz Deutschland.

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