Streit um Brände in Südostasien - und wie man palmölfreie Produkte erkennt

Um Palmöl anzupflanzen, wird Tropenwald brandgerodet. Um Palmöl anzupflanzen, wird Tropenwald brandgerodet.

Spätestens seit letzten Monat Brandrodungen in Südostasien tagelang anhaltenden, giftigen Smog verursacht hatten, ist die malaysische und indonesische Palmölproduktion wieder vermehrt in die Kritik geraten. Die Brände wurden auch von Firmen, die offiziell „nachhaltiges“ Palmöl produzieren mitverursacht...

Der Runde Tisch für nachhaltiges Palmöl (RSPO) ist eine Organisation, die sich aus Plantagenbetreibern, Palmölhändlern und -Abnehmerfirmen sowie Banken, Investoren, Umweltverbänden bzw. NGOs zusammensetzt. Erklärtes Ziel der Initiative ist die Förderung von nachhaltig produziertem Palmöl. Lebensmittelkonzerne, welche für ihre Produkte RSPO-zertifiziertes Palmöl verwenden, können diese als „nachhaltig“ verkaufen. Offenbar darf sich mittlerweile 15% des weltweit produzierten Palmöls mit dem Qualitätssiegel schmücken.

Umweltverbände wie Greenpeace bezeichnen den RSPO jedoch seit langem als „Etikettenschwindel“ und „Greenwashing“. Einerseits lassen die Nachhaltigkeitsrichtlinien der Organisation zu wünschen übrig – andererseits werden diese offenbar kaum eingehalten, und die Transparenz ist sehr gering. So sind die grossflächigen Brände, die kürzlich in Indonesien und Malaysia wüteten, teilweise auf Rodungen von Waldstücken für die Palmölproduktion zurückzuführen. In den Brandgebieten sind auch RSPO-zertifizierte Firmen und/oder deren Unterlieferanten tätig, obwohl Brandrodungen gemäss den Richtlinien verboten sind. Ob diese Firmen nur zu einem kleinen Teil oder aber massgeblich für die Brände, welche zu einer enormen Luftverschmutzung in Singapur geführt haben, verantwortlich sind, ist zurzeit (noch) unklar. Die indonesischen und die malaysischen Firmen beschuldigen sich gegenseitig. Singapur sieht sich derweil als grosses Opfer, obwohl die Palmölkonzerne ihre Geschäfte über die Börsen des wirtschaftlich florierenden Staates abwickeln... Führende Palmöl-Konzerne wie Wilmar International, Sime Darby und Astra Agro Lestari versichern derweil, dass neue Anbauflächen ausschliesslich maschinell freigelegt würden. Aber auch dies ist sehr fragwürdig, werden dabei doch wertvolle Biotope und Lebensräume vieler Pflanzen und Tiere unwiderruflich zerstört.Da die RSPO-Unternehmen ihre Palmölerzeugnisse aus einer Grosszahl verschiedener Plantagen beziehen, ist die Nachverfolgbarkeit – auch bei den zertifizierten Produkten – äusserst schwierig. Viele Zulieferanten werden offenbar kaum auf die Einhaltung der Nachhaltigkeits-Kriterien überprüft. Die RSPO-Regeln verbieten überdies zwar Brandrodungen, erlauben aber die Trockenlegung von wertvollen Torfmooren sowie die Abholzung von Sekundär-Wäldern, welche teils über ein gewaltiges Artenreichtum verfügen… Durch ihre langjährigen Tätigkeiten vor Ort seien alle grossen Palmölgiganten – unabhängig davon, ob sie zurzeit Brandrodungen betreiben – für die Brände mitverantwortlich, betont Greenpeace. Der zunehmende Verlust von Wald- und Moorgebieten führt nämlich dazu, dass weite Gebiete Indonesiens und Malaysias immer trockener werden!

Palmölgiganten wie Sime Darby  und Wilmar International können sich nicht hinter ihrer Null-Brandrodungs-Politik verstecken. Durch Abholzung von Wäldern und  die Entwässerung von Moorland habe solche Firmen die Grundlage für die Katastrophe gelegt! 
Bustar Maitar, Greenpeace


Die Palmölproduktion in Südostasien hat vor Ort verheerende ökologische, soziale und gesundheitliche Folgen. Durch die Trockenlegung der Moore und die Abholzung gehen nicht nur wertvolle natürliche Lebensräume, sondern auch global relevante CO2-Speicher verloren! Dennoch ist zu erwarten, dass die Produktion künftig weiter ansteigt! Die Nachfrage nach dem billigen Pflanzenöl nimmt besonders in China und anderen Teilen Asiens stetig zu! Auch im Westen ist das Öl in tausenden Lebensmitteln, Kosmetika und anderen Produkten enthalten. Eine rundum nachhaltige und ökologische Produktion des beliebten Pflanzenöls sucht man leider weltweit vergeblich. Wer auf palmölhaltige Produkte verzichten möchte, hat es nicht leicht, weil diese oft nicht eindeutig deklariert sind. Die Smartphone-App der Seite Codecheck.info kann hier weiterhelfen: Die Applikation erkennt durch ein einfaches Scannen des Strichcodes der Produkte, ob diese Palmöl enthalten oder nicht. Zudem weist sie auf geeignete Alternativen sowie auf andere, allenfalls problematische Inhaltsstoffe hin und zeigt Expertenbewertungen an. Eine Auswahl an palmölfreien Lebensmitteln, Kosmetika usw. findet sich auch auf der Seite umweltblick.de.

Weiterführende Infos
Handelsblatt.com – Immer mehr Palmöl in Diesel-Kraftstoff?
Regenwald.org – Fragen und Antworten zu Palmöl

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