Wasserprojekte in Andermatt - Fluch oder Segen?

Andermatt, Blick Richtung Hospental. Andermatt, Blick Richtung Hospental.

Andermatt, ein Dorf ohne Zukunft? Mitnichten, findet der ägyptische Investor Samih Sawiris. Dieser nimmt viel Geld in die Hand, um aus dem verschlafenen Dorf eine Touristenmetropole zu machen. Zu seinen Projekten gehören unter anderem die Renaturierung eines Teilabschnitts der Reuss und die Erweiterung des Skigebietes Andermatt.

Andermatt ist das grösste der drei Dörfer im Urserntal. Schon früh etablierte sich Andermatt als Tourismus- und Handelsgebiet, da viele Reisende den Oberalp-, Gotthard- oder Furkapass überqueren mussten.

Mit dem Bau des Autobahntunnels durch den Gotthard wurde es ruhig um Andermatt. Nicht nur der Durchgangsverkehr nahm ab, sondern auch Touristen blieben aus. Mit dem Wegzug des Militärs in den letzten Jahren sanken auch die Umsätze in der Gastronomie. Abwanderung und Arbeitslosigkeit sind Folgen, die heute noch spürbar sind.

Der ägyptische Investor Samih Sawiris, möchte das Dörfchen vor dem Aussterben retten. Sein Milliarden-Projekt umfasst ein CO2-neutrales Resort, Privatchalets, einen Golfplatz, Erholungsräume und ein Skigebiet. Welchen Einfluss sein Wirken auf die Umwelt - besonders auf die Gewässer in Andermatt hat - ist umstritten.

Fliessgewässer im Urserental

Im Gotthardgebiet entspringen die Flüsse Rhone, Rhein, Reuss und Ticino. Die Reuss, der viertlängste Fluss der Schweiz, entspringt auf 2‘431 Meter über Meer am Gotthardpass und fliesst ins Urserental. Bei Andermatt biegt er nach Norden in die Schöllenenschlucht ab. Erst nach Erstfeld hat die Reuss alle Schluchten überstanden und fliesst dann durch eine grosse Ebene – das Reusstal – In Richtung Flüelen und schliesslich in den Vierwaldstättersee.

Diese lange Reise geht die Reuss oft in kanalisierter Form. Eingepfercht wurde sie Mitte des 19. Jahrhunderts, da sie wegen häufigen Überschwemmungen eine Bedrohung für die Urner und Urnerinnen darstellte. Durch die Verschiebung des Mündungsgebiets der Reuss und den Ausbau des Reussdamms wurde die natürliche Flusslandschaft eingeengt und teilweise zerstört.

Heute herrscht ein grösseres Umweltbewusstsein und viele Gebietverantwortliche sind bestrebt, die verlorenen Habitate für Flora und Fauna, die durch die Kanalisierung verschwanden, erneut zu kreieren. Für die Renaturierung der Flüsse sorgt im Urserental unter anderem das lokale Amt für Umweltschutz. Neuen Antrieb für eine Renaturierung der Reuss in Andermatt kommt nun vom ägyptischen Investor Samih Sawiris.

Sollte dieser Teilabschnitt von ungefähr 600 Metern tatsächlich wie geplant renaturiert werden, ergäbe dies vielfältige neue Lebensräume für selten gewordene Pflanzen und Tiere. Besucher könnten sich bald schon über die raren Feldlerchen und Braunkehlchen freuen.

Weitere ‘wässrige’ Themen im Sawiris-Projekt

Die Renaturierung der Reuss ist zwar das positivste, nicht aber das einzige Thema, welches das Sawiris-Projekt in Angriff nimmt. Gigantismus, eine Kooperation diverser Umweltverbände, hat darauf aufmerksam gemacht, dass die neu geplanten Skipisten oftmals künstlich beschneit werden sollen. Für diesen Zweck sieht der Ägypter vor, den Lutersee zu einem Wasserreservoir umzufunktionieren. Der saisonale Wasserverbrauch durch die künstliche Beschneiung wird auf rund 480'000 Kubikmeter Wasser, was dem Jahresverbrauch von 2400 Vier- Personen-Haushalten entspricht, geschätzt. 

Aus diesen und weiteren Gründen haben sich im Jahr 2013 die Umweltverbände Pro Natura, WWF, VCS, Stiftung Landschaftsschutz und Mountain Wilderness gegen das Sawiris-Projekt ausgesprochen. 

Im Jahr 2014 hat der Investor eingelenkt und ist mit den Umweltverbänden zu einer Übereinkunft gekommen. 

Man sieht also: Zum Thema „Wasser“ im Zusammenhang mit dem Sawiris-Projekt scheiden sich die Geister. Zum einen bieten aufgewertete Flüsse und Landschaften neue Habitate für Tiere und Pflanzen. Zum andern verursachen die geplanten Touristenangebote einen enormen Wasserverschleiss.

  • Click to enlarge image Alpen-Schoellenen-Reuss.jpg Die Reuss in der Schöllenenschlucht, Quelle: Kecko flickr
  • Click to enlarge image Berge-Andermatt-Realp.jpg Andermatt und Realp, Quelle: M M flickr
  • Click to enlarge image Tischgedeck-Essen-Eintopf_v2.jpg

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