Die unterschätzte Ökosystemfunktion der Moose

Ein Quadratmeter Moospolster beheimatet bis zu 60‘000 Kleinstlebewesen. Ein Quadratmeter Moospolster beheimatet bis zu 60‘000 Kleinstlebewesen.

Moose findet man beinahe überall: An Baumstämmen im Wald, in Mooren, zwischen Pflastersteinen und sogar an Betonmauern. Sie sind ein unersetzbarer Bestandteil vieler Ökosysteme.

Moose findet man längst nicht nur in sattgrünen Polstern auf dem Waldboden. Sie gedeihen auch in den kleinsten Ritzen und auf nacktem Stein. Moose sind wirklich überall und schrecken auch nicht vor urbanen Lebensräumen zurück. Sie schmücken kalte Betonwände und spriessen in der Altstadt zwischen Pflastersteinen. Obwohl wir ihnen tagtäglich begegnen, schenken wir ihnen keinerlei Beachtung.

Die mangelnde Wertschätzung liegt sehr wahrscheinlich an ihrer geringen Grösse: Da sie im Gegensatz zu Gefässpflanzen kein effizientes Leitgewebe besitzen, ist der Wassertransport auf kapillare Kräfte beschränkt, was das Grössenwachstum massiv einschränkt. Sie können also gar nicht so gross wie ein Baum werden.
Dafür besitzen sie andere aussergewöhnliche Fähigkeiten: Im Gegensatz zu Blütenpflanzen brauchen sie keine Wurzeln, um Wasser aufzunehmen. Sie absorbieren Wasser sowie auch Nährstoffe über die gesamte Oberfläche. Dennoch ist es nicht tragisch, wenn für eine Zeit kein Wasser zur Verfügung steht. Moose sind nämlich poikilohydrisch. Das heisst, sie können ihren Wassergehalt der Umgebungsfeuchtigkeit anpassen und sind so resistent gegen Austrocknung.

Auch wenn sie oft übersehen werden, sind Moose für diverse Ökosysteme dieses Planeten wahre Helden. Moose übernehmen Aufgaben, denen in diesem Ausmass keine andere Pflanze gewachsen ist.

Wasserspeicher und Herberge für Kleinstlebewesen

Bei Regen speichern Moose ein Vielfaches ihres Eigengewichts an Wasser, das sie bei Trockenheit wieder an ihre Umgebung abgeben. So wirken sie regulierend auf den Wasserhaushalt der Lebewesen in ihrem Umkreis.
Eine Gruppe der Moose, die Wassersackmoose, besitzen - wie der Name schon sagt - spezielle Wassersäcke, um Wasser zu speichern. Diese kleinen Wasserreservoire sind wie Mini-Ökosysteme und beherbergen unzählige kleine Lebewesen wie Rädertierchen, Bärtierchen oder Milben. Moospolster sind allgemein sehr artenreiche Lebensräume: Auf einem Quadratmeter Moos wurden schon bis zu 60‘000 Tierchen gezählt.

Pioniere und Bodenbildner

Dank ihrer Sporen können sich Moose über grosse Distanzen ausbreiten und so neue Lebensräume besiedeln. Sogar auf blanken Fels kann ein Moospolster wachsen, in dem sich weiteres Feinmaterial absetzen kann. Dieser Prozess bildet den Grundstein der Bodenbildung und ermöglicht so auch die Ansiedlung anderer Pflanzen. Hornmoose gehen zudem eine Symbiose mit Bakterien ein, die Stickstoff fixieren, und sorgen so für die Anreicherung von Nährstoffen im Boden.

Erbauer der Hochmoore und CO2-Senke

Hochmoore sind sehr besondere Lebensräume mit einer einzigartigen Tier- und Pflanzenwelt. Die Erbauer dieser einmaligen Biotope sind die Torfmoose. Sie wachsen ständig weiter, ohne dass die älteren Moosteile vollständig zersetzt werden. Auf diese Weise entsteht fortlaufend eine dicker werdende Torfschicht. Darin werden grosse Mengen an CO2 gespeichert, das so nicht mehr in die Atmosphäre zurückgelangen kann. Schätzungsweise werden weltweit bis zu 523 Milliarden Tonnen Kohlenstoff in Mooren gespeichert. Das ist dreimal mehr als alle tropischen Regenwälder zusammen.


Moore tragen also wesentlich zur Milderung des Treibhauseffektes bei, was angesichts des Klimawandels unschätzbar wertvoll ist. Nur schon dafür sollten wir den Moosen dankbar sein und uns vermehrt auch für deren Schutz einsetzen.

 

Swiss Bryophytes: Informationsportal zu den Moosen in der Schweiz
Biodivers: Moose

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