Wildnis wagen – auch in der Stadt

Schönheit und Wert der Wildnis dürfen (trotz Winterdepression) nicht vergessen gehen Schönheit und Wert der Wildnis dürfen (trotz Winterdepression) nicht vergessen gehen

Wild, frei und ungezähmt – das klingt so gar nicht nach der typischen Schweiz. Doch die Wildnis ist für unseren Planeten und die dazugehörigen Lebewesen (einschliesslich uns Menschen) unabdingbar. Vor allem auch in Städten soll wieder mehr Wildnis zugelassen werden.

Wildnis hat zwei Facetten: Zum einen verbinden wir den Begriff gerne mit Romantik und Schönheit, vielleicht steht die Wildnis gar als Symbol für Freiheit. Dem gegenüber steht die Angst vor dem Ungezähmten, Wilden. Über die Wildnis haben wir keine Kontrolle, das lässt uns kritische Vorsicht walten. Beide diese Bilder sind eher problematisch. Wir sollten deshalb wieder ein ausgewogenes Verhältnis zur Wildnis aufbauen.

„Wildnis gibt es ja erst in der Abgrenzung zum Zivilisierten, zur Kultur. Dadurch ist es auch ein Begriff, den jeder Mensch etwas anders definieren kann.“
Sebastian Moos, Projektleiter für Wildnis bei Mountain Wilderness Schweiz

Wilde Schweiz

Die Wildnis der Schweiz wurde in einer Studie von Mountain Wilderness Schweiz in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landwirtschaft genauestens untersucht. Herausgekommen ist, dass 17 Prozent unserer Landesfläche noch als wild bezeichnet werden können. Das ist im internationalen Vergleich ein relativ guter Wert, den wir primär den Alpen zu verdanken haben. Dem Erhalt und der Förderung solcher naturnaher, unwegsamer Gebiete, in die der Mensch kaum eingreift, müssen wir uns annehmen. Wildnis bietet für Natur, Tier sowie auch für den Menschen vielfältige Mehrwerte: Die Natur ist sich selbst überlassen und kann sich frei entwickeln. Die Tiere leben in ihrem natürlichen Habitat und müssen sich nicht dauernd vor menschlichen Eingriffen schützen. Wilde Gebiete geben der Biodiversität mehr Spielraum. Auch für uns Menschen ist die Wildnis unverzichtbar. Ganz direkt können wir beispielsweise von ihr als Rückzugs- bzw. Erholungsgebiet vom hektischen Stadtleben profitieren.  

„Die Wildnis soll nicht nur als etwas Romantisches und Fernes in die Berge ausgelagert werden. Man sollte versuchen, auch in der eigenen näheren Umgebung – das ist bei vielen heute die Stadt – in kleinen Ecken Naturdynamiken zuzulassen. Damit man auch entdeckt, was hier lebt und was für ein Potenzial in der Natur der Stadt steckt.“
Sebastian Moos

Natürliche Metropole

Immer mehr Menschen leben in Städten. Sie sind Zentren, in denen sich weite Teile unseres sozialen Lebens abspielen. Der gesamte städtische Bereich ist auf die Bedürfnisse des Menschen ausgerichtet. Mit dem Wachsen der Weltbevölkerung sind immer grössere Metropolen entstanden. Sogenannte Megacitys – die nach UN-Definition mindestens 10 Millionen Einwohnerinnen beherbergen – gelten heute nicht mehr als Ausnahmen. Die Städte dehnen sich in alle Richtungen aus und beanspruchen grosse Flächen für sich. Wer dabei einstecken muss sind Umwelt, Tiere und Pflanzen. Mit Debatten rund um Klimawandel oder Artenverlust wird klar, dass wir der Umwelt wieder vermehrt Platz in unserem Lebensraum einräumen müssen. Das Grün soll auch in die Städte zurückkehren. Heute wird das vorwiegend mit Nationalparks, Schutzgebieten, Waldreservaten oder auch grünen Erlebnisparks versucht. Doch die ungezähmte Natur kann auch im kleinen Rahmen gefördert werden.

„Wildnis hat viel mit Loslassen und Vertrauen zu tun. Wie stark setze ich das bei mir selber um? Wenn man einen Garten oder ähnliches hat, muss man dort nicht immer alles jäten und bewirtschaften. Das kann vielleicht ein Quadratmeter sein – ein ganz kleiner Bereich – wo man wagt, der Natur Gestaltungsraum zu geben.“
Sebastian Moos

Unscheinbare Urbanität

Die Studie zur Wildnis der Schweiz zeigt auf, dass die lokale Bevölkerung der Wildnis eher kritisch gegenüber steht. Dieses Bild muss revidiert werden. Deshalb soll vermehrt Aufmerksamkeit für Wildnis – mag sie noch so klein und unscheinbar wirken – geschaffen werden. Die Wildnis ist nämlich nicht einfach ein grosses, unberechenbares Gebiet, sondern wir können sie auch ganz nah und unerwartet in unserem Alltag antreffen. Wer den eigenen Garten wuchern lässt, statt ihn mit Gift und Jätwerkzeug einzuschränken, schafft der Wildnis beispielsweise bereits Raum. Auch auf einem Balkon, in einem Blumentopf oder auf einem Fensterbrett kann Wildnis zugelassen werden. Wir alle können unseren Beitrag leisten.
Städtische Grünflächen versprechen unzählige Vorteile. Sie reduzieren die Luft- und Wasserverschmutzung, binden das CO2 aus der Luft und kühlen die Städte ab. Ausserdem steigert eine Begrünung unsere Lebensqualität und unser Wohlbefinden.

Quellen und weitere Informationen:
National Geographic: Urbane Wildnis
Mountain Wilderness: Wildnis Studie
Mountain Wilderness: Wildnis Strategie

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