Der Nationalpark neben den Wolkenkratzern

Vor den Toren der Millionenmetropole Toronto liegt der Rouge National Park Vor den Toren der Millionenmetropole Toronto liegt der Rouge National Park

Wer an die viertgrösste Stadt Nordamerikas denkt, wird an eine geschäftige Innenstadt und weniger an einen Nationalpark denken.

Nicht weit von der Hochhäusern und Torontos Innenstadt liegt der erste urbane Nationalpark von Kanada. Der Rouge National Park schmiegt sich an den gleichnamigen Rouge River. Die Landschaft beinhaltet historische Farmen, Jahrhunderte alte Bäume, grüne Wiesen und üppige Feuchtgebiete. Und das alles nur eine kurze Autofahrt vom Stadtzentrum entfernt. Mit einer Fläche von 62,9 km² ist der Rouge Park doppelt so gross wie die Stadtfläche von Luzern. Der Park wurde im Mai 2015 offiziell zum National Park, nachdem er 1985 als Regionalpark gegründet wurde.
Er bietet den 20% der Einwohner Kanadas, die im Grossraum Toronto leben, ein Stückchen Wildnis vor ihrer Haustüre. Die Parkbehörde bietet Learn-to-Camp Kurse und geführte Touren an, um die Grossstädter fit für ihr Camping- und Outdoor-Abenteuer zu machen. Mit verschiedenen Umweltorganisationen werden Aufforstungen von Wäldern und Renaturierungen von Feuchtgebieten durchgeführt. Mit dem Zoo Toronto gibt es einen Auswilderungsversuch von Schildkröten.

Flora und Fauna

Im Rouge National Urban Park leben 1.700 Arten, darunter mehr als 1.000 Pflanzenarten, 247 Vogel-, 73 Fisch-, 44 Säugetier- sowie 27 Reptilien- und Amphibienarten. Davon sind 27 Arten gefährdet oder bedroht, viele haben nur ein lokales Vorkommen. Die hohe Artenvielfalt erklärt sich durch die vielen Unterschiede in Bezug auf Topografie, Mikroklima, Bodentyp und Landnutzung. Die wichtigsten Lebensräume sind Flüsse, Feuchtgebiete, Wald und Wiesen. Es lassen sich Weisswedelhirsche, Rotfüchse, Waschbären und hin und wieder Coyoten beobachten. Seltener lässt sich der Schwarzbär blicken. Der Rouge Park ist für Vogelbeobachter ein Paradies: Der Weisskopfseeadler und andere Greifvögel sind nur einige der über 200 Arten, die man vor das Fernglas bekommt. Unter den bedrohten Arten befindet sich der prominente Monarch Falter, der den weiten Flug nach Mexiko antritt, um dort zu überwintern.

Auswilderung von Schildkröten

Auch die Blanding Schildkröte, eine von 5 lokal vorkommenden Schildkröten, ist gefährdet und wird seit 2014 im Zusammenarbeit mit dem Zoo Toronto aktiv geschützt. Seit Beginn des Projekts wurden schon über 200 Tiere in den Rouge Park ausgewildert. Die Aufzucht erfolgte über zwei Jahre im Zoo Torontos. So sind die Reptilien während ihrer verwundbarsten Entwicklungsstadien in Sicherheit. Um die bestmöglichen Bedingungen für die Auswilderung zu schaffen, werden Nist- und Auswilderungsplätze der Blanding Schildkröte vor der Öffentlichkeit geheim gehalten. Der Park kümmert sich des Weiteren um eine laufende Wiederherstellung ihrer Lebensräume, eine kontinuierliche Aufzucht und eine Langzeitüberwachung der Population im Park. Die Schildkröten bekommen so die besten Überlebenschancen im Nationalpark geboten.

Der Carolinian Forest

Der Park liegt am nördlichen Rand des Carolinian Forest, einem Waldökosystem, das sich von Detroit bis Toronto erstreckt. Einige Wälder im Park sind Teil der seltenen karolinischen Lebenszone, die in Kanada nur im Süden Ontarios existiert. Diese Wälder umfassen Baumarten wie den Schwarzen Ahorn, die amerikanische Weiß-Eiche und andere Laubbäume. Die grössten verbliebenen Waldflächen im Grossraum Toronto sind Teil des Rouge Parks. Durch Aufforstungsprogramme, unter anderem mit Schulen, wird das Waldgebiet im Park wiederhergestellt, das durch Rodungen minimiert wurde. 65.000 einheimische Bäume und Sträucher wurden schon gepflanzt.

Schutz der Landwirtschaft

Der Rouge National Park schützt nicht nur die Natur, sondern auch die Landwirtschaft. Im südlichen Ontario liegen die fruchtbarsten und ergiebigsten Felder Kanadas. Durch die zunehmende Urbanisierung ging ein Grossteil des Ackerlands im Grossraum Toronto verloren. Jetzt findet man hier die letzten verbliebenen Farmen der Gegend. Obwohl die Landwirtschaft kein traditioneller Bestandteil der Nationalparks in Kanada ist, macht es dennoch Sinn, die Agrarflächen zu schützen: So kann lokal, frisch und saisonal produziert werden, anstatt die Lebensmittel von weit her zu importieren.

Der Urban National Park zeigt, wie gut man Artenschutz, Landwirtschaft und die Bedürfnisse des Menschen vereinbaren kann. Er kann Vorbild für andere urbane Gebiete sein, Schutzgebiete in deren unmittelbarer Nähe auszuweisen. Die Nationalparkbehörde Parks Canada hat in Zusammenarbeit mit Umweltverbänden, Landwirten, indigenen Völkern und anderen Interessengemeinschaften einen Rückzugsort für Mensch und Natur geschaffen. So können ökologische Vorteile erzielt, das kulturelle und landwirtschaftliche Erbe des Parks bewahrt und Jung und Alt für die Natur begeistert werden.

 

 

 

Quellen und weitere Informationen:
Die Blanding Schildkröte
Parks Canada: Richtiger Umgang mit Wildtieren
Der Carolinian Forest

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