Kleiner Glücksbringer mit grossem Hunger

Gelber Asiatischer Marienkäfer (Harmonia axyridis) Gelber Asiatischer Marienkäfer (Harmonia axyridis)

In den 80er-Jahren zur biologischen Schädlingsbekämpfung importiert, sind die Asiatischen Marienkäfer heute in Amerika und Europa zu einer Plage geworden.

Die Marienkäfer haben einen guten Ruf als Glücksbringer. Doch momentan empfinden sie viele Menschen als regelrechte Plage. Denn in vielen Orten der Schweiz findet derzeit eine Masseninvasion der Asiatischen Marienkäfer statt.

Profil: Wer ist der Asiatische Marienkäfer?

In der Wissenschaft unter der Bezeichnung Harmonia axyridis bekannt, wird der Asiatische Marienkäfer aufgrund seiner uneinheitlichen Färbung oft auch Vielfarbiger oder Harlekin-Marienkäfer genannt. Ihrem Namen machen die Vielfarbigen Marienkäfer alle Ehre: Harmonia axyridis zeigen sich am häufigsten mit oranger bis dunkelroter Grundfärbung, darauf bis zu 19 schwarze Punkte. Jedoch können sie auch gänzlich ohne Punkte vorkommen. Umgekehrt können die Punkte auch so gross werden, dass sie teils miteinander verschmelzen. Zuletzt gibt es die sogenannte melanistische Form mit schwarzen Flügeldecken, darauf zwei oder vier grosse orangene oder rote Punkte. Das wichtigste Erkennungsmerkmal ist die M-förmige Zeichnung auf dem Kopfschild.
Ursprünglich stammt das Insekt aus Japan und China, gelangte jedoch in den 80er-Jahren zur biologischen Schädlingsbekämpfung in die Gewächshäuser von Amerika und Europa. Denn in punkto Hunger schlägt er einheimische Arten um das Vielfache. Während der einheimische Siebenpunkt-Marienkäfer rund 50 Blattläuse am Tag verzehrt, bringt es Harmonia auf bis zu 270 Läuse pro Tag. Dies Tag für Tag während seines gesamten Lebens, das im Normalfall ein bis drei Monate dauert. Im Extremfall können die Käfer jedoch bis zu drei Jahre alt werden.
Auch in der Nachwuchszeugung schlägt der Asiatische Marienkäfer einheimische Arten. Während der Siebenpunkt einmal im Jahr Nachwuchs zeugt, gibt es bei Harmonia mindestens zwei neue Generationen, je nach Witterung und Nahrungsangebot auch drei bis vier. Somit ist der Asiatische Marienkäfer ein Wundertier, mit dessen Hilfe die Gärtnereien viele Pestizide einsparen.

Bedrohung für einheimische Marienkäfer

Der Asiatische Marienkäfer ist jedoch aus den Gewächshäusern entkommen. 1988 tauchten erste Tiere in den USA im Freiland auf, zur Jahrtausendwende auch in Europa. Erstmals wurde er 2001 in Belgien im Freien gesichtet. Seit 2002 kommt er in Massen in Deutschland vor, zwei Jahre später hat er sich auch in Österreich, Frankreich und der Schweiz flächendeckend niedergelassen.

Aufgrund seines grossen Appetites verdrängt Harmonia zunehmend einheimische Marienkäferarten. Sein Appetit und seine Vermehrungsrate machen ihn besonders konkurrenzfähig. Wenn die Nahrung knapp wird, stellt er auf andere Beute um. Dabei macht er weder vor den Eiern und Raupen von Schmetterlingen und Gallmücken, noch vor den Eiern und Larven anderer Marienkäfer halt. Laborversuche zeigten, dass Harmonia-Larven die Larven von heimischen Sieben- oder Zweipunkt-Marienkäfer fast immer besiegen und auffressen.
Forscher aus Jena haben einen weiteren Grund gefunden, warum der Harlekin so viel konkurrenzfähiger ist als die einheimischen Arten; eine Art „Biowaffe“. Im Blut des Asiatischen Marienkäfers finden sich Microsporidien, zu den Pilzen zählende Einzeller, die die Körperzellen eines Wirtes befallen und ihm langfristig schaden. Mit den gefährlichen Einzellern können sich einheimische Marienkäferarten infizieren, wenn sie Eier und Larven der Harmonia fressen. Harmonia selber ist dagegen immun. In den USA ist Harmonia bereits vielerorts der häufigste Marienkäfer. Dabei gingen die Zahlen alteingesessener Arten teils stark zurück. Die Freisetzung des asiatischen Marienkäfers ist in der Schweiz verboten.

Folgen für die Landwirtschaft

Während Harmonia im Obstbau noch gern gesehene Gäste sind, ist dies im Rebbau nicht der Fall. Im Gegensatz zu heimischen Arten frisst die asiatische Variante auch Trauben. Dabei verkriechen sie sich gerne in die Früchte. Durch das Pressen der Trauben kommen die Insekten unter Stress und setzen in einer „Reflexblutung“ die bittere und übelriechende Verteidigungssubstanz Alkylmethoxypyrazin frei. Gelangen die Tiere in grösserer Zahl in die Maische, kann der Weingeschmack leiden. Ein Käfer kann ein Kilogramm Weintrauben ungeniessbar machen.

Hauseindringling

Im Herbst können die Tiere zur Plage werden, wenn sie Unterschlupf für den Winter suchen. Im Oktober und November machen sich die Harmonia in grossen Schwärmen auf die Suche nach einem Winterquartier und können so in riesigen Kolonien in Wohnhäusern auftreten. Oftmals trifft man sie so an Haus- und Garagenwänden an. Sie richten aber keinen Schaden an den Häusern an, sondern verfallen in eine Winterstarre. Zwar können die Insekten beissen, das ist für Menschen jedoch kaum spürbar und nicht gefährlich.

Gegen solche ungewünschten Eindringlinge helfen Fliegengitter und die frühzeitige Reparatur von Beschädigungen an Putz, Fenstern, und Türen. Falls die Insekten bereits eingedrungen sind, kann man sie mit Besen und Schaufel aufsammeln und nach draussen bringen.

 
 

Quellen und weitere Informationen: 
Umweltberatung Luzern: Asiatischer Marienkäfer
Reynolds (2013): Immunity and invasive success
Info Fauna CSCF: Ausbreitung des Asiatischen Marienkäfers in der Schweiz

  
  
  

   
 
 
 

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