Pestizidrückstände auch auf Bio-Feldern nachgewiesen

Pflanzenschutzmittel bleiben länger in den Böden als bisher angenommen Pflanzenschutzmittel bleiben länger in den Böden als bisher angenommen

Agroscope analysierte in einer umfassenden Studie die Schweizer Landwirtschaftsböden auf Rückstände von Pflanzenschutzmitteln. Dabei wurden Stoffe nachgewiesen, die in der Schweiz bereits verboten sind — auch auf Bio-Feldern.

Pflanzenschutzmittel sind aus der Landwirtschaft nicht mehr wegzudenken: In der Schweiz werden jährlich bis zu 2’000 Tonnen an Pestiziden, Fungiziden und Herbiziden ausgebracht. Sie enthalten Wirkstoffe, die Pflanzen vor schädlichen Organismen und Krankheiten schützen und unerwünschtes „Unkraut“ vernichten. So helfen sie, Ertragsverluste in landwirtschaftlichen Kulturen zu minimieren. Doch sie können auch schädliche Nebenwirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt haben.
Agroscope, das schweizerische Kompetenzzentrum für Landwirtschaft, publizierte Anfang Februar eine grossangelegte Studie, in der Rückstände von Pestiziden in Schweizer Böden analysiert wurden. Demnach sind Reste von Pflanzenschutzmitteln weit verbreitet. Gesetzlich definierte Grenzwerte für Rückstände in Böden existieren, anders als etwa beim Trinkwasser, nicht.


Verbotene Pestizide in Bio-Böden

Die Forschenden fanden Pestizid-Rückstände in allen 100 Acker- und Gemüsebaufeldern, die sie untersuchten — auch in den 40 Bio-Feldern. Selbst in Böden, die bereits seit über 20 Jahren ausschliesslich biologisch bewirtschaftet werden, wurden Rückstände von bis zu 16 der 46 nachverfolgten Wirkstoffe nachgewiesen. Die Forschenden haben zwei Erklärungen dafür: Entweder stammen sie von benachbarten Feldern und wurden durch Wind oder Wasser eingetragen. Oder sie stammen aus der Zeit, in der die Felder noch mit Pflanzenschutzmitteln behandelt wurden.
Für die zweite Erklärung spricht die Erkenntnis, dass auch Rückstände von Pflanzenschutzmitteln gefunden wurden, die in der Schweiz heute gar nicht mehr verwendet werden dürfen, wie etwa Atrazin (seit 2012 verboten), Linuron (seit 2018 verboten) und Chlorpyrifos (seit 2020 verboten). Pflanzenschutzmittelrückstände sind so teilweise deutlich länger im Boden nachweisbar, als von den Herstellern in Zulassungsstudien angegeben.


Auswirkungen von Pflanzenschutzmitteln
Neben den erwünschten Auswirkungen auf unerwünschte Pflanzen oder Schädlinge haben Pflanzenschutzmittel erhebliche Umweltauswirkungen. Sie werden im Boden gespeichert, in der Nahrungskette angereichert oder ins Grundwasser ausgewaschen und stören so das ökologische Gleichgewicht in verschiedenen Ökosystemen. Insektizide, oft auch Fungizide und Herbizide, töten nicht nur schädliche, sondern auch nützliche Lebewesen wie Bienen, Regenwürmer und Pilze. Werden sie grossflächig gespritzt, haben sie sogar tödliche Folgen für grössere Tiere (z.B. Vögel) und schwer krankheitserregende Auswirkungen auf den Menschen. Für die Zulassung bzw. das Verbot von Pflanzenschutzmitteln ist das Bundesamt für Landwirtschaft zuständig. Zudem sind Grenzwerte zum Schutz der Konsumenten festgelegt. Zahlreiche medizinische Fachgesellschaften aus verschiedenen Ländern kritisieren jedoch, dass die aktuellen Grenzwerte unzureichend sind und deutlich stärkere Regulationsbemühungen nötig seien.


Langfristige Auswirkungen für das Bodenökosystem

Die Konzentration der gefundenen Rückstände in den Böden war meist gering. Trotzdem wirken sie sich negativ auf nützliche Bodenmikroben aus, beispielsweise auf Mykorrhiza-Pilze, die eine Symbiose mit anderen Pflanzen eingehen und ihnen dabei helfen, wichtige Nährstoffe aufzunehmen. Je mehr Pestizidrückstände die Forscher fanden, desto weniger Mykorrhiza-Pilze waren im Boden. Das kann als starker Hinweis gelten, dass die Anwendung von Pflanzenschutzmitteln schädliche Auswirkungen auf das Bodenökosystem haben, die über das hinausgehen, was ihnen bislang in diesem Zusammenhang nachgewiesen wurde.

 

Quellen und weitere Informationen:
Riedo et al. (2021): Widespread Occurrence of Pesticides in Organically Managed Agricultural Soils
AGROSCOPE (04.02.2021): Medienmitteilung
2xJA

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Kommentare (2) anzeigenausblenden 

+1 #Uwe Scheibler2021-04-07 09:30
"Pflanzenschutzmittel sind aus der Landwirtschaft nicht mehr wegzudenken".
Dieser unglückliche erste Satz wird glücklicherweise durch den Zusammenhang mit dem Folgetext relatviert.
Genau das Gegenteil ist nämlich vonnöten: Wir müssen endlich eine Landnutzung ohne synthetische Pestizide denken und dann auch realisieren!
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0 #Beat Thalmann2021-04-09 12:37
Dem schliesse ich mich an.

Ein sehr guter Bericht. Danke.

Zur Zeit bin ich mit meinem 'Garten' in einen vpn der Umwelt abgeschottenen Ort, um absolut ohne Gift (auch kein Bio-Gift) meine Nutzpflanzen zu züchten.
An meinem Projekt bin ich seit gut einem Jahr und ich freue mich auf die Ernten.
Es funktioniert nicht alles, aber vieles.
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