Biodiversitätsabkommen – mehr Schein als Sein?

28 Sep 2012

Die Erhaltung der biologischen Vielfalt zählt zu den wichtigsten Verpflichtungen moderner Gesellschaften. Trotz eines grundsätzlich vorhandenen Bewusstseins dafür sind viele Pflanzen und Tiere vom Aussterben bedroht - darunter gerade auch solche, die als nutz- oder wertlos gelten.

Die 1993 in Kraft getretene Biodiversitätskonvention verpflichtet ihre 193 Vertragspartner aus insgesamt 168 Staaten zur Identifizierung und Überwachung der biologische Vielfalt (Gene, Arten, Ökosysteme) sowie zu deren Schutz bzw. bestmöglichen Aufrechterhaltung. Hinzu kommen Bestimmungen über den Technologietransfer, die wissenschaftliche Zusammenarbeit, den freien Informationsaustausch sowie die Öffentlichkeitsarbeit. Mit der begrifflichen Bestimmung und Unterzeichnung des Abkommens hat sich auch das Bewusstsein dafür geschärft, dass mit dem enormen Wachstum menschlicher Gesellschaften und Industrien nicht nur dramatische klimatische, sondern auch ökologische Veränderungen einhergehen. Die Bestände zahlreicher Arten in der Tier- und Pflanzenwelt sind vielerorts bereits massiv zurückgegangen, andere Arten sind schon gänzlich verschwunden, also unwiderruflich ausgestorben.

Das Biodiversitätsabkommen ist international ein grosser Erfolg, aber an der Umsetzung mangelt es immer noch stark. Viele Staaten – auch die Schweiz! – haben bis heute noch keine nationale Biodiversitätsstrategie vorgelegt. Abgesehen davon nützen wortreiche Bekenntnisse und umfangreiche Dokumente wenig, wenn nicht entsprechend gehandelt wird.

Auf den kritischen Zustand der Artenvielfalt macht nun eine von über 8‘000 Forschern im Auftrag der Weltnaturschutzunion (IUCN) zusammengestellte Liste aufmerksam, die die 100 am stärksten bedrohten Arten der Erde umfasst. "Alle hier gelisteten Arten sind einzigartig und unersetzlich, wenn sie verschwinden, kann kein Geld der Welt sie zurückholen", warnt etwa Ellen Butcher von der Zoological Society of London (ZSL), eine Co-Autorin des Berichts. Auf der Liste befinden sich etwa das Tarzanchamäleon, das Zwergfaultier, die Baishan-Tanne oder der Zagros-Molch. Auch verschiedene Vögel und Fische sind dabei.

Die meisten Tiere sind aufgrund menschlicher Handlungen in Gefahr geraten, z.B. durch Waldrodung, Trockenlegung von Feuchtgebieten oder Flussaufstauungen. Laut den Forschern besteht für die aufgelisteten Tiere noch die Chance, diese vor dem Aussterben zu retten, wenn sofort gehandelt wird. Das erfordert jedoch ein Umdenken und die Einsicht, dass auch vermeintlich unnütze Arten ein Existenzrecht haben und eine Funktion in den verschiedenartigen Ökosystemen wahrnehmen. Auch dürften viele Tiere aussterben, bevor sie jemals entdeckt worden sind und auf der Liste aufgeführt werden könnten.

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