Papperlapapp: Kaffee bechern bis der Müll platzt

In Deutschland landen stündlich 320.000 Kaffeebecher im Müll. In Deutschland landen stündlich 320.000 Kaffeebecher im Müll.

Sie gelten als cool und stehen für die moderne Verpflegung: Coffee-to-go-Becher aus Karton für den Kaffeekonsum unterwegs. Sie sind praktisch, denn man kann kurz vor Abfahrt des Zuges noch schnell einen Kaffee holen, wenn man zu Hause keine Zeit mehr hatte, ihn zuzubereiten. Sie sind schnell entsorgt: Ist der Becher einmal ausgeschlürft, stopft man ihn in den Abfallkübel; man braucht ihn im Gegensatz zu einer Thermoskanne nicht den ganzen Tag mit sich herumtragen. Dass die Kaffeebecher praktisch sind, ist genauso unbestritten, wie die Müllberge, die durch sie verursacht werden; ganz zu schweigen von ihrer Herstellung.

Eine Becherschlange Basel-Wien

Jeder Schweizer konsumiert täglich im Durchschnitt rund 22 Gramm Kaffeebohnen (Zahlen: International Coffee Organization), das sind etwa drei Kaffeetassen. Die Wirtschaftswoche  schreibt, dass die Deutschen etwa 40 Prozent ihres Kaffees ausser Haus trinken, für die Schweiz werden die Zahlen ähnlich sein. Nehmen wir an, 8‘211‘681 Einwohnerinnen und Einwohner (Stand: 16. Dezember 2014, Bundesamt für Statistik) konsumierten jeden Tag eine Tasse in Form eines Coffee-to-go, so würden in der Schweiz täglich über 8 Millionen Becher und Deckel weggeworfen! Das ist ein riesiger Abfallberg: Würden wir alle verbrauchten Becher aneinander hängen, so würde der tägliche Abfallberg für eine Becherschlange von Basel bis Wien reichen (rund 820 Kilometer). Weltweit verbraucht allein die Kaffeehaus-Kette Starbucks 2,3 Milliarden Kaffeebecher jährlich, wie der Businessinsider schreibt!

„Die damit verbundene Umweltbelastung durch die Herstellung und Entsorgung findet bisher kaum Beachtung.“
Dirk Peterson, Umweltexperte

Eine Studie bestätigt zwar, dass Becher aus Recyclingkarton die geringsten Umweltauswirkungen von allen Einwegbechern haben, dennoch schneiden Mehrwegbecher bis zwanzig Mal besser ab. Aus Frischfasern hergestellte Kartonbecher haben doppelt so hohe Umweltauswirkungen wie die rezyklierte Version. Vor allem die Herstellung fällt ins Gewicht: Um täglich rund 8 Millionen Becher aus Frischfasern herzustellen, werden rund 67 Tonnen Papier verarbeitet, das entspricht 670 Bäumen, schreibt der WWF. Dirk Peterson, Umweltexperte der Deutschen Verbraucherzentrale, sagt gegenüber proplanta.de: „Die damit verbundene Umweltbelastung durch die Herstellung und Entsorgung findet bisher kaum Beachtung.“ 110 Gramm CO2 verursache die Produktion eines einzigen Bechers; dieselbe Menge, wie sie bei einem Kilometer Fahrt mit einem besonders sparsamen Auto wie einem Smart entsteht.

Die Entsorgung hat nur einen geringen Anteil an den Umweltauswirkungen. Ist der Becher erst einmal leer getrunken, wird er nur allzu oft liegen gelassen und stört dann in Form von Littering im Zug, auf öffentlichen Plätzen und in der Natur. Der damit verbundene finanzielle und personelle Aufwand ist nicht zu unterschätzen. Rezyklierbar sind die Kartonbecher leider nicht, da sie innen mit Polyethylen beschichtet sind; sonst würde der Kaffee die Pappe langsam auflösen.

Jedem Kaffee seinen Warmhaltebecher

Es gibt Alternativen: Zahlreiche Geschäfte bieten wiederverwendbare Warmhaltebecher an, einige geben sogar Rabatt, wenn man den Kaffee in seinen eigenen Becher abfüllen lässt. Das Gefäss, aus dem man den Kaffee trinkt, ist nicht das Einzige, worüber man sich Gedanken machen sollte; der Inhalt ist mindestens genauso wichtig. Wer einen Kaffee zum Mitnehmen kauft, weiss selten, welcher Kaffee in den Becher rinnt. Kaufen Sie Ihren Kaffee mit Fairtrade- und Bio-Label und brühen Sie ihn bereits zuhause. Mit dem Kauf von zertifiziertem Kaffee unterstützen sie die Kaffeebauern und die Artenvielfalt im Anbaugebiet. Wenn Sie den Kaffee mit ihrem Warmhaltebecher oder einer Thermoskanne mit auf den Weg nehmen, verbessern Sie Ihre Ökobilanz zusätzlich; der selbstgemachte Kaffee schmeckt zudem oft besser als der Massen-Kaffee, den man aus dem Becher schlürft.

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