Die letzte Hürde war der Eisbrecher
Schon im Mai dieses Jahres gab das Bureau of Ocean Energy Management BOEM des US-Innenministeriums seine Erlaubnis. Seither musste Shell noch weitere Genehmigungen einholen. Die letzte Instanz war nun das Bureau of Safety and Environmental Enforcement BSEE, welches seine Genehmigung an rigorose Sicherheitsvorkehrungen knüpfte.
Die USA übernehmen dieses Jahr den Vorsitz im Arctic Council. Zu ihren Prioritäten gehören die Verbesserungen der Ökonomie und der Lebenssituation für die Arktisbewohner sowie der Klimawandel...“ WWF Global
Die Tschuktschensee (Chukchi Sea) liegt auf dem 70. nördlichen Breitengrad. Sie liegt südlich des nördlichen Eismeers und ist über die Beringstrasse mit der Beringsee verbunden. Die Tschuktschensee ist durchschnittlich nur 77 Meter tief und für Schiffe nur von Juli bis Oktober befahrbar. Das Wetter dort gilt als extrem. Die Wellen können über 10 Meter hoch sein. Die Bohrstelle ist zirka 100 km vom Festland Alaskas entfernt, die nächste US-Küstenwache liegt tausend Kilometer entfernt. Weil die niederländisch-britische Shell eine Ölpest selbstständig verhindern können müsste, braucht sie einen funktionstüchtigen Eisbrecher. Greenpeace berichtete am 30. Juli darüber, dass sie den Eisbrecher Fennica am Auslaufen aus Portland (Oregon) gehindert hätten.
Die einzige Firma die in der Arktis bohrt
Der französische Energiekonzern Total hat sich bereits 2012 aus der Arktis zurückgezogen, mit der Begründung, dass ein Zwischenfall vor Grönland das Image zu stark schädigen würde. Die Energiegiganten Rosneft (RU) und ExxonMobil (US, Texas) haben noch im August 2014 mit Kremlchef Putins Startschuss in der Karasee die Ölplattform ‘West Alpha‘ für Probebohrungen eingeweiht. Was damals noch als Beginn einer langfristigen Zusammenarbeit mit grossen Perspektiven galt, ist mittlerweile den westlichen Sanktionen gegen Russland im Zusammenhang mit der Ukraine-Krise zum Opfer gefallen.
Shell ist somit der letzte Konzern der noch an den Bohrungen in der Arktis festhält. Die vermuteten 22 % aller noch unentdeckten Erdöl- und Gasreserven scheinen trotz der weltweiten Welle der Empörung einfach zu verlockend zu sein. Vielleicht liegt es auch daran, dass Shell gemäss inoffiziellen Schätzungen in den letzten 40 Jahren schon sieben Milliarden Dollar in die Arktis-Erschliessung gesteckt hat.
Unkalkulierbare Folgen
Die Region um die Tschutschukensee machte zuletzt naturwissenschaftliche Schlagzeilen, als man 2012 die grösste ozeanische Algenblüte der Welt mass. Konträr zu der bisherigen Meinung fand man solche Algen auch unter mehreren Metern intakten Eises.
Die Empörung von Naturschützern ob der Pläne von Shell ist gross. Die Erfahrung zeigt, dass ausgelaufenes Erdöl in kalten Gewässern deutlich schlechter abgebaut wird als in warmen. Wegen des Klimawandels ist der Druck auf die Fauna und Flora der Polarregionen ohnehin schon gross; es ist nicht kalkulierbar, welche Ausmasse eine Ölkatastrophe an diesem Ort annehmen würde. Ganz abgesehen vom Unterwasserlärm und den Umweltbelastungen, die der reguläre Betrieb einer Ölbohrplattform mit sich bringt.
Weitere Informationen:
Film gegen die Beteiligung von Shell bei Lego
SRF Artikel: Shell in der Arktis allein auf weiter Flur
WWF Panda Artikel Risk to the Arctic 23.7.15 (english)
Kommentare (0) anzeigenausblenden