Anhaltender Aufwand mit altem Abfall

Altlastensanierung des Schiessplatzes Oberfeld in Ostermundigen (BE) im 2010. Mittlerweile stehen dort Wohnungen. Ein Teil des Grundstücks wurde von der Wohnbaugenossenschaft Oberfeld autofrei konzipiert. Altlastensanierung des Schiessplatzes Oberfeld in Ostermundigen (BE) im 2010. Mittlerweile stehen dort Wohnungen. Ein Teil des Grundstücks wurde von der Wohnbaugenossenschaft Oberfeld autofrei konzipiert.

Dank der Altlastenabgabe kann der Bund jährlich 40 Millionen Franken für die Aufarbeitung von Altlasten zur Verfügung stellen. Alle 38‘000 Areale sind mittlerweile im Kataster der Altlastenstandorte erfasst, insgesamt 4000 davon müssen saniert werden.

Von diesen 4‘000 sind 800 bereits saniert. Alle diejenigen die eine akute Gefahr – beispielsweise für das Grundwasser – darstellen, müssen bis 2017 saniert sein. Spätestens 2025 soll auf den letzten Grundstücken mit der Arbeit begonnen werden. Insgesamt rechnet der Bund im nächsten Vierteljahrhundert mit Kosten von gegen fünf Milliarden Franken. Zwei davon werden von der Allgemeinheit bezahlt werden müssen, insbesondere dann, wenn die Verursacher nicht mehr eruierbar oder zahlungsunfähig sind, beziehungsweise wenn eine Deponie vorwiegend zur Lagerung von Siedlungsabfällen genutzt wurde. Die Abgeltungen werden an die Kantone ausbezahlt und betragen 40 Prozent der anrechenbaren Sanierungskosten.

Die grosse Mehrheit der sanierungsbedürftigen Standorte (84 %) wird mit weniger als einer Million Franken zu Buche schlagen. Bei 12 % werden die Kosten auf 1-10 Mio. SFr. geschätzt, bei 3 % auf 10-50 Mio. SFr. und nur gut 1 % – also zirka 40 Standorte – werden je über 50 Millionen Franken kosten.

Problembewältigung

Die meisten Standorte, die saniert werden müssen, dekontaminiert man, indem man sie aushebt und den Inhalt korrekt entsorgt. Bei einem Fünftel wird der Abfall an Ort und Stelle gesichert, beziehungsweise speziell behandelt.

Die Kontamination des Bodens ist ein Problem. Für den Mensch noch unmittelbar gefährlicher werden die Substanzen vor allem dann, wenn sie mit dem Sickerwasser ausgewaschen werden und so in Oberflächengewässer oder sogar ins Grundwasser gelangen können. Das dritte Problem sind die gefährlichen Gase, die auf Deponien entstehen können.

Geschichte – Wie es so weit kommen konnte

Wie heute noch in vielen Ländern, wurde auch in der Schweiz die Gefahr des sorglosen Umgangs mit Abfällen massiv unterschätzt. Die Entsorgung sollte möglichst billig sein, also füllte man alte Kiesgruben oder aktuelle Baugruben damit (39 % der belasteten Standorte). Auf vielen Fabrikgeländen standen Fässer mit giftigen Produktionsrückständen. Waren die Fässer undicht, versickerte das Gefahrengut im Boden (49 %). Manchmal geschahen auch Unfälle (1 %), deren Folgen man damals schlicht nicht zu beheben wusste. Zudem ist der Boden bei Schiessanlagen meist sehr stark mit Blei belastet (11 %).

Da Länder wie Deutschland, die Niederlande und die USA schon langjährige Erfahrungen mit der Beseitigung von Altlasten hatten, konnte die Schweiz sich ihre Verordnung daraus ableiten. Sie funktioniert reibungsfrei und verteilt die Kosten schweizweit verursachergerecht. Durch die VASA werden die Kantone und Gemeinden massiv entlastet.

Zusatzinformationen
USG = Umweltschutzgesetz
AltlV = Altlastenverordnung
VASA = Verordnung über die Abgabe zur Sanierung von Altlasten. Seit 1998 regelt sie die Deponie aller Abfälle. Ausser auf Inertstoffdeponien mit unverschmutztem Aushub wird auf jeden Deponietyp eine Gebühr erhoben.
    Die Deponietypen:
    Inertstoffdeponien 3.- / t
        gesteinsähnliche, schadstoffarme Abfälle
    Reststoffdeponie 17.- / t
        schwermetallreiche, nicht ausgasende, wasserunlösliche Materialien
    Reaktordeponie 15.- / t,
        Materialien, die chemisch oder biologisch reagieren können
    Ausländische Untertagedeponie 22.-/t.
        nicht näher definierter Sondermüll
Die Altlastenabgabe beträgt max. 20 Prozent der durchschnittlichen Ablagerungskosten

In der Schweiz war das Problem lange Zeit nicht so aktuell, da wir schon seit jeher die meisten Siedlungsabfälle verbrennen. Zudem haben wir keinen Bergbau, keine Kriegsaltlasten, kaum Schwerindustrie sowie kaum grosse Industriekomplexe.

Objektiv gesehen sind die Belastungen von Industriebrachen meist kein wesentliches Hindernis beim Neubau von Wohnhäusern. Viele Investoren weichen aber aus Kostengründen auf die schlechter erschlossenen ‘grünen Wiesen‘ aus. Um die begrenzt verfügbare Ressource Boden zu schonen, unterstützen das Bundesamt für Raumentwicklung ARE und das BAFU deshalb auch die Revitalisierung von Industriebrachen.

Die gesetzlichen Vorschriften zum Umgang mit Abfällen sind heute so streng, dass man künftig kaum mehr neue Altlasten zu befürchten hat. Seit 2000 dürfen Siedlungsabfälle nicht mehr unbehandelt abgelagert werden. Gefährliche Abfälle dürfen gar nicht mehr abgelagert werden.

Weitere Informationen:
BAFU
BAFU: Vollzugshilfe Überwachung von belasteten Standorten

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