Vernachlässigt - eine bodenlose Frechheit

Dungkäfer legen ihre Eier in Dunghaufen. Die Larven sorgen anschliessend für das Recycling. Dungkäfer legen ihre Eier in Dunghaufen. Die Larven sorgen anschliessend für das Recycling.

Gemessen an seiner Bedeutung bekommt der Boden – als eines der grossen Umweltthemen neben Artenvielfalt, Meer und Klima – vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit. Selbst im UNO-Jahr des Bodens findet er kaum Beachtung. Dabei wirkt sich gesunder Boden auch günstig auf das Klima aus. Am 5.12. ist Weltbodentag 2015…

Gigantischer Lebensraum bedroht

Bedroht sind die Böden durch Versiegelung (zwei Hektaren werden weltweit pro Minute überbaut), Abholzung, schädliche landwirtschaftliche Praktiken (Verdichtung, Überdüngung…), Verschmutzung und Überweidung. Sind sie erstmal bar, degradiert oder gar erodiert, dauert es unter Umständen Jahrtausende, bis sie sich erholen.

In der Erdsäule unter einem Quadratmeter Boden leben zirka eine Million Kleinstlebewesen; alleine in den ersten dreissig Zentimetern bis zu 400‘000. Milben, Springschwänze, Asseln, ‘Würmer‘, Bakterien, Pilze und Algen bilden gigantische ‘foodwebs‘ (‘Nahrungsnetze‘, komplexere Interpretation der ‘Nahrungskette‘). Je intensiver ein Boden genutzt wird, beziehungsweise je mehr er verschmutzt wird, desto mehr Akteure des Nahrungsnetzes sterben weg. Je nachdem, welcher Teil der Vielfalt verloren geht, kann die eine oder andere Ökosystemleistung ins Wanken kommen.

Bis anhin wurden landwirtschaftliche Böden, die aus dem Gleichgewicht waren, mit Düngern und Pestiziden traktiert. Mehr und mehr wird der Menschheit jedoch bewusst, dass es sinnvoller ist, die natürliche Artenvielfalt zu fördern, um die gewünschte Bodenqualität (wieder) zu erlangen – Stichwort ‘Bio‘. Auch aus der Altlastenproblematik hat die Schweiz im Inland viel gelernt.

Ultimativer Puffer

Der Boden hat eine grosse ‘Selbstheilungskraft‘. Wurde er durch den Menschen zu sehr verdichtet oder verschmutzt, kann der Mensch die Selbstheilung beschleunigen. Die Extensivierung (weniger intensive Ausübung) der Landwirtschaft beugt der Verdichtung vor. Mit mikrobiellen Verfahren können problematische Stoffe manchmal in unschädliche umgewandelt werden. Manche Verschmutzungen kann man auch auspumpen oder absaugen. Funktionieren diese Methoden nicht, muss der Boden abgetragen und deponiert, oder vor Ort baulich gesichert werden.

Da es sehr lange dauert, bis (neuer) gesunder Boden entsteht, nennt man ihn auch eine ‘nicht-erneuerbare‘ Ressource. Er wird für die Produktion von Essen, Futter, Kleidern, Obdach (Schutz) und Energie ge- oder sogar verbraucht.

Böden speichern und filtern grosse Mengen an Wasser, sie sind Puffer, welche Nährstoffe effizient recyceln und grosse Mengen des Klimagases CO2 speichern. Ausserdem beherbergen sie einen Viertel der Artenvielfalt unseres Planeten. Diese kostenlosen Dienstleistungen des Bodens nennt man Ökosystemleistungen.

Probleme im In- und Ausland

Eine weitere Problematik insbesondere auch in der Schweiz ist die steigende Bevölkerungszahl und damit der Flächenverbrauch für Wohnungen und Infrastrukturen wie Strassen. Jeder zusätzlich betonierte Quadratmeter bedeutet auf Grund der Versiegelung des Bodens einen Verlust an Puffer, Hochwasserschutz, Humus, Recycling-Lebewesen und CO2-Speicher.

Da sich die Schweiz nur zu 60 % selbst mit Nahrungsmitteln versorgen kann und keine Bodenschätze aufweist, muss sehr viel importiert werden. Bis anhin sind Schweizer Firmen nicht zum Einhalten der Schweizer Gesetze im Ausland gezwungen. Es sollte aber natürlich nicht sein, dass Rohstofffirmen und andere Milliardenunternehmen für ein Taschengeld die Bodenschätze der Entwicklungsländer ausbeuten dürfen und im Gegenzug katastrophal verschmutzte Böden sowie Mondlandschaften hinterlassen.

Weitere Informationen:
UNO Jahr des Bodens (Schweiz)
NFP 68 Boden
NFP 68 PDF mit Grafiken zu Horizonten und Kreisläufen
Quelle Ökosystemleistungen

Bildergalerie

  • Click to enlarge image 15_12_02_DSC07841_Lolo.jpg Viele Pilze gehören zu den Destruenten, die Nährstoffe aus totem organischem Material wieder verfügbar machen. (Foto: Yolanda Stocker)
  • Click to enlarge image 15_12_02_Vier Seen 109_Lolo.jpg Boden kann sehr viel Wasser speichern: Pro Quadratmeter bis zu 200 Litern. Bläulinge laben sich am kühlen nass. (Foto: Yolanda Stocker)

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