Die Welt ist voller Lösungen

Der Film “Tomorrow“ macht Hoffnung, was die Zukunft der Menschheit betrifft. Der Film “Tomorrow“ macht Hoffnung, was die Zukunft der Menschheit betrifft.

Die Welt wird nicht untergehen – zumindest vorerst nicht. Es braucht nur ein paar Veränderungen, um die Spezies Mensch zu retten. Ein Film über eine mögliche Wende.

Auslöser für diesen Film war ein Bericht im Nature vom Juni 2012. Die Aussicht, dass die Welt 2050 geprägt sein würde von Wasser-, Nahrungsmittel- und Ölknappheit, veranlasste die beiden Filmemacher Mélanie Laurent und Cyril Dion sich auf die Suche nach zukunftsfähigen Projekten zu machen. In fünf Kapitel eingeteilt zeigen sie uns in “Tomorrow“ Ansätze auf der ganzen Welt, welche Mut machen.

Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist der Grundstein unserer Gesellschaft – eines der ältesten Gewerbe der Menschen. Die Nahrungsmittelproduktion ist zu grossen Teilen in den Händen von Kleinbauern, sie produzieren über 70 % der weltweiten Nahrungsmittel. Die Förderung dieser kleineren landwirtschaftlichen Betriebe ist der Schlüssel zur Welternährung. Ein Ansatz, welcher im Film verfolgt wird, ist die urban agriculture. Das Kultivieren im städtischen Raum wurde beispielsweise in Detroit aus der Not geboren. Der totale Zusammenbruch der Stadt folgte nach dem Niedergang der Automobilbranche, mit ihr zogen auch die Supermärkte in rentablere Vororte – zurück blieben Menschen ohne adäquate Nahrungsmittelversorgung. Auf brachliegenden Flächen in der Stadt wird nun Gemüse gezogen. Die urbane Landwirtschaft schafft Nahrung, Arbeit, aber auch soziale Interaktion. Auch die Gemeinschaft “Incredible Edible“ bringt eine gewisse Nahrungsmittelsouveränität zurück. Überall auf freien Stadtflächen in Todmorden (UK) werden Gemüse und Kräuter angepflanzt.

“We didn’t start with ‘shall we save the planet?’,

‘cause that was too grand, we just start with where we are.”

Pamela Warhurst – Mitbegründerin von Incredible Edible

Als weiteres Puzzleteil für eine optimierte Nahrungsmittelproduktion wird die Permakultur vorgestellt. Durch das engere Pflanzen, die Mischkulturen und die Zwischennutzungen seien Erträge möglich, die (laut Film) ein Vielfaches über den Erträgen der Industrielandwirtschaft lägen.

Energie

Städte sind die neuen Staaten. Wo Länder zurückschrecken, grosse Veränderungen vorzunehmen, oder zu schwerfällig agieren, sollen in Zukunft Städte als Vorreiter dienen. Kopenhagen hat sich zum Ziel gesetzt, bis 2025 klimaneutral zu funktionieren. Dazu gehört auch die Umrüstung auf Biostrom. Um die Energienutzung einzudämmen soll der Langsamverkehr weiter ausgebaut werden.

Ein spannender Ansatz lässt sich auch auf La Réunion, der vorgelagerten Insel von Madagaskar, finden: Gewächshäuser werden zur Hälfte mit Solarzellen abgedeckt. Die Solarfirma finanziert den Bauern die Gewächshäuser, wenn sie dafür den produzierten Strom nutzen dürfen. Eine Win-Win-Situation.

Auch die konsequente Rückführung der Ressourcen, wie sie am Beispiel des Projekts Zero Waste von San Francisco (siehe Artikel: Zero Waste City – eine Stadt ohne Müll) zu sehen sind, müssen zum globalen Standard werden.

Ökonomie

Die Politik wird von Konzernen beeinflusst, Firmen sind somit auch Verantwortungsträger. Wie diese Verantwortung übernommen werden kann, zeigt die Papierwarenfabrik Pocheco in Frankreich. Gewinne werden nicht an Aktionäre ausgeschüttet, sondern investiert, um alle Schritte in der Firma produktiv zu machen. Die Firma funktioniert in Ressourcenkreisläufen: Das Reinigungswasser der Maschinen enthält keine Chemie und kann anschliessend als Tränkwasser für die Bambussträucher dienen, welche verfeuert werden, um Energie zu produzieren.

Die Wirtschaft sei ähnlich der Natur und dürfe nicht zur Monokultur verkommen. Totnes, ein Dorf im südwestlichen Zipfel von England, hat eine Parallelwährung geschaffen, welche das lokale Gewerbe fördern soll. Die lokale Produktion verringert Transportwege und fördert die lokale Gemeinschaft. Auch die WIR-Bank in der Schweiz wird als Komplementärwährung vorgestellt.

Demokratie

Die Demokratie verkommt zur Oligarchie. Die Bürger müssen sich wieder das Mitspracherecht sichern. So geschehen in Island. Der Staatsbankrott brachte die Isländer dazu, gegen die damals amtierende Regierung aufzubegehren. Nachfolgend wurde eine Verfassung durch ausgeloste, nicht gewählte Personen neu definiert. Die Isländer Bevölkerung konnte Vorschläge via soziale Medien oder brieflich einreichen. Die Mitbestimmung jedes Einzelnen wurde gefördert.

Ein ähnliches Bild zeigt sich in einem Dorf in der Nähe von Chennai (Indien). Die Partizipation der Dorfbewohner in einem Rat erhöht die Akzeptanz der Entscheidungen und die Motivation zur Umsetzung. Entgegen aller Erwartungen konnten die Unberührbaren (unterste Kaste) besser in die Gesellschaft integriert werden.

Bildung

Und zu guter Letzt die Bildung. Denn durch sie erfahren wir die Werte, die wir leben und weitergeben. Als Beispiel folgt hier Finnland. Finnland schloss in den vergangenen PISA-Tests ausgesprochen gut ab. Zentral sind dabei aber nicht nur naturwissenschaftliche Fächer, sondern auch musische, bildnerische oder gestalterische Schulstunden. Trotz einer schmalen Bürokratie und insgesamt weniger Schulstunden als beispielsweise Frankreich, schliessen die Finnländer erfolgreicher ab. Verschiedene Lehrmethoden und keine starre Strukturen sollen die Lernbereitschaft der Kinder fördern. Und nebst all dem Schulischen, möchte man den Kindern vor allem auch noch Toleranz, Anteilnahme und Liebe mitgeben.

Und was bleibt?

Der Film zeigt keine neuen Wunderlösungen, die meisten Ansätze sind bereits bekannt. Propagiert wird vor allem die lokale, kleinräumliche Produktion und Konsumation sowie die Partizipation der Bevölkerung. Der Film macht Mut hinsichtlich all der pessimistischen Weltszenarien. Der Mensch ist brillant darin, seinen Untergang filmisch zu inszenieren (Zombieapokalypse, Alieninvasion, Katastrophen); Filme über den erfolgreichen Fortbestand unserer Spezies hingegen sind eher rar, wie dies Rob Hopkins in “Tomorrow“ anmerkt. “Tomorrow“ ist ein sympathischer, berührender Film mit wunderbaren Bildern, der den Nerv der Zeit trifft. Wer das Kino nun mit der Sicherheit verlässt, dass unsere Welt gerettet ist, sollte jedoch bedenken, dass diese Projekte weitergetragen und gelebt werden müssen. Um eine Wende zu erzielen, müssen sie über die heutigen Dimensionen herauswachsen.

Was nach dem Film bleibt, ist die Hoffnung, dass die Menschheit den “Rank“ findet auf nachhaltigere Produktion und Verbrauch umzustellen. Dazu sind wir alle gefragt – denn das Morgen kommt schneller als uns lieb ist.

 

Weiterführende Informationen/Quellen:
Tomorrow - der Film
Incredible Edible
Transistion Network
Pocheco

 

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