Wie die Stadt den Abfall los wird

Unterflursystem zur Abfalltrennung in einem Stadtquartier Unterflursystem zur Abfalltrennung in einem Stadtquartier

Wo viele Menschen leben, fällt viel Abfall an – eine Binsenwahrheit, aber eine gewichtige. Die Müllbeseitigung braucht ein durchdachtes Management.

Das Konsumverhalten der Bevölkerung hat einen grossen Einfluss auf die Abfallmenge. Wirtschaftswachstum geht bekanntlich mit steigendem Konsum einher. Mehr Konsum bedeutet aber auch mehr Kehricht. Neue Trends mit neuen Produkten, neue Produktgenerationen, die den Konsumenten schmackhaft gemacht werden, führen zu unnötigen Abfällen; zumal schon bei der Verpackung mehr auf Design geachtet wird als auf geringen Materialverbrauch aus umweltfreundlichen Grundstoffen. Zu den Abfällen von Privaten kommt Müll von Gewerbe- und Industriebetrieben und nicht zuletzt vom Dienstleistungssektor (Restaurants, Läden) dazu. In der Stadt häuft sich der Müll aber nicht nur durch die höhere Bevölkerungsdichte. Insbesondere das Littering wird durch die Anonymität in öffentlichen Räumen begünstigt. Take Aways beispielsweise verursachen Unmengen von Abfall in Form von Verpackungen, Plastik und Nahrungsmittelresten, die oft nicht sachgerecht entsorgt werden.

Wohin mit dem ganzen Abfall?

Heutzutage wird Privathaushalten einiges abverlangt punkto Trennung von anfallendem Abfall: Papier, Pet, Glas, Batterien, Grüngut. In Schweizer Städten sind Sammelstellen in den meisten Quartieren zu finden. Dies sind zunehmend Unterflursysteme. Als solche sind sie gut kaschiert und fallen nicht unnötig auf. Zudem werden Lärm und Gerüche auf ein Minimum reduziert. Und wie konsequent wird in Haushalten getrennt? Bei einer vom BAFU durchgeführten Erhebung der Kehrichtzusammensetzung 2012 wurden in 33 Untersuchungsgemeinden Kehrichtsäcke aussortiert. Auffallendstes Ergebnis: über 30% waren biogene, das heisst grundsätzlich für die Kompostierung oder die Vergärung geeignete Abfälle. Dazu gehören auch Lebensmittel-Abfälle, die durchaus noch geniessbar wären.

Im Gegensatz zu den Privathaushalten sind Industrie und Gewerbe rechtlich verpflichtet, die Abfälle soweit wie möglich nach Stoffgruppen zu trennen. Wiederverwertbare Materialien sind geeigneten Anlagen zuzuführen. Dasselbe gilt auch für den Bausektor.

Im öffentlichen Raum gibt es viele Möglichkeiten, den kleinen Abfall von unterwegs sachgerecht wegzuwerfen. Beispielsweise in grösseren Bahnhöfen kann nach Papier, Pet, Alu und Abfall getrennt entsorgt werden. Take Away Ketten setzen (nicht ganz freiwillig) Angestellte ein, die in der näheren Umgebung den Müll ihrer Verpackungen und Wegwerfbehälter einsammeln.

Das Abführen des gesammelten Mülls ist für eine Stadt eine logistische Herausforderung. Mit den gesonderten Abfuhren (Gebührensäcke, Papier, Karton, Grünabfuhr) muss darauf geachtet werden, den Stadtverkehr nicht übermässig zu strapazieren.

Es geht auch anders

Abfälle richtig entsorgen ist gut, Abfall vermeiden wäre besser. Es gibt bereits einige Möglichkeiten, den Abfall zu verringern oder zu vermeiden:
Unverpackt-Läden, Repaircafés, Secondhand-Kleiderläden und Velobörsen erfreuen sich einer immer grösseren Beliebtheit. Vermeidung von Food Waste gestaltet sich etwas schwieriger. Hier ist vor allem jeder Einzelne gefragt, seine Einkaufs- und Essgewohnheiten zu hinterfragen. Initiativen gibt es aber auch hier. Die öffentlichen Kühlschränke beispielsweise lassen sich - vorab in Städten - schon länger finden.

Perspektiven für die Zukunft

Die Gruppe C40 Cities, ein Netzwerk von Weltstädten, das sich aktiv für den Klimaschutz einsetzt, ist überzeugt, dass der Abfall in den Städten einer der grössten Emittenten von Umweltschadstoffen ist; insbesondere das Methan von Müllhalden.

„Die nachhaltige und lebenswerte Stadt der Zukunft ist auch eine Stadt, die sich dem Null-Abfall nähert.“

Kopenhagens Oberbürgermeister Frank Jensen

Im August 2018 verpflichteten sich über 20 Weltstädte in einer Deklaration, sich für eine Null-Abfall-Zukunft einzusetzen. Dies soll unter anderem erreicht werden durch die Vermeidung von Lebensmittelabfällen, besseres Abfallmanagement und die Verbesserung der Reparierbarkeit und Recyclingfähigkeit von Gütern. Weiter sollen auch Einwegverpackungen vermieden und nicht recycelbare Kunststoffe durch umweltschonendere Materialien ersetzt werden. In der Schweiz fordert das Bundesamt für Umwelt BAFU die Entkoppelung von Konsum und Abfallaufkommen, sowie bessere Strategien für Abfallvermeidung und die Stärkung der Kreislaufwirtschaft.

Der wichtigste Punkt: Das Abfallproblem geht uns alle an. Eine ständige Sensibilisierung und Information der Bevölkerung ist unabdingbar. 

Quellen und weitere Informationen:
Foodwaste.ch: Was ist Food Waste
BAFU: Erhebung der Kehrichtzusammensetzung 2012
Webpräsenz der C40 Cities

 

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