Holz ist der am häufigsten verwendete Naturbaustoff in der Schweiz. Dennoch ist das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft. Holz ist der am häufigsten verwendete Naturbaustoff in der Schweiz. Dennoch ist das Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft.

Nachhaltiges Bauen ist ein aufkommender Trend, fast so wie verantwortungsvoller Konsum oder erneuerbare Energien. Doch was bedeutet «nachhaltiges» Bauen?

Weltweit werden rund 45% der gesamten Energie für die Erstellung und den Betrieb von Gebäuden benötigt. Auch beim Materialverbrauch fallen etwa 40% dem Bau zu. Während bei der konventionellen Gebäudeplanung die Kosten und die Zeit im Vordergrund stehen, so wird beim nachhaltigen Bauen der Fokus auf die Minimierung des Energie- und Materialverbrauchs gelegt. Gesundheitliche, baubiologische und ökologische Faktoren werden miteinbezogen. Es wird dabei nicht nur beim Bau eines Gebäudes auf die ökosoziale Bilanz geachtet, sondern auch über dessen Nutzungsdauer und Rückbau. In die Energiebilanz fliesst der gesamte Nutzungskreislauf des verbauten Produktes ein; die Baustofferzeugung, der Transport sowie die spätere Entsorgung.

Mit dem Begriff «nachhaltiges Bauen» fällt oftmals auch das Wort «Naturbaustoff». Als Naturbaustoffe gelten Materialien, die den Anforderungen der Baubiologie - der möglichst gesunden Beziehung zwischen dem Menschen und seiner gebauten Umwelt - genügen. Für solche biologischen Baustoffe finden sich zum einen biogene Baustoffe wie Holz, Schafwolle, Flachs, Hanf, Roggen, Schilf, Seegras oder Stroh. Daneben gibt es aber auch abiogene Baustoffe aus der unbelebten Natur wie zum Beispiel Lehmbaustoffe, Perlite Gesteine oder Bimssteine.
Durch nachhaltiges Bauen und die häufigere Verwendung von solchen Naturbaustoffen konnten in den letzten Jahren bereits grosse Fortschritte in der Gebäudekonstruktion verzeichnet werden. Beispielsweise reduzierte sich der Wärmebedarf eines Wohnhauses für Heizung und Warmwasser zwischen 1975 und 2015 um rund 75%. Gründe dafür waren optimale Baustoffe und Isolationen.

Wer sagt denn, wann ein Gebäude nachhaltig ist?

Seit 2013, als der Bundesrat die Strategie für die Nachhaltige Entwicklung in der Schweiz lancierte, gibt es den SNBS (Standard Nachhaltiges Bauen Schweiz). Der SNBS bewertet Bauwerke anhand von 44 Kriterien auf ihre Nachhaltigkeit. Sie decken nicht nur Themen der Umwelt, sondern auch der Gesellschaft und der Wirtschaft ab. Die Ressourcenverfügbarkeit, die graue Energie und die Verwertbarkeit von Gebäuden spielen genauso eine Rolle wie die Erschliessung von regionalen Wertschöpfungsketten, Flora und Fauna sowie soziale Themen. Nur mit dieser breiten Betrachtungsweise ist es möglich, die Nachhaltigkeit eines Gebäudes wirklichkeitsnah zu erfassen. Einzelne Kriterien können sich dabei auch widersprechen. Dicke Gebäudehüllen bedeuten beispielsweise einen grösseren Materialverbrauch und erhöhen den Anteil der grauen Energie. Die Gebäude sind dafür besser isoliert und vermindern den Heizbedarf.

Bauen, aber womit?

In der Schweiz wird immer noch oft auf anorganische Bauprodukte anstelle der Naturbaustoffe zurückgegriffen. Eines der häufigsten ist der Backstein. Knapp die Hälfte aller Ein- und Mehrfamilienhäuser in der Schweiz werden damit gebaut. Auch Beton ist ein beliebter Stoff für den Häuserbau. Diese beiden mineralischen Stoffe haben in Sache Nachhaltigkeit ein grosses Verbesserungspotenzial: Sowohl für das Brennen von Backsteinen als auch für die Herstellung von Beton wird viel graue Energie beansprucht in Form von fossilen Brennstoffen. Alternativen gäbe es einige, jedoch sind diese vielen Bauherren und Architektinnen noch unbekannt oder geniessen kaum Akzeptanz.

Recycling Beton: Um den ökologischen Fussabdruck zu senken und den Materialkreislauf zu schliessen, wird immer mehr auf die Wiederverwendung von Rückbaumaterialien gesetzt. Vor allem beim Beton ist dies gut möglich. Das Recyclen des Baustoffes erweist sich als gut machbar und resultiert in einer hervorragenden Qualität. Der Marktanteil von Recyclingbeton ist jedoch immer noch sehr gering, da es zum einen erst wenige Aufbereitungsfirmen in der Schweiz gibt und zum anderen das recycelte Material vor allem im Tiefbau Verwendung findet, weshalb sich die Herstellung oftmals nicht lohnt.

Holz: Einer der am häufigsten verwendeten Naturbaustoffe ist das Holz. Als nachwachsender, einheimischer Rohstoff mit einer optimalen Ökobilanz ist es das nachhaltige Baumaterial schlechthin. Ausserdem hat Holz viele Vorteile, welche nicht in der Ökobilanzierung aufscheinen: Wird das Produkt aus dem Inland gewonnen, wird dadurch die regionale Wertschöpfung gestärkt. Holz aus einer nachhaltigen Waldwirtschaft leistet einen wichtigen Beitrag zu Biodiversität, zur Luftreinhaltung, zum Schutz vor Naturgefahren und zur Bildung von Arbeitsplätzen.
Jedoch werden vom jährlichen Potenzial der Schweizer Wälder nur etwa zwei Drittel genutzt. Der Marktanteil von Neubauten, welche eine Tragekonstruktion aus Holz besitzen, lag während der letzten zehn Jahre bei nur knapp 7%.

Lehm: Mit Lehm wird bereits seit Jahrtausenden auf der ganzen Welt gebaut. Beispielsweise die Chinesische Mauer besteht zu einem grossen Teil aus Lehm. Da der Baustoff lokal hergestellt werden kann und positive Auswirkungen auf das Raumklima mit sich bringt, wird es auch in der Schweiz wieder beliebter. Vor allem für gut isolierte Bauten wie Minergiehäuser sind Lehmmauern durch ihre feuchtigkeitsregulierenden und wärmespeichernden Eigenschaften ideal.
Ein Lehmhaus benötigt zur Herstellung nur rund 1/20 der Energie eines konventionell gebauten Hauses. Ausserdem eignet sich das Material für Reparaturen und Renovationen optimal und öffnet sich dank der einfachen Handhabung der kreativen Gestaltung. Zudem nehmen Lehmwände Gerüche auf und bieten einen guten Schallschutz.

Stroh: Auch beim Stroh ist die lokale Verfügbarkeit ein grosser Vorteil. Ausserdem liegt der Wert an grauer Energie extrem tief – sogar um einiges niedriger als beim Holz. In Form von isolierenden Ballen, aber auch als gepresste Platten kann Stroh vielfältig zum Hausbau verwendet werden. Es kann ausserdem gut in Kombination mit Holz und Lehm verbaut werden und ist zudem recht preisgünstig.
Leider ist es bisher als Baustoff kaum bekannt– aber wer weiss, vielleicht ist es ja das Bauelement unserer Zukunft?

 

Quellen und weitere Informationen:
H. Adensam et al: Stroh kompakt
Bafu: Nachhaltiges Bauen
Eth: Nachhaltiges Bauen

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