Tag des Artenschutzes II – Das qualvolle Leben der chinesischen „Gallenbären“

05 Mär 2013

Für den illegalen Handel mit Produkten von geschützten Wildtieren wird nicht nur brutal getötet, sondern auch in höchstem Masse gequält und gefoltert. Besonders China ist für grausame traditionelle Praktiken bekannt, mit denen seltene Tierarten ausgebeutet und geschlachtet werden.

Der asiatische Schwarzbär, auch Kragen- oder Mondbär genannt, wird vom Washingtoner Abkommen CITES (Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora), welches am 3. März seinen 40. Geburtstag feierte, als besonders gefährdet eingestuft. Die Tiere, die seit über 3'000 Jahren für ihr Fell, ihr Fleisch und ihre Gallenflüssigkeit gejagt werden, stehen heute offiziell unter Schutz. Jedoch werden sie weiterhin eingefangen und in engen Käfigen eingesperrt, wo sie oft ihr ganzes Leben lang vor sich hin vegetieren. Mit den Käfigen sind nicht etwa diejenigen von Zoos oder Zirkussen gemeint, sondern von sogenannten Bärenfarmen, wo den Tieren täglich Gallenflüssigkeit entzogen wird. Die begehrte Substanz gilt nach einem alten chinesischen Volksglauben als wundersames Heil- und Potenzmittel.

Für die Bären ist die Prozedur äusserst schmerzhaft. Mittels Kathetern wird den Tieren der Saft bei lebendigem Leib und ohne Betäubung direkt aus der Gallenblase abgezapft – und dies ein- bis zweimal pro Tag. Sie leben in kleinen Gitterkäfigen, in denen sie sich weder drehen noch aufstehen können, sind unterernährt, leiden an chronischen Entzündungen, verbeissen sich aus Schmerz und Verzweiflung in den Gitterstäben und kratzen sich wund. Die einzige Erlösung aus diesem monotonen, qualvollen Leben ist der Tod, der aber meist 10 oder sogar 20 Jahre auf sich warten lässt.

Die größte Bedrohung der Bären in China und Südostasien ist der kommerzielle Handel mit Bären und Bärenteilen, besonders der Gallenblase.

IUCN (International Union for Conservation of Nature)

 

Obwohl heute über fünfzig synthetische oder pflanzliche Alternativen für das Heilmittelchen bekannt sind, erfreut sich die Originalsubstanz der Bären im chinesischen Volk weiterhin grosser Beliebtheit, besonders in den oberen Schichten. Die Farmen bringen den Züchtern grosse Gewinne ein, denn gemäss der Asian Animal Foundation (AAF) erzielt ein Kilogramm Bärengalle auf dem Schwarzmarkt einen Wert von umgerechnet rund 350 Euro. Momentan sollen mindestens 7‘000 Kragenbären in diesen Gefängnissen gefoltert werden. Die Dunkelziffer könnte jedoch weit höher sein. Jill Robinson und ihre Organisation AAF setzen sich seit Jahren für die Befreiung der Tiere ein. Dadurch ist das Thema mittlerweile populär geworden, der Widerstand im Volk grösser. Die chinesische Regierung hat sogar ein Abkommen unterzeichnet, welches den Handel einschränken und die Entstehung neuer Farmen verhindern soll. Rund 40 Farmen konnten seither geschlossen und einige hundert Bären gerettet werden. Den ehemaligen Züchtern, die sich so ihr Leben verdient hatten, wird Unterstützung geboten, wenn sie sich beruflich umorientieren wollen. Dennoch sind die Erfolge bisher bescheiden und der zunehmende Wohlstand im Land lässt die Nachfrage in den oberen und mittleren Einkommensklassen steigen.

Neben den Bären werden auch die weltweit stark vom Aussterben bedrohten Tiger illegal gejagt. Sie landen als Spezialität auf dem Teller und ihre Knochen werden zu einem medizinischen Pulver verarbeitet, das ebenfalls potenzsteigernd wirken soll. Die Nachfrage nach Elfenbein und dem Horn von Nashörnern ist aus ähnlichen Gründen kaum zu bremsen (siehe Umweltnetzbeitrag „Tag des Artenschutzes – eine traurige Bilanz“, 01.03.13). Schildkröten, Schlangen und viele Exoten gelten seit jeher als kulinarische Spezialität, wobei besonders die seltenen und gefährdeten Tiere gefragt sind, was deren Lage erheblich erschwert (Bedrohte Tiere in China). Zudem besagt ein Volksglaube, dass Tiere, die vor dem Verzehr ausserordentlich gequält worden sind, besonders gut schmecken, da ihr Körper dadurch viel Adrenalin produziert hat.

Vom 3. – 14. März tagen die 177 Unterzeichnerstaaten des Washingtoner Artenschutzabkommens in Bangkok und beraten darüber, welche Tiere und Pflanzen mit Handlungsverboten oder -einschränkungen besser geschützt werden müssen. Die Konferenz findet seit der Gründung von CITES im Jahr 1977 alle drei Jahre statt. Ein erster wichtiger Schwerpunkt an der Zusammenkunft ist die Elefanten- und Nashornjagd, bzw. der Handel, bei dem unter anderem Thailand und China eine wichtige Rolle spielen.

Weiterführende Links
Offizielle Seite der Asian Animal Foundation (En).
Artikel über die Aktivitäten von AAF (De).
Geo.de: „China: Die Qual der Galle-Bären“ .
Spiegel Online „Chinas Appetit auf seltene Tiere“.
Artenschutz-Konferenz CITES, offizielle Homepage (En).

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