Japan schlachtet 1000 Wale – zu „Forschungszwecken“

10 Dez 2013

Die japanische Walfangflotte macht sich erneut auf in Richtung Antarktis. Bis Ende März sollen etwa 1‘000 Zwergwale und 50 Finnwale getötet werden - zu „wissenschaftlichen“ Zwecken, wie die Japaner angeben.

 Ein Moratorium der Internationalen Walfangkommission (IWC) aus dem Jahr 1978 verbietet den kommerziellen Walfang generell. Japan jedoch hat ein Schlupfloch gefunden: sie harpunieren die Wale angeblich nicht aus „kommerziellen“, sondern aus „wissenschaftlichen“ Gründen. Seit Einführung des Moratoriums tötete Japan so mehr als 14‘000 Wale unter dem Deckmantel der Wissenschaft. Diese Art der Jagd ist nämlich nach Artikel VIII des Internationalen Übereinkommens zur Regelung des Walfangs erlaubt. In dem Artikel heisst es auch, dass die erlegten Tiere verarbeitet werden sollen. So landet das Walfleisch in japanischen Supermärkten. Aber interessanterweise wird Wal in Japan kaum noch gegessen. So türmt sich das Fleisch in Kühlhallen. Jedes Jahr werden hunderte Tonnen zu Tierfutter verarbeitet. Der Versuch, Kindergärten-Mensen mit Walfleisch zu beliefern, scheiterte am Protest der lokalen Bevölkerung, denn Walfleisch ist gerade für Kinder extrem gesundheitsschädlich. Pro Wildlife und OceanCare haben Schadstoffe wie PCB, Quecksilber und DDT-Rückstände im Fleisch der Wale nachgewiesen.

Australien und Neuseeland haben am Internationalen Gerichtshofs in Den Haag Klage eingereicht, denn eigentlich ist das Töten von Meeressäugern im Südlichen Ozean schon seit 1994 verboten. Nach Ansicht der Kläger betreibt Japan kommerziellen Walfang und verletzt damit internationales Recht. Die Anhörungen fanden im Juni und Juli dieses Jahres statt. Wann der Gerichtshof sein Urteil verkünden wird, ist noch nicht bekannt. Die Anhörungen beschäftigten sich in erster Linie mit der Frage, wie die japanischen Walfänger die Anzahl der Walkadaver berechnen, die sie für ihre angeblich wissenschaftlichen Zwecke benötigen und warum diese plötzlich verdoppelt wurde.

„Dieser Prozess wird ein für alle Mal feststellen, dass der japanische Walfang nicht wissenschaftlichen Zwecken dient, sondern gegen internationales Recht verstößt.“
Mark Dreyfus, Justizminister Australien

Japan gibt einerseits vor, das antarktische Ökosystem zu beobachten, zeitliche und räumliche Veränderungen der Walbestände zu erheben und zukünftige Managementziele zu entwickeln, andererseits soll die Tierart und speziell deren Anatomie untersucht werden – nur wo sind die entsprechenden wissenschaftlichen Publikationen? Sie müssten angesichts der jahrelangen Praxis Bibliotheken füllen! Ein echtes Forschungsprogramm hätte ausserdem fixe Daten sowohl für Beginn und Ende des Programms. Japan jedoch beabsichtigt, das „Forschungsprojekt“ fortzusetzen, bis das Moratorium, das den kommerziellen Walfang verbietet, ausläuft…oder bis die Wale ganz von der Erde verschwunden sind.
Die Organisation Sea Sheperd berichtet, dass Japan die aus wissenschaftlichen Gründen „nötige“ Anzahl Tiere nicht belegen konnte. Die Fangquoten würden ausserdem erhöht, um die unsinnige Reise zu finanzieren und mehr staatliche Fördergelder zu erhalten. Die Kosten für alternde Schiffe und steigende Ölpreise müssen gedeckt werden. Die Erlöse für das Walfleisch sinken ausserdem ständig. Die Jagd auf die Wale rentiert für Japan nicht, es geht nur noch um Nationalstolz und die Angst, das Gesicht zu verlieren.

In der vergangenen Saison kehrten die Jäger mit gerade einmal 103 Zwergwalen aus der Antarktis zurück. Als Gründe wurden schlechtes Wetter und Störungen durch "Sea Shepherd" genannt. Die Organisation interveniert erneut aktiv und hat bereits angekündigt, nicht eher aus der Arktis zurückzukehren, bis die japanische Flotte aus dem Walschutzgebiet vertrieben wurde.

Kommentar schreiben

Die Kommentare werden vor dem Aufschalten von unseren Administratoren geprüft. Es kann deshalb zu Verzögerungen kommen. Die Aufschaltung kann nach nachstehenden Kriterien auch verweigert werden:

Ehrverletzung/Beleidigung: Um einen angenehmen, sachlichen und fairen Umgang miteinander zu gewährleisten, publizieren wir keine Beiträge, die sich im Ton vergreifen. Dazu gehören die Verwendung von polemischen und beleidigenden Ausdrücken ebenso wie persönliche Angriffe auf andere Diskussionsteilnehmer.

Rassismus/Sexismus: Es ist nicht erlaubt, Inhalte zu verbreiten, die unter die Schweizerische Rassismusstrafnorm fallen und Personen aufgrund ihrer Rasse, Ethnie, Kultur oder Geschlecht herabsetzen oder zu Hass aufrufen. Diskriminierende Äusserungen werden nicht publiziert.
Verleumdung: Wir dulden keine Verleumdungen gegen einzelne Personen oder Unternehmen.

Vulgarität: Wir publizieren keine Kommentare, die Fluchwörter enthalten oder vulgär sind.

Werbung: Eigenwerbung, Reklame für kommerzielle Produkte oder politische Propaganda haben keinen Platz in Onlinekommentaren.

Logo von umweltnetz-schweiz

umweltnetz-schweiz.ch

Forum für umweltbewusste Menschen

Informationen aus den Bereichen Umwelt, Natur, Ökologie, Energie, Gesundheit und Nachhaltigkeit.

Das wirkungsvolle Umweltportal.

Redaktion

Stiftung Umweltinformation Schweiz
Eichwaldstrasse 35
6005 Luzern
Telefon 041 240 57 57
E-Mail redaktion@umweltnetz-schweiz.ch

Social Media

×

Newsletter Anmeldung

Bleiben Sie auf dem neusten Stand und melden Sie sich bei unserem Newsletter an.