Widerstand gegen das Basler Ozeanium

Bei jeder Form von Tierhaltung in Becken und Gehegen stellt sich die Sinnfrage. Bei jeder Form von Tierhaltung in Becken und Gehegen stellt sich die Sinnfrage.

Wie eine Klippe soll sich das neue Riesen-Aquarium des Zolli in der Basler Innenstadt erheben. Doch gegen das Projekt erwächst Widerstand – die Mehrheit der Bevölkerung ist gegen den Bau von Grossaquarien in der Schweiz. Meeresaquarien seien weder zeitgemäss noch nachhaltig, findet Vera Weber, Vizepräsidentin der Stiftung Fondation Franz Weber, und schlägt einen virtuellen Blick in die Ozeane vor.

Riesenaquarium für Basel?

Das Vorprojekt hat diesen Frühling für Aufsehen gesorgt: Ein Riesenaquarium soll den Zolli zu einem Zentrum der Umweltbildung machen. Die Projektverantwortlichen des Basler Zoos betonen, dass die Nachhaltigkeit bei Bau und Betrieb sichergestellt sei. Das Ozeanium werde so wenig Energie wie möglich verbrauchen. Es sei auch geplant, einen Grossteil der Tiere aus Zuchten zu besorgen. Der Zoo habe zudem bereits begonnen, in seinem Vivarium selber ein Korallenriff anzuzüchten.

Doch trotz dem Bemühen des Zolli um Akzeptanz bei einem für ökologische Nachhaltigkeit sensibilisierten Publikum und privater Finanzierung (es wird mit Kosten von rund 100 Millionen Franken gerechnet) zeichnet sich ein politisches Seilziehen ab. Eine Umfrage im Auftrag der Stiftung Fondation Franz Weber zeigt einerseits, dass die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung gegen den Bau von Grossaquarien in der Schweiz ist. Andererseits sind die Befragten der Meinung, dass das Verständnis der Menschen für den Schutz des Meeres durch den Besuch eines Aquariums gefördert werden kann.

„Korallenfische sind Wegwerfware. Wenn ein Tier stirbt, wird einfach ein neues gekauft.“
Meeresbiologin Monica Biondo

Vision Nemo – der virtuelle Blick in die Ozeane

Die Franz-Weber-Stiftung kündigte Opposition gegen das vom Basler Zoo geplante Ozeanium an. Grossaquarien seien ein Konzept des vergangenen Jahrhunderts. Mit der Zweitwohnungsinitiative konnte die Stiftung auf nationaler Ebene unlängst einen grossen Erfolg verbuchen. Nun will sie dem geplanten Meeresaquarium im wahrsten Sinne des Wortes das Wasser abgraben: Statt einem realen Ozeanium schlug die Organisation diesen Mai einen virtuellen Blick in die Ozeane vor: „Vision Nemo“. Auf riesigen dreidimensionalen Bildschirmen sollen die Besucherinnen und Besucher in die Meere eintauchen können. Im weltweit neuartigen Erlebnispark sollen „sinnliche, interaktive Reisen durch bewegte und bewegende Bild- und Klangwelten“ ermöglicht werden. Die Tierwelt, die man auf diese Weise entdecken könne, sei viel authentischer, da sich viele Fische in Aquarien nicht natürlich verhielten. Auch für die Wissenschaft könne das Projekt wertvoll sein.

Korallenfische als Wegwerfware

An der Seite der Franz-Weber-Stiftung kämpft die Meeresbiologin Monica Biondo, die das Ozeanium insbesondere der Tierhaltung wegen kritisiert. Nur einer von 50 wild gefangenen Korallenfischen überlebe das erste Jahr im Aquarium. Dies bestreiten die Projektverantwortlichen des Zolli in Bezug auf das geplante Aquarium in Basel. Der weltweite Handel von Aquarienfischen sei ein seit Jahren ungelöstes Problem. Nur gerade zwei Dutzend der über 1800 Korallenfisch-Arten, die gehandelt werden, liessen sich überhaupt nachzüchten. Die übrigen müssten immer von neuem wild nachgefangen werden. Laut Monica Biondo sind Korallenfische eine Wegwerfware: Wenn ein Tier stirbt, werde einfach ein neues gekauft, wie sie gegenüber dem Tagesanzeiger erklärte.

Besonders störend findet die Biologin, dass im „Ozeanium“ auch Haie gezeigt werden sollen, die wild im Meer gefangen werden. Auch fast alle anderen in Aquarien gehaltenen Meerestiere werden rücksichtslos ihrem natürlichen Lebensraum entrissen. Ob jedoch das Ziel der Sensibilisierung des Publikums auch mit einer interaktiven Videopräsentation erreicht werden kann, darf bezweifelt werden. Die Fondation Franz Weber schätzt die Kosten von „Vision Nemo“ auf rund 80 Millionen Franken. Es liegt aber weder ein konkretes Projekt noch ein Finanzierungsplan vor, während das Zoo-Projekt bereits weit fortgeschritten ist und ein Teil der Gelder für den Bau bereits vorhanden ist.

Bildergalerie

  • Click to enlarge image Ozeanium_DSC06195.JPG Meerestiere wie Orkas gehören ins Meer und nicht ins Aquarium. (Foto: Yolanda Stocker)
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