Strafen werden abgeschafft

Die Elefantendamen Ceyla-Himali, Farha und Druk in der Innenanlage des Kaeng Krachan Elefantenparks im Zoo Zürich Die Elefantendamen Ceyla-Himali, Farha und Druk in der Innenanlage des Kaeng Krachan Elefantenparks im Zoo Zürich

Mehr Platz für weniger Tiere. Auch Schweizer Zoos und Tierpärke investieren viel Geld in grössere, bedarfsgerechtere Anlagen, um den Besuchern die Wildtiere nachhaltiger näherzubringen. In diesen Anlagen setzen die natürlichen Instinkte der Wildtiere wieder ein. Manchmal mit ungewollten Folgen.

Neue Elefantenparks

Am 7. März hat Knies Kinderzoo in Rapperswil den Elefantenpark Himmapan eröffnet. Die Besucher stehen neu sechs Meter über der Elefantenaussenanlage auf einem Steg – im Rücken die Giraffen. Die Halle ist so konzipiert, dass die Tierpfleger nur noch durch Stahltüren mit den Elefanten in Kontakt treten. Die neue Elefantenanlage ist insgesamt 6500 Quadratmeter gross. Die alte Anlage wird nun von Geparden und Pinguinen bewohnt.

Im August dieses Jahres erfolgte ein weiterer grosser Schritt im Elefanten-Zuchtprogramm des Kinderzoos. Der siebzehnjährige Elefantenbulle 'Thisiam' aus dem Zoo Paris-Vincennes verbrachte dreissig Tage in der Zoo-Quarantäne und wurde anschliessend behutsam mit den Elefantenkühen bekannt gemacht.

Nach dem Motto ‘mehr Platz für die Grössten‘ hat der Zoo Zürich bereits im Juni 2014 – nach dreijähriger Bauzeit – seinen 11‘000 Quadratmeter grossen Kaeng Krachan Elefantenpark eingeweiht. Ein kleiner Wehrmutstropfen: Die Vegetation in der Halle ist ein Teil der Show. Damit die Elefanten sich nicht an ihr gütlich tun, muss sie mit Zuckdraht gesichert werden. Ihr Futter wird neu computergesteuert an zig verschiedenen Orten, zu unterschiedlichen Zeiten freigeschaltet. So müssen – beziehungsweise können – die Elefanten wie in der freien Natur dauernd nach Futter suchen. Unter anderem wurde auch eine grosse Heukugel aufgehängt, die die Elefanten nur mit gelenkfördernden Gymnastikübungen erreichen.

Target-Training

In modernen Elefantenanlagen treten Tiere und Pfleger nur noch durch Stahlstangen in Kontakt. Die Tiere üben jeden Tag, nach den Anweisungen der Pflegerin, einen Target-Stecken mit dem richtigen Körperteil zu berühren. Das ‘Target‘ (engl. Ziel) ist normalerweise ein Unihockey- oder Tennisball auf einem Holzstecken. Berührt der Elefant das Target richtig, erhält er eine vegetarische Leckerei.

Der Vorteil der neuen Methode ist, dass der Mensch nur noch positiv gutes Verhalten verstärkt. Will der Elefant nicht, oder macht er es falsch, hat dies keine negativen Konsequenzen für ihn. Bei direktem Kontakt – wie bis anhin – musste sich der Mensch in die Elefanten-Gruppe integrieren. Wollte er sich nicht durch allfällige Mätzchen von Halbstarken in Lebensgefahr bringen, mussten kleinste Regelverstösse der Elefanten mit strafender Gewalt unterdrückt werden. Die neue Form des Kontakts ist für beide Seiten entspannter.

Möglich ist diese neue Form des Trainings allerdings nur mit der richtigen Anlage. Oft müssen die Stahltore und Einrichtungen speziell konzipiert werden, sodass ein Elefant beispielsweise auch mal einen Fuss durch eine kleine Luke dem Tierarzt hinhalten kann. In der Anlage selber – beispielsweise zum Reinmachen – sind die Pfleger nur, wenn die Elefanten nicht drin sind.

Nachwuchs

Will man Tiere für die Erhaltungszucht halten, ist es entscheidend, dass sie sich möglichst natürlich verhalten und nicht lernen, vom Menschen abhängig zu sein. Bereits fand im Zürcher Zoo die erste Geburt eines ‘Elefäntlis‘ statt, in die sich die Pfleger nicht einmischten. Die erfolgreiche Niederkunft ist in einem Youtube-Video zu bewundern. Neben Mutter Indi sind im Video Tante Druk und Schwester Chandra zu sehen.

Erst nach Wochen hatte das Jungtier ‘Omysha‘ den ersten Kontakt mit Menschen. Es soll gänzlich von der matriarchal geleiteten Herde sozialisiert werden.

Nicht immer funktioniert die Zucht so problemlos
In einem Schweizer Tierpark verlor vor ein paar Jahren ein Leopardenweibchen sein Leben. Männchen und Weibchen hatten zuvor während des Umbaus ihrer Anlage in einem anderen Tierpark verbracht – gemeinsam. An die neue Anlage wurden sie jedoch getrennt gewöhnt. Als man die beiden Zwecks Verpaarung zum ersten Mal zusammenführen wollte, passierte nichts. Jeder blieb auf seiner Seite. Beim zweiten Anlauf stürzte das Männchen jedoch wie von der Tarantel gestochen auf die Seite des Weibchens und biss zu. Der Schädel des Weibchens wurde dabei zertrümmert. Vermutlich war die neue Anlage nun so ‘bedarfsgerecht‘, dass auch gewisse natürliche Instinkte wieder einsetzten. Das Männchen fand ein schwächeres Tier in vermeintlich ‘seinem‘ Revier vor. Da das Weibchen nicht paarungsbereit war, nahm er es als Konkurrenz wahr und ging entsprechend vor.

Bildergalerie

  • Click to enlarge image 15_11_18_Kaeng Krachan Farha_Lolo.jpg Elefantendame Farha geniesst einen Tauchgang im Schwimmbecken des Kaeng Krachan Elefantenparks (Foto: Zoo Zürich, Jean-Luc Grossmann)
  • Click to enlarge image 15_11_18_Kaeng Krachan Szenographie Konflikt_Lolo.jpg Im Zoo Zürich wird mittels Szenographien auch das Konfliktpotential zwischen Mensch und Elefant im Kaeng Krachan Nationalpark in Thailand verdeutlicht. (Foto: Zoo Zürich, Peter Bolliger)
  • Click to enlarge image 15_11_18_Kaeng Krachan Totale_Lolo.jpg Der neue Kaeng Krachan Elefantenpark ist eindrücklich. (Foto: Zoo Zürich, Jean-Luc Grossmann)
  • Click to enlarge image Joeoe_Zoo Basel 15 048.JPG Junge Schneeleoparden im Basler Zolli 2015 (Foto: Yolanda Stocker)
  • Click to enlarge image Leo DSC03517.JPG Schneeleoparden im Zoo Zürich (Foto: Yolanda Stocker)
  • Click to enlarge image Leo_DSC06467.JPG Ein Leopard im Tierpark Dählhölzli. (Foto: Yolanda Stocker)

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