Fischers Fritz fischt frische Fische – aber wie lange noch?

Die Fangmengen der FAO werden von Forschern angezweifelt – die Fänge seien weit höher als ausgewiesen. Die Fangmengen der FAO werden von Forschern angezweifelt – die Fänge seien weit höher als ausgewiesen.

Der 22. August ist Tag des Fisches. Wir fragen nach der aktuellen Fischbeständen, Fangzahlen und der Notwendigkeit von Fisch als Nahrungsmittel.

Der Fisch auf dem Tisch gilt als leichte und gesunde Kost. Gemäss World Ocean Review wurden 2011 53.1 Millionen Fische gefangen, das waren rund 4x mehr als 1950. Die reine Fischfangmenge bleibt zwar seit einigen Jahren stabil, aufgrund der immer öfters überfischten Arten muss aber auf andere Sorten ausgewichen und tiefer gefischt werden.

Überfischung

Die Überprüfung der Fischbestände gestaltet sich schwierig. Für die Datenerhebung wird einerseits auf die Fangmengen der Fischer zurückgegriffen, andererseits werden Probefänge an verschiedenen Meeresstellen durch die Wissenschaft gemacht, um den Bestand hochrechnen zu können. Die Datenlage ist je nach Nation und Fischart aber unterschiedlich. Von den 1500 weltweit kommerziell befischten Beständen existieren nur gerade für 500 Berechnungen zum Bestand. Die Zahl der überfischten Arten hat seit den 70-Jahren stetig zugenommen, während die gemässigt genutzten Fischarten derweil abnahmen. Gemäss einer Pressemitteilung der EU-Kommission werden 93 % der Fischbestände im Mittelmeerraum nicht nachhaltig befischt – in der Nord- und Ostsee sind immerhin bereits 50 % des Fischfangs aus nachhaltiger Fischerei.

“Die offensichtlichen Erfolge in den nördlichen Fischereien zeigen, dass eine nachhaltige Fischereibewirtschaftung möglich ist. […] Unsere Anstrengungen im Mittelmeerraum müssen verstärkt werden.“

Karmenu Vella, EU-Kommission


Während die offiziellen Fangzahlen von 2010 bei 76.9 Millionen Tonnen liegen (gemäss FAO), sprechen Kritiker von bis zu 109 Millionen Tonnen. Bei der FAO fehlten gemäss Studie von Pauly & Zeller (2016) der Beifang, welcher tot oder halbtot wieder ins Meer gelange, die Sportfischerei der Wirtschaftsnationen sowie der Eigenfang in Entwicklungsländer. Glaubt man dieser Studie, steht es noch um einiges schlimmer um die Bestände der Weltmeere.

Illegale Fischerei

Nebst der regulären Überfischung stellt die illegale Fischerei eine weitere Problematik dar. Zur illegalen Fischerei werden das Fischen ohne Erlaubnis in fremden Hoheitsgewässer, das nicht deklarierte sowie das unreglementierte Fischen (wandernde Fischbestände, welche nicht durch eine regionale Organisation baufsichtigt sind) verstanden. Wie viel Fisch auf dem Schwarzmarkt gehandelt wird, ist unklar. Je nach Schätzungen der Experten wird von 11-26 Millionen Tonnen ausgegangen. Dies ist insofern problematisch, da so die wahren Bestände nicht zu eruieren sind. Das Fischen in verbotenen Zonen oder zu Schonzeiten gefährdet die Fischbestände weiter. Insbesondere die westafrikanische Küste ist stark von der illegalen Fischerei betroffen. Oftmals fehlen die Gelder sowie die Fachkräfte zur Kontrolle des Hoheitsgebietes.

Problematik der Zuchtfischerei

Um die wachsende Nachfrage nach Fisch zu stillen, schossen ab den 1970er-Jahren Aquakulturen (Zuchtstationen für Fische) aus dem Boden. Während in Mitteleuropa wild gefangener Fisch bevorzugt wird, ist China der Spitzenreiter in der Aquakulturproduktion. Aquakulturen werden aber oft kritisiert: Die Überdüngung und zu grosse Populationen machen die Tiere krankheitsanfälliger. Um Krankheiten zu unterbinden, werden Antibiotika hinzugegeben. Vor allem die Shrimp-Produktion in Asien, welche die Rodung riesiger Mangrovenwälder bedeutete, sorgte für negative Aquakultur-Schlagzeilen in der Vergangenheit. Problematisch an den Aquakulturen ist auch, dass für die Fütterung der fleischfressenden Fische ebenfalls wildgefangener Fisch verwendet wird.

Im Vergleich zu landwirtschaftlicher Tätigkeit sei eine Fischzucht aber weniger problematisch (gemäss World Ocean Review). Für die Produktion von 1 kg Fisch sei weniger Futter nötig als bei der Fleischproduktion.

Speisefisch- und Konsumempfehlung

Um den Fischbestand weniger zu strapazieren bleibt vor allem eines: Weniger Fisch konsumieren. Die Organisation Fair Fish empfiehlt, 1x pro Monat Fisch zu konsumieren. Die so oft propagierten Omega-3-Fettsäuren können auch mittels Leinsamen oder Algen zu sich genommen werden.

Wer Fisch konsumiert, sollte dabei Schweizer Fisch berücksichtigen. Geniessen Sie Egli, Hecht, Karpfen, Saibling und Zander von inländischen Berufsfischern, verzichten Sie auf Aal, Alaska-Seelachs, Granatbarsch, Heilbutt, Hummer, Roten Thon und Wolfsbarsch – sie gelten im Wildfang als gefährdet (weitere Zusammenstellung, siehe Link unten).

Obwohl Labels wie MSC oder ASC gewisse Standards einhalten, ist auch hier Vorsicht geboten. Beide Labels legen keinen Wert auf Tierschutz oder soziale Standards. Bei ASC wird auch die Fütterung der Zuchtfische mit Wildfang nicht geregelt. Grundschleppnetze sind bei MSC zudem weiter erlaubt.

Klar, ein Label ist besser als kein Label. Aber die Einschränkung im Konsum ist hier zielführender. Geniessen Sie den Fisch als Festessen – einmal im Monat.

 

Weiterführende Informationen/Quellen:
World Ocean Review, illegale Fischerei
EU-Kommission, Pressemitteilung
Studie Pauly & Zeller (2016)
Fair Fish, empfohlene/gefährdete Fischarten

 

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