Bienenunglück: Pestizide töten mehr Tiere denn je

Bei ihnen fällt es praktisch niemandem auf: Neben den Honigbienen (rechts) haben auch Wildbienen (links) Vergiftungen erlitten. Bei ihnen fällt es praktisch niemandem auf: Neben den Honigbienen (rechts) haben auch Wildbienen (links) Vergiftungen erlitten.

Dieses Jahr vergifteten sich mehr Bienen als je zuvor. Bestürzte Imker mussten hilflos zusehen, wie ihre Bienen kurz vor den Fluglöchern verendeten. Die Politik soll diesem Grauen entgegenwirken.

Laut einer Pressemitteilung der apisuisse – Dachverband der Schweizerischen Bienenzüchtervereine – waren dieses Jahr die Bienenvergiftungen durch Pflanzenschutzmittel so hoch wie nie. Viele Imker mussten feststellen, dass ihre Bienen geschwächt zum Stock zurückkehrten und kurz davor verendeten. Durch Analysen von eingegangenen Verdachtsfällen konnte bereits in mehreren Fällen bestätigt werden, dass Vergiftungen durch Pflanzenschutzmitteln für den Bienentot verantwortlich waren. Für die Besitzer ist diese Erkenntnis ein schwacher Trost, denn in den meisten Fällen lässt sich kein Schuldner finden und das Elend wird dadurch ohnehin nicht gelindert.

Bienenvielfalt ist für die Landwirtschaft enorm wichtig

Zu behaupten, die Bauern pfeifen auf die Bienen, wäre wohl nicht ganz der Wahrheit entsprechend. Tatsächlich sind die summenden Helfer ja massgeblich am Ernteerfolg mitbeteiligt. In Gebieten, in denen Honigbienen starben, muss man davon ausgehen, dass auch Wildbienen vergiftet wurden. Ein Verlust der Bienenvielfalt bedeutet auch einen Rückgang der Pflanzenarten, denn jede Bienenart kann nur bestimmte Blüten bestäuben. In Millionen von Jahren haben sich die Bestäuber auf spezifische Blütenformen spezialisiert und ihre Rüssel und Grösse darauf abgestimmt. Die Honigbiene könnte man zwar als einen Generalisten bezeichnen, weil sie sehr viele Blüten bestäuben kann, trotzdem gibt es etliche kleine Blüten oder komplizierte Formen, für deren Bestäubung Spezialisten notwendig sind.

Beeindruckend und erschreckend zugleich: Der Dokumentarfilm „More Than Honey“ von Markus Imhoof ist eine Würdigung der eindrucksvollen Bestäuber, zeigt aber auch sehr zugänglich die vielschichtigen Ursachen für deren weltweiten Rückgang auf.


Der Verdacht verhärtet sich, dass die Bienen Fehlanwendungen von Pflanzenschutzmittel der Kategorie Neonikotinoiden zum Opfer fallen. Bereits geringe Mengen dieser Mittel bedeuten für die Bienen den sicheren Tod. Das Spritzen von Feldern oder Obstbäumen darf nicht zeitgleich mit der Suche der Bienen nach Nektar auf den Feldern erfolgen.

Akuter Handlungsbedarf auf Gesetzesebene

Nun bleibt zu hoffen, dass die diesjährige Bienen-Sterberate einigen die Augen öffnen wird. Der Aktionsplan Pflanzenschutzmittel, der vom Bund am 6. September 2017 veröffentlicht wurde, betrifft  auch den Schutz der Bienen. Ziel des Aktionsplans ist es, die Risiken durch den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu halbieren. Dazu sollen Pestizide mit besonderem Risikopotenzial bis 2027 um 30% gegenüber der Periode 2012-2015 reduziert werden.

Im EU-Raum wird derzeit über ein Totalverbot von Neonikotinoiden – die unter anderem für das Bienensterben verantwortlich sein dürften – diskutiert. Betroffen von dem Verbot wären die Wirkstoffe Thiamethoxam von Syngenta sowie Imidacloprid und Clothianidin von Bayer, für die es zurzeit ein Teilverbot gibt. Syngenta und Bayer wehren sich gegen dieses Vorhaben und „warnen“ vor schrumpfenden Ernteerträgen als Folge des Totalverbots. In Bern wartet man den Entscheid in Brüssel gespannt ab und nimmt bis anhin keine Stellung zu einem möglichen Totalverbot der einzelnen synthetischen Insektizide.

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