Donnerstag, 14 September 2017 16:33

Ratgeber: Sich nicht mit fremden Federn schmücken

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Gemütlicher Abstecher im See: Artgerechte Tierhaltung wird in der Daunenindustrie kleingeschrieben Ellen26, pixabay

Im Winter schmücken wir uns mit Vorliebe mit den Pelzen und Federn anderer Spezies. Das Angebot ist gross – die Herstellungspraktiken grausam. Auch andere Materialen können uns im Winter warm halten.

Der Winter kündigt sich an und da klingen im Kopf auch schon die Alarmglocken: Bin ich für die kalte Jahreszeit gerüstet? Habe ich genug warme Kleidung? Richtig kuschlig und warm sind Bettdecken, Handschuhe und Jacken, die gefüllt sind mit Daunen, das ist wohl unbestritten. Das verursachte Tierleid tritt beim Kaufentscheid jedoch oft in den Hintergrund.

Unwürdige Haltung und anschliessendes Rupfen

Unter grossem Stress und entsetzlichen Qualen werden den Gänsen im Abstand von sechs Wochen jeweils 150 Gramm Federn gerupft. All dies geschieht, während die Vögel bei Bewusstsein sind – ohne jegliches Schmerzmittel. Die Daunenindustrie ist besonders in Polen, Ungarn und China gross. Die Tiere leben dort in Massenkäfigen und in dunkle Hallen gepfercht. Mit dem Kauf von Daunen unterstützt man zudem die Stopfleberindustrie. Dieses Leid kann nur der Konsument eindämmen, indem er auf Daunen verzichtet. Eine einheitliche Deklaration für tierfreundliche Daunen gibt es bisher noch nicht – das Downpass-Siegel ist ein Anhaltspunkt. Marken wie Fjällräven oder Mountain Equipment haben firmeneigene Standards und Siegel.

Alternativen auf dem Textilmarkt

Die Daune wird dafür geliebt, dass sie leicht ist und so gut wie kein anderes Füllmaterial isoliert. Vergleichbare Alternativen auf dem Markt gibt es bis heute nur aus dem synthetischen Bereich. Synthetische Alternativen sind seit den 60er Jahren erhältlich. Sie sind um einiges kostengünstiger, pflegeleichter und lösen deutlich weniger Allergien aus. Besonders häufig wird Polyester eingesetzt. Synthetische Materiale bleiben zudem auch bei Nässe bauschig, ein weiterer Vorteil gegenüber dem tierischen Original. Synthetische Stoffe haben jedoch einen grossen Nachteil: Sie belasten unsere Gewässer, da bei jedem Waschgang und auch beim Tragen winzige Mikroplastikteile in die Natur gelangen. Eine Teillösung des Problems bietet der Guppy Friend.

Unproblematische, wärmende Naturfasern zu finden, ist heutzutage nicht ganz so einfach. Denn auch Wolle, Seide und Co. haben bekanntlich ihre Tücken. Einige Labels helfen dem Kunden, nachhaltige und tierfreundliche Herstellungsprozesse am Etikett zu erkennen. Aufgrund der steigenden Ansprüche – besonders im Outdoor-Bereich – kombiniert mit dem erhöhten ökologischen Anspruch, läuft in der Materialforschung derzeit viel. Forschern der ETH-Zürich ist es beispielsweise gelungen, Garn aus Schlachtabfällen zu produzieren. Dieses soll ähnliche Eigenschaften haben wie Merinowolle. Für Veganer und alle anderen Konsumenten, die bei ihrer Kleidung auf Tierleid verzichten möchten, ist aber auch diese "Gelatine-Wolle" noch keine konsequente Alternative.

Eine Luxusalternative sind die nordischen Eiderdaunen der Eiderente. Diese werden nach dem Verlassen der Jungtiere aus den Nestern gewonnen. Die Tiere stört dies nach heutigem Wissensstand nicht. Die Eiderdaunen sind aber aufgrund der aufwendigen Gewinnung eine Rarität und sehr teuer.

Man nehme die Bio-Textilien und schichte sie

Der Entscheid, die Federn den Vögeln zu lassen, bedeutet aber nicht, dass nun gezittert werden muss. Im Extremfall ist das Schichten von Kleidung eine simple und altbewährte Methode, sich warmzuhalten. Zudem ist sie praktisch, da der Wärmegrad abgestuft werden kann.

Weiterführende Informationen:
Peta – Federn lassen für die Daunenindustrie
Textillabels in der Schweiz - eine Übersicht
Tiere, die für Kleidung ausgebeutet werden: Problematik und Lösungen

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