Vom Land in die Stadt: So anpassungsfähig ist der Fuchs

20 Nov 2017
Das Verhalten des Stadtfuchses unterscheidet sich wesentlich von seinen ländlichen Artgenossen Das Verhalten des Stadtfuchses unterscheidet sich wesentlich von seinen ländlichen Artgenossen

Aufgerissene Abfallsäcke, umgegrabene Blumenbeete, verschwundene Gartenutensilien: Ein Fuchs treibt sich im Quartier herum. In vielen Städten sind Stadtfüchse keine Seltenheit, denn sie haben sich erfolgreich an den urbanen Lebensraum angepasst.

Die Tollwutepidemie, welche die Fuchsbestände einst erheblich dezimierte, gehört seit den achtziger Jahren der Vergangenheit an. Mittels Impfkampagnen wurde die Krankheit hierzulande ausgerottet und seither sind die Fuchspopulationen wieder stark angewachsen. Doch die Fuchsbestände erholten sich nicht nur auf dem Land: Füchse wurden auch immer häufiger in Städten beobachtet.

Weshalb ist der Fuchs in die Stadt gekommen?

Es gibt zwei mögliche Erklärungen, weshalb der Fuchs die Siedlungsgebiete als Lebensraum für sich entdeckt hat. Einerseits wird vermutet, dass Stadtfüchse abgewanderte Landfüchse sind, welche neue Territorien finden mussten, nachdem die Kapazität der ländlichen Lebensräume bereits erschöpft war.
Anderseits ist es auch denkbar, dass sich die natürlichen Lebensräume des Fuchses mit den sich ausdehnenden Siedlungsflächen zu überlappen begannen. So hat sich der Fuchs an die neuen Bedingungen gewöhnen und an die Gegenwart der Menschen anpassen müssen. Welche Theorie zutrifft, ist unklar.

Fest steht, dass es Stadtfüchse gibt, welche ihr ganzes Leben im Siedlungsraum verbringen und sich nie im Wald aufhalten. Genetische Untersuchungen zeigten, dass es sich beispielsweise bei den Stadtfüchsen in Zürich um eine unabhängige Population handelt, die von einigen wenigen Füchsen gegründet wurde und sich nicht mehr mit den Landfüchsen vermischt. Zudem unterscheidet sich das Verhalten der Stadtfüchse wesentlich von den ländlichen Nachbarn. Zum Beispiel sind Füchse, die im Siedlungsraum leben, auch vermehrt am tag aktiv.

Die Stadt als günstiger Lebensraum

Der Fuchsbestand in der Stadt Zürich wird auf etwa 1200 Füchse geschätzt. Auch in anderen Schweizer Städten leben zahlreiche Füchse. Meister Reinecke scheint sich also in der Stadt wohlzufühlen, was auf den ersten Blick erstaunlich sein mag. Doch Siedlungsgebiete sind sehr günstige Lebensräume für einen Allesfresser wie den Fuchs. Obwohl seine natürliche Ernährung eigentlich vorwiegend aus Mäusen besteht, findet er in Siedlungen ein reichhaltiges Nahrungsangebot. An Abfälle, Essensreste und Fallobst zu kommen, ist wesentlich bequemer, als Mäuse zu jagen. Ausserdem gibt es in den Städten Grünflächen mit Bäumen und Gebüschen und weitere Rückzugsmöglichkeiten, wo sich der Stadtfuchs zuhause fühlen kann. Der Fuchs findet sich also in unseren Städten sehr gut zurecht.

Mit den Stadtfüchsen zusammenleben

Manche Leute sind erstaunt, wenn sie einem Fuchs in der Stadt begegnen, andere sind eher geschockt. Genau wie der Fuchs sich an den Mensch gewöhnen muss, müssen auch wir den neuen Nachbarn zuerst kennenlernen.

Eigentlich sind Füchse völlig harmlos. Wie die meisten Wildtiere werden sie nur dann aggressiv, wenn sie bedrängt werden. Stadtfüchse verursachen auch keine erheblichen Schäden. Klar reissen sie bei der Nahrungssuche auch einmal Abfallsäcke auf, graben das Gartenbeet um oder klauen Spielzeuge für die Jungtiere aus dem Garten. Solche Aktionen mögen zwar ärgerlich sein, stellen aber kaum ernsthafte Probleme dar.

Wer trotzdem lieber keine Füchse in seinem Garten wünscht, sollte kein Futter für Haustiere ins Freie stellen, den Kompost zudecken und vor allem keine Fleisch- und Knochenreste in den Kompost werfen. Allgemein sollte das Füttern unterlassen werden, damit der Fuchs nicht seine natürliche Scheu verliert.
Falls man einen Fuchs beobachtet, welcher seine Jungen im Garten grosszieht, sollte dies dem zuständigen Wildhüter gemeldet werden. Falls nötig, kann der Wildhüter Massnahmen ergreifen. Das Umsiedeln in den Wald ist aber selten die richtige Lösung, da in der Stadt geborene Füchse nicht mit jenem Lebensraum vertraut sind und die meisten Territorien bereits besetzt sind.

Vorsicht ist allerdings geboten, um sich nicht mit Krankheiten anzustecken. Die Tollwut wurde in der Schweiz zwar ausgerottet, aber viele Füchse tragen einen weiteren Krankheiterreger, den Fuchsbandwurm, mit sich. Erkrankte Füchse scheiden die Eier des Fuchsbandwurms über den Kot aus. Bei Kontakt mit Fuchskot kann der Mensch so den Erreger auflesen. Daher ist es ratsam, nach getaner Gartenarbeit die Hände gründlich zu waschen.

Schliesslich sollte man auch noch die positiven Aspekte des Stadtfuchses hervorheben: Als Gesundheitspolizist räumt er die Stadt auf, indem er beispielsweise kranke oder tote Vögel und andere Kleintiere verspeist.

Stadtfüchse sind ein Phänomen, das aus vielen Schweizer Städten bekannt ist. Dank dem Verständnis seitens der Bevölkerung sowie der Zusammenarbeit mit den Wildhütern ist ein gemeinsames Zusammenleben möglich.

 


Weiterführende Informationen:
Infos zum Umgang mit Füchsen in Siedlungsgebieten
Merkblatt Stadtfüchse (Schweizer Tierschutz)

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